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Kunstauktionen in New York : Das ist garantiert wieder ein Höchstpreis

Diesmal stieg das Rekordfieber bei den New Yorker Prestigeauktionen besonders hoch. Dahinter steht das Kalkül der Auktionshäuser Christie’s und Sotheby’s: Es geht um Garantien und die Marktführerschaft.

          Eines lässt sich bei all den Superlativen, mit denen grade nur so um sich geworfen wird in New York, nicht verleugnen: Es ist eine gewisse Abstumpfung eingetreten gegenüber immer neuen Höchstpreisen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Eigentlich wundert sich niemand mehr so richtig, der in den vergangenen Jahren auch nur ein wenig auf den internationalen Kunstmarkt geachtet hat. Als im Mai 2004 Picassos früher „Garçon à la pipe“ bei Sotheby’s in New York für 104,2 Millionen Dollar, das Käuferaufgeld eingerechnet, verkauft wurde, war das noch eine echte Sensation. Zum ersten Mal in der Auktionsgeschichte kostete ein Kunstwerk mehr als hundert Millionen Dollar, eine bis dahin magische Grenze war überschritten. Das geschah vor einem gebannten Saal, in dem noch die Beteiligung von Bietern zu erleben war. Inzwischen berühmt ist die Story, dass dem Supergaleristen Larry Gagosian mittendrin der Akku seines Mobiltelefons schlapp machte und er erst weitermachen konnte, als er das Telefon seiner Nachbarin gegriffen hatte. Bekommen hat Gagosian das Bild allerdings nicht; bis heute ist sein Käufer unbekannt, entsprechend ist es auch nicht wieder in der Öffentlichkeit aufgetaucht.

          Die Spitzenstücke kommen aus der Moderne

          Nicht bekannt ist auch, ob der großartige „Junge mit der Pfeife“ inzwischen den Besitzer gewechselt hat, etwa bei einem der private sales, die hinter verschlossenen Türen angebahnt werden - nicht selten von den großen Auktionsfirmen selbst. Und kaum zu sagen ist auch, was geschehen würde, kehrte er demnächst in eine Versteigerung zurück. Da er nicht nur 2010 von Picassos „Nu au plateau de sculpteur“ (in Dollar gerechnet) überrundet wurde, sondern außerdem noch von einer Variante von Munchs „Der Schrei“, von einer Giacometti-Bronze, dann von einem Triptychon Francis Bacons - und eben vor fünf Tagen von wieder einem Picasso, „Les femmes d’Alger (Version ,O‘)“: Mit dem Zuschlag von 160 Millionen, das bedeutet mit Aufgeld 179,4 Millionen Dollar, wurde das Gemälde von 1955, wie berichtet, zum teuersten Kunstwerk in einer Auktion bisher überhaupt.

          Die „Version O“ - die fünfzehnte der Versionen nämlich, die Picasso 1954/55 von Delacroix’ berühmtem Harems-Interieur von 1834 malte - führte dabei eine Abendauktion bei Christie’s an, die unter dem Motto „Looking Forward to the Past“ 35 Werke der Moderne und Gegenwart vereinte, um eine superreiche Kundschaft zu bedienen, die damit an die zeitgenössische Kunst herangeführt werden sollte. Bei näherer Betrachtung der Ergebnisse zeigt sich freilich, dass die Spitzenstücke sämtlich aus der Moderne kommen: Mit dem Zuschlag von 126 Millionen, also zum Endpreis von 141,3 Millionen Dollar ging Alberto Giacomettis „L’homme au doigt“ von 1947 vom Platz.

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