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Porträt : Ein Professor und sein Schiele: Der Wiener Sammler Rudolf Leopold

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Mit dem Ende des Krieges wurde auch dieses Thema abgeschlossen, denn der Umstand, daß bei Marken die Seltenheit und nicht die Schönheit den Wert bestimmt, begann den in der Zwischenzeit zum Medizinstudenten Herangereiften zu langweilen, womit er in seinem Interesse schließlich bei der Kunst, vorerst beim österreichischen 19. Jahrhundert à la Gauermann, angekommen war. Alles sollte sich dann schlagartig ändern, als Leopold 1950 bei einer Kunstbuchauktion die Schiele-Monographie von Otto Nierenstein, der sich nach seiner Emigration Otto Kallier nannte, in die Hände bekam. Schiele habe ihm bewiesen, daß es unter den modernen Künstlern jemanden gab, der genauso zeichnen und komponieren konnte wie die Alten Meister, schildert Rudolf Leopold, und dabei schwingt heute noch etwas von der damaligen Begeisterung mit.

Die nackte Wahrheit

Der Rest ist musealisierte Sammlungsgeschichte: 2,2 Milliarden Schilling war dem österreichischen Staat die Sammlung, die in eine Stiftung überführt wurde, wert. Das dazugehörige Museum, dem Leopold vorsteht, wurde im Jahr 2001 eröffnet. Wie vieles, was in Wien um 1900 entstanden ist, sind auch Werke aus der Sammlung Leopold, was ihre Herkunft anbelangt, nicht unumstritten. Doch anders als die österreichischen Bundesmuseen unterliegt das Leopold Museum als Stiftung nicht dem Kunstrückgabegesetz. Dennoch ist man hier in einer eigenen Abteilung für Provenienzfoschung um größtmögliche Offenheit - aufgelistet in der Website des Hauses - bemüht.

Einige der Hauptwerke der Sammlung sorgten kürzlich in der Ausstellung „Die nackte Wahrheit. Klimt, Schiele, Kokoschka & andere Skandale“ in der Frankfurter Schirn für Furore, die nun bis zum 22. August in erweiterter Form im Leopold Museum zu sehen ist. Dazugekommen sind auch einige Schauplätze, denn wo sonst als in Wien und Umgebung ließe sich Lokalkolorit schnuppern? So gehören der Beethovenfries in der Secession, Gustav Klimts letztes Atelier in Hietzing, Schieles Gefängniszelle in Neulengbach und der Festsaal der Universität Wien, wo Klimts 1945 verbrannte Fakultätsbilder in originalgroßen Reproduktionen erstmals an ihrem Bestimmungsort präsentiert werden, zum Ausstellungsrundgang.

Der Augenarzt mit dem scharfen Blick

Rudolf Leopold indes bastelt an der Sammlung Leopold II., zu der auch Schieles „Mädchen“ von 1917 gehört. Der ganzfigurige Akt war 1998 bei den Wiener Kunstauktionen für 42 Millionen Schilling einer deutsch-österreichischen Investorengruppe nur vorläufig zugeschlagen worden, denn die Genehmigung für die beabsichtigte Ausfuhr war zuvor vom Bundesdenkmalamt nur im Falle des Ankaufs durch ein bedeutendes internationales Museum erteilt worden. Aufgrund des Ausfuhrverbots traten die anonymen Investoren von ihrem Angebot zurück, und Leopold ersteigerte die Splitterfasernackte für 43 Millionen Schilling - was heute etwa 3,12 Millionen Euro wären.

Reisen nach Übersee sind ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr erlaubt, ansonsten vertraut der Augenarzt mit dem scharfen Blick keiner Katalogabbildung und begutachtet die Objekte seiner Begierde prinzipiell im Original. Wenn das Stück dann aufgerufen wird, ist er meist wieder unterwegs und via Mobiltelefon dabei. Bleibt er zur Auktion, kann es schon sein, daß ein Kratzen hinter dem Ohr, das Putzen der Brille oder aber demonstrative Unbeteiligtheit die Preise in die Höhe treiben, denn manchmal läßt Leopold trotz Anwesenheit über andere steigern. Er selbst beobachtet dann das Bietgefecht, um hernach, ohne den Finger gerührt zu haben, doch wieder als Sieger hervorzugehen.

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