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Porträt : Zum Jubiläum Trouvaillen in Petersburger Hängung: 25 Jahre Remmert und Barth in Düsseldorf

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Seit ihrer ersten Ausstellung zu Erwin Graumann 1980 unternehmen die beiden Galeristen Herbert Remmert und Peter Barth vier bis fünf mal pro Jahr „faszinierende Entdeckungsreisen in unbekannte Gefilde der deutschen Kunstgeschichte“.

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          Dadamax oder Graumann - als zwei Junggaleristen im Jahr 1980 in Düsseldorf ihre erste Ausstellung planten, da konnten sie sich kaum einigen: Für Peter Barth war Max Ernst, der Rheinländer mit Weltruhm, erste Wahl. Doch Kompagnon Herbert Remmert hielt dagegen, daß man von Ernst höchstens Druckgraphik bei Kollegen zusammensammeln könne: „Von Erwin Graumann können wir hingegen wesentliche Werke bekommen.“

          Ein Besuch der Nachwuchshändler im Pariser Atelier des Emigranten Graumann resultierte dann auch in einer Auswahl an Gemälden, Graphiken und Zeichnungen. Der wenn auch nur acht Seiten schmale Katalog enthielt immerhin einen einführenden Text zu dem rheinischen Avantgardisten und ein Werkverzeichnis. Die Beschaffung der Rahmen für mehr als sechzig Blätter trieb Remmert und Barth damals fast in den Ruin: ein Niveau, das man jedoch mindestens zwei Jahre durchhalten wollte - auch wenn kein einziges Bild verkauft werde.

          Aber sofort nach dem Versand der Einladungen meldete sich die erste Kundin und kaufte ein Aquarell; ein Passant erwarb ein Stilleben und kam nach der Vernissage wieder, um Zeichnungen, Radierungen und weitere Gemälde mitzunehmen: „So furios hatten wir uns den Beginn unserer kunsthändlerischen Karriere nicht vorgestellt“, erinnert sich Peter Barth. Zu den ebenfalls geplanten Ausstellungen junger zeitgenössischer Kunst kam es nie. Die „faszinierenden Entdeckungsreisen in unbekannte Gefilde der deutschen Kunstgeschichte“ waren zu erfolgreich: Was andere Galerien als Umfeld oder in der Nachbarschaft von „Brücke“ und „Blauem Reiter“ handelten, das stellten Remmert und Barth in den Mittelpunkt: den Künstlerkreis der Düsseldorfer und rheinischen Avantgarde der zwanziger Jahre, „Das junge Rheinland“ und die Künstler der legendären Händlerin Johann Ey.

          Knuspriger Apfelkuchen bei Otto Pankoks Witwe

          In Berlin hatte Herbert Remmert bei der Galerie Nierendorf volontiert und gelernt, wie man die regionale Kunst richtig aufarbeitet. Dort war er Peter Barth begegnet, Sohn des Malers Karl Barth und promovierter Germanist, der das Programm im aktuellen Jubiläumskatalog als nachgeholtes Stelldichein einer - teils vergessenen, teils verschollenen - Kunstszene beschreibt: „Die ganze Mannschaft, die im Hinterstübchen der legendären Firma ,Neue Kunst Frau Ey“ residiert hatte, kehrte in das renovierte Haus Mühlenstraße 1 ein. Es kamen der bärtige Pankok und der rothaarige Wollheim, der sächselnde Dix und der Dadamax Ernst, der geheimnisvolle Jankel Adler und der kleinwüchsige Karl Schwesig, der naive Trillhase, der alte Rohlfs und der junge Bruno Goller. Es kamen die Kölner Heinrich Hoerle, Franz W. Seiwert und Gottfried Brockmann; es kamen die rheinischen Expressionisten Macke, Nauen, Campendonk und Walter Ophey. Und auch die Klassiker aus Dresden und Berlin mischten sich unter das junge rheinische Volk: Kirchner und Heckel, Schmidt-Rottluff und Nolde.“

          Mit gelassenem Humor schildert der 260 Seiten starke Katalog zur Jubiläumsausstellung „25 Jahre Remmert und Barth“ auch die „diversen“ Treffen mit den Künstlerwitwen und Künstlerkindern: „Wir lernten schnell, daß ohne intensives Zuhören keine Kunst zu bekommen war. Aber wir hörten gerne zu, wir lernten, daß Kunstwerke ein menschliches Umfeld haben, ein individuelles Umfeld, ein familiäres, ein soziales, ein politisches.“ So reist das Gespann zu Otto Pankoks Witwe Hulda an den Niederrhein (knuspriger Apfelkuchen) und besucht die bescheidene Käte Küppers (selbstgebackener Kirschkuchen).

          Den beiden gelingen fortan vier bis fünf Ausstellungen im Jahr zu anspruchsvollen Themen oder einzelnen Künstlern. Es dauert, bis eine Auswahl stimmig ist. Lasar Segalls Schau „Ein wiederentdecktes Gemälde inmitten von 40 Graphiken“ zum Beispiel fand erst nach vielen Jahren zu ihrer Form: „Als leidenschaftliche Jäger und Sammler in Sachen Kunst waren wir daran gewöhnt, uns in Geduld zu fassen. Seit 1994 wußten wir von der Existenz eines Segall-Gemäldes“, erinnert sich Peter Barth an die Suche nach dem verschollenen Original, einer Rarität. „So legten wir uns also auf die Lauer, geduldig wie immer, doch wir hatten uns geschworen, erst wenn wir dieses Bild haben, machen wir unsere Segall-Ausstellung. Es vergingen noch einmal acht Jahre, bis wir das Bild überhaupt das erste Mal sahen und es bald darauf in unsere Arme schließen konnten.“ (Eine Anfang der zwanziger Jahre entstandene komplette Mappe mit fünf Radierungen des später nach Brasilien ausgewanderten Künstlers ist derzeit zum Preis von 25 000 Euro im Angebot der Galerie.)

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