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Preußen-Auktion bei Lempertz : Eine Grand Parure aus Eisen

  • -Aktualisiert am

Seltenes blaues Kaffeeservice von KPM: 10.500 Euro (8000/10 000). Bild: Lempertz

Ergebnisse für wahre Fans: Die Preußen-Auktion mit königlichen Kunstgegenständen bei Lempertz in Berlin.

          2 Min.

          Den Auftakt zu Lempertz’ Preußen-Auktion in Köln machten zahlreiche Porzellane für den preußischen Hof aus der Sammlung von Renate und Tono Dreßen: Darunter war ein dekorativer Speiseteller mit einem Blätter fressenden Hasen als Dekor aus dem japanischen Meissen-Service von 1762/63. Es war mit 184 Teilen nach persönlichen Vorgaben und Zeichnungen von Friedrich II. entstanden und für das 1764 fertiggestellte Chinesische Haus im Park von Sanssouci vorgesehen. Der 24 Zentimeter große Teller wechselte nun für 10.000 Euro den Besitzer; die Schätzung lag bei 6000 bis 8000 Euro. Ein bisher unbekannter russischer Militärteller von KPM, um 1806 entstanden und ebenfalls aus der Sammlung Dreßen, zeigt vier Soldaten auf dem Schlachtfeld; er überstieg seine obere Erwartung mit 8500 Euro (Taxe 6000/8000). Ein seltenes blaues Kaffeeservice mit 31 Teilen von 1764, das Friedrich II. für die Ausstattung seiner Schlösser bei KPM bestellt hatte, reüssierte bei 10.500 Euro (8000/10.000).

          Eines der Highlights der Veranstaltung, die 85 Zentimeter hohe Zinkgussplastik des „Sitzenden Odysseus als Heimkehrer“ von Christian Friedrich Tieck, deren Marmorversion ursprünglich im Teesalon von Kronprinzessin Elisabeth von Preußen im Berliner Schloss gestanden hatte, kam auf 20.000 Euro (18.000/25.000) und geht in eine private Berliner Sammlung. Unverkauft blieben unter anderem das Spitzenlos der Auktion – eine riesige, prunkvolle Berliner Deckenkrone, die sich einst im Besitz der Fürsten zu Hohenlohe-Langenburg befand, versehen mit einer Taxe von 60.000 bis 80.000 Euro – und ein Paar kobaltblaue Unikat-Vasen mit Schlangenhenkeln (18.000/20.000). Die „Studie für das Porträt des Generalleutnants Hans Karl von Winterfeldt“, eines der engsten Berater Friedrichs des Großen, aus der Hand von Adolph von Menzel wurde mit 14.000 Euro (12.000/16.000) honoriert; das Blatt geht in eine deutsche Sammlung. Das wunderschöne und marktfrische Porträt, das Johann Heinrich Schröder um 1800 von Königin Luise von Preußen im Profil malte, kam auf 16.000 Euro (15.000/20.000).

          Karl Friedrich Schinkel ist in einer Preußen-Auktion natürlich omnipräsent: Für einen vergoldeten, 44 Zentimeter hohen Bronze-Tischleuchter zur Aufstellung vor einen Spiegel fertigte Schinkel den Entwurf an; das imposante Stück mit zehn Lichtquellen überflügelte seine Erwartung von 6000 bis 8000 Euro deutlich; einem Londoner Sammler war es 15.000 Euro wert. Ansichten von Schinkel-Gebäuden in Berlin schmücken nicht nur ein Paar Porzellanbilder in vergoldeten Holzrahmen – sie entstanden um 1838/42 und spielten mit 20.000 Euro (bis 30.000) ihre untere Taxe ein –, sondern auch ein fünf Zentimeter großes Osterei aus Porzellan von KPM, das es auf 2000 Euro (600/800) brachte.

          „Gold gab ich für Eisen“: Sechsteilige Grand-Parure aus patiniertem Eisen, zugeschlagen bei 14.000 Euro (6.000/8.000).
          „Gold gab ich für Eisen“: Sechsteilige Grand-Parure aus patiniertem Eisen, zugeschlagen bei 14.000 Euro (6.000/8.000). : Bild: Lempertz

          Aus der Sammlung Lith kamen 65 Lose mit feinst ziseliertem Eisengussschmuck zum Aufruf, dessen Begehrtheit während der Napoleonischen Kriege ihren Höhepunkt erreichte: Im Jahr 1813 appellierte Prinzessin Marianne von Preußen an alle patriotischen Frauen des Landes, ihren Goldschmuck gegen Eisenschmuck einzutauschen – nach dem Motto „Gold gab ich für Eisen“ –, um einen persönlichen Beitrag zur Unterstützung der Befreiungskriege zu leisten. Eine sechsteilige „Grand Parure“ im Etui von Johann Conrad Geiss, bestehend aus Kette, Ohrringen, Brosche und Armbändern, erregte großes Interesse und wurde an einen Bieter aus Singapur erst bei 14.000 Euro (6000/8000) zugeschlagen. Auch ein teils vergoldeter Brieföffner aus Silber erfuhr eine deutliche Steigerung: Der 26 Zentimeter lange Offizierssäbel war ein Geschenk für Otto Fürst von Bismarck zu seinem achtzigsten Geburtstag. Auf 800 bis tausend Euro taxiert, erging der Zuschlag erst bei 5300 Euro. Insgesamt setzte die Preußen-Auktion 1,1 Millionen Euro um; die Erwartung lag bei 1,03 Millionen.

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