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Porträt : Im Tal der Versuchungen: Paul Durand-Ruel, Kunsthändler der Impressionisten

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Durand-Ruel hatte über die Begegnung mit dem Werk von Manet zur Kunst derer gefunden, die man 1874 „Impressionisten“ schimpfen würde. Niemand vor ihm hat mit ähnlicher Energie und mit vergleichbar finanziellem Risiko ganze Konvolute, Atelierbestände oder Sammlungen aufgekauft und Künstlern Garantien angeboten. Doch dauerhafter Erfolg blieb lange aus; sein Magazin leerte sich kaum. Wirtschaftlich flaue, geradezu bedrohliche Zeiten wurden für ihn zum Hemmschuh und lähmten umgekehrt seine Künstler. Es war zu einer Schicksalsgemeinschaft gekommen: Der Galerist mußte sich nicht nur die Miseren der Maler anhören und gleichzeitig alte Kunden beschwichtigen, denen sein Eintreten für junge Progressive suspekt war; er mußte auch scharfzüngige Kritiker und vor allem die Konkurrenz in Schach halten, von Brame und Tempelaere bis zu seinem größten Rivalen Georges Petit; Bernheim-Jeune, Wildenstein und Vollard traten erst um oder nach 1900 als Händler für Impressionisten auf den Plan.

Rettung aus New York

Im Hôtel Drouot verbreiteten sich Gerüchte über die unmittelbar bevorstehende Liquidation, und tatsächlich war Durand-Ruel - geschwächt durch Affären, wie der um einen gefälschten Daubigny, in die er als Diffamierter geriet - mehrfach nah dran, das Handtuch zu werfen. Die Rettung kam durch die Gründung einer Dependance an der Fifth Avenue in New York und mit dem Aufbau von Kontakten zu wohlhabenden Sammlern dort. Um 1890 begann Durand-Ruels Rechnung aufzugehen. Zwar hatte sich mancher Künstler nicht so lange hinhalten lassen. Doch man verstand auch, daß die Durchsetzung der „nouvelle peinture“ erst mit zeitlichem Abstand und nach dem Auftreten „extremerer“ Erscheinungen - wie dem Neoimpressionismus oder der späten Kunst von Van Gogh, Cézanne und Gauguin - gelang.

Ohne Unterstützung der Familie

Im Jahr 1922 starb Paul Durand-Ruel. Bis heute steht eine Studie über ihn, der der Avantgarde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Weltgeltung verschaffte und in seiner Wohnung an der Rue de Rome eine bemerkenswerte Privatsammlung wöchentlich zur Besichtigung öffnete, noch aus. Denn auch Pierre Assouline, dem schon Bücher über den Händler Kahnweiler und den Sammler Isaac de Camondo zu verdanken sind, gelang es nicht, alle Familienmitglieder für sein Vorhaben zu gewinnen und das Firmenarchiv der noch bestehenden Galerie auszuwerten. Er stellt souverän Zusammenhänge her und fügt Bekanntes geschickt zu einem unterhaltsamen Auffrischungskurs in Impressionismus-Geschichte.

Eine gelungene Annäherung

Assouline skizziert in seinem Buch, das keine Fußnoten und Abbildungen hat, aber eine Genealogie, eine umfangreiche Bibliographie und ein Register, die politischen Überzeugungen, familiären Tragödien und die künstlerischen Ideale des Kunsthändlers: Der Privatmann Durand-Ruel trauerte dem Ancien Régime und dem Königtum nach, empfand die Commune, die Dritte Republik und die Trennung von Staat und Kirche als Verfall; der Galerist begeisterte sich für die Werke von Künstlern, die oft anarchistische, laizistische oder republikanische Auffassungen vertraten. Endlich wird deutlich, daß dieser neue Typus des Kunsthändlers doch Gauguin, Cézanne und Matisse verkannt hat. Am Ende des Buchs kennt man Durand-Ruel noch immer nicht ganz: Assouline ist eine schön geschriebene Annäherung gelungen. Der Mann selbst aber bleibt seltsam blaß - als habe die kühle Distanz, die Zola ihm nachsagte, ihre Macht behalten.

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