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Prestigeauktionen in New York : Hat das Millionenspiel den Höhepunkt erreicht?

Der Auktions-Marathon hat begonnen: Es gibt erste Ergebnisse für die Moderne. Nun beginnt die Aufholjagd für die Zeitgenossen mit Werken von Louise Bourgeois, Andy Warhol und Cy Twombly.

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          Glaubt man den Angaben in den voluminösesten Katalogen seit jeher, tragen jetzt renommierte Sammler aus Amerika und Europa ihre Spitzenstücke zu Markte - überwiegend abgesichert durch Garantien der Auktionsfirmen oder dritter Parteien. Was das bedeutet? Schwer zu sagen.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Die erste Probe im Megapreis-Marathon hatte Sotheby’s am Mittwoch zu bestehen. Mit Spannung wurde die Abendauktion mit „Masterworks“ aus der Sammlung von A. Alfred Taubman erwartet, ehemals Chairman der Firma und unselig verstrickt in Absprachen mit der Konkurrenz, die 2001 zu seiner Verurteilung führten. Die beiden Spitzenlose, jeweils mit einer Erwartung von 25 bis 35 Millionen Dollar versehen, kamen durch: Modiglianis „Portrait de Paulette Jourdain“ von 1919 ging zum Hammerpreis von 38 Millionen an eine asiatische Privatadresse, die dafür also 42,81 Millionen Dollar mit Aufgeld bezahlte. Picassos Dora-Maar-Bildnis als „Femme assise sur une chaise“ von 1938, vormals im Besitz von Gianni Versace, brachte es durch ein europäisches Privatgebot auf 17,7 Millionen Dollar, deutlich unterhalb der Schätzung. Dafür reüssierte Frank Stellas schönes, großes rotes Zwei-mal-zwei-Meter-Format „Delaware Crossing“ von 1961 bei zwölf Millionen Dollar (Taxe 8/12 Millionen), was einen Auktionsrekord für Stella bedeutet; das Bild, das übrigens früh durch die Hände von Rudolf Zwirner in Köln ging und laut Katalog nie zuvor in einer Auktion war, hatte Taubman schon 1982 erworben; erfolgreich war nun ein Privatgebot aus Europa.

          Die Kehrseite des Garantiewahnsinns

          Acht der 77 Lose wurden zu Rückgängen, empfindlich darunter ein Degas-Pastell „Femme nue, de dos, se coiffant“ (15/20 Millionen) und ein düsterer Jasper Johns, „Disappearance I“ von 1960 (15/20 Millionen). Nach Losen wurden dabei fast neunzig Prozent abgesetzt, was kein schlechter Schnitt ist. Nach Zahlen bedeutet das Ergebnis dieses Taubman-Abends einen Umsatz von 377 Millionen Dollar, knapp oberhalb der unteren Gesamttaxe von 374,8 Millionen - wobei stets zu bedenken ist: Der Umsatz schließt die Käuferaufgelder, die mehr als zwanzig Prozent der Kaufpreise betragen, mit ein. Darauf wies auch Tad Smith, Präsident und CEO von Sotheby’s, in seinem Statement hin. Er sei comfortable mit dem Ergebnis, was nicht gerade euphorisch klingt. Und zu berücksichtigen sei, dass die Hammerpreise samt der Käuferaufgelder für die Garantie zählen; es wird also, nach Smiths Angaben, brutto kalkuliert. Insgesamt hat Sotheby’s, wie berichtet, dem „Taubman Estate“ für etwa 500 Werke, die in mehreren Tranchen versteigert werden, eine Garantie von rund 500 Millionen Dollar gewährt.

          Bei der regulären Abendauktion am folgenden Tag blieben von 47 Losen elf unverkauft; darunter allein fünf, allerdings wenig anziehende, Picassos, am teuersten ein trüber „Nu, les bras croisés“ von 1960 (6/8 Millionen). Ohne Absicherung durch eine Garantie trat dafür Picassos phantastische „Gommeuse“ von 1901 an: Mit dem Zuschlag bei sechzig Millionen Dollar bestätigte sie ihre Erwartungen und brachte glatt einen Auktionsrekord für ein Werk seiner Blauen Periode; der anonyme Private Collector bezahlte brutto 67,45 Millionen für diese Beauté. Auch Van Goghs „Paysage sous un ciel mouvementé“ und Malewitschs „Mystic Suprematism (Black Cross on Red Oval)“ hielten annähernd, was sie versprachen: Die Landschaft von 1889 reüssierte bei 48 Millionen (50/70 Millionen), das suprematistische Gemälde von 1920/22 direkt aus dem Besitz der Erben bei 33,5 Millionen Dollar (35/45 Millionen). Diese Veranstaltung spielte 306,7 Millionen Dollar ein. Insgesamt zieht Sotheby’s für Impressionismus und Moderne eine Bilanz von 575,8 Millionen Dollar. Das ist eine Menge; man hatte sich allerdings wohl mehr erwartet.

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