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Präkolumbische Kunst : Vom gleißenden Stern der Kunst

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Der Schweizer Industrielle Josef Müller ließ sich auf geniale Weise von seinem Instinkt leiten. So schuf er eine einzigartige Sammlung präkolumbischer Kunst. Die Stücke werden jetzt in Paris versteigert.

          Es wird zweifellos ein außergewöhnliches Ereignis, wenn am 22. und 23. März die Sammlung Barbier-Mueller mit präkolumbischer Kunst im Pariser Auktionshaus von Sotheby’s unter den Hammer kommt. Weltweit eine der bedeutendsten Sammlungen mit Kunstgegenständen aus der Zeit vor der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, umfasst sie Skulpturen, Keramik, Textilien und rituelle Objekte bedeutender Kulturen wie der Olmeken, Mayas, Azteken oder Inkas, aber auch weniger bekannter wie der Cupisnique oder Mochica. Der Gang durch die Ausstellungsräume von Sotheby’s, wo die Sammlung noch bis zum 21.März besichtigt werden kann, beeindruckt, strahlen die Objekte doch eine einzigartige ästhetische Vollkommenheit aus.

          Zufall und Leidenschaft stehen am Anfang dieser Sammlung, Intuition und Sachverstand haben ihr im Laufe von fast hundert Jahren ihre Kohärenz und faszinierende Ausdruckskraft gegeben. Den Grundstein legte der Schweizer Industrielle Josef Mueller (1887 bis 1977). Er war noch keine zwanzig Jahre alt, als er im Haus eines Schulkameraden zufällig ein Gemälde von Pablo Picasso sah, das wie eine Offenbarung auf ihn wirkte. Kurz darauf erwarb er sein erstes Gemälde und versprach, sein Leben dem „gleißenden Stern der Kunst“ zu widmen. Von 1920 an wandte er sich auch den fernen Kulturen zu.

          Als Leihgabe in Barcelona

          Eine erstaunliche aztekische Wassergottheit, die nun in Paris zur Auktion steht, bildete damals das erste Stück der präkolumbischen Sammlung. Die Skulptur aus der Zeit zwischen 1300 und 1521 nach Christus ist auf 400000 bis 500.000 Euro geschätzt. Während Josef Mueller sich auf geniale Weise von seinem Instinkt leiten ließ, vervollständigte sein Schwiegersohn Jean-Paul Barbier-Mueller die Stammeskunst-Sammlungen - neben der präkolumbischen auch afrikanische und ozeanische Sammlungen - mit dem rationalen Blick des universellen Gelehrten. Sein Lieblingsstück ist eine kleine olmekische Statuette aus grünem Serpentin von 900 bis 600 vor Christus. Sie ist auf 300.000 bis 400.000 Euro geschätzt.

          Seit 1997 war die Sammlung als Leihgabe in Barcelona ausgestellt. Nachdem weder die Stadt noch der spanische Staat die Mittel zu einem Ankauf aufbringen konnten, entschloss sich die Familie zum Verkauf. Unbedingt, so der Wunsch, sollte die Auktion in Paris stattfinden, dem Zentrum für präkolumbische Kunst. Als Händlerexperten wählte Jean-Paul Barbier-Mueller den international anerkannten Spezialisten Jacques Blazy.

          Transparente Provenienz

          Einen Schatten wirft bei all der Begeisterung eine Nachricht über die Versteigerung: Das peruanische Kulturministerium hat für die etwa sechzig ursprünglich aus Peru stammenden Lose eine Überprüfung und eventuelle Rückerstattung „in Übereinstimmung mit den internationalen Abkommen“ gefordert. Die Stücke wurden in den zwanziger Jahren von Josef Mueller akquiriert und sollen, so der Vorwurf, angeblich auf illegalem Weg exportiert worden sein. Bis heute ist jedoch keine offizielle Anfrage der peruanischen Regierung eingegangen. Sotheby’s verweist darauf, dass die Sammlung seit vielen Jahren öffentlich gezeigt wurde und die Provenienz transparent ist. Die Forderung käme also sehr spät. Die Schätzwerte der 313 Lose liegen zwischen 3000 und drei Millionen Euro.

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