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Pierre Bergés Bibliothek : Nadja in kompletter Handschrift

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Der französische Unternehmer Pierre Bergé trennt sich in Paris von seiner Bibliothek. Die erste Offerte umfasst einzigartige Schätze unter anderen von André Breton und Blaise Cendrars mit Sonia Delaunay.

          Pierre Bergé ist heute 85 Jahre alt und hat mindestens drei Leben in einem gelebt. Als Unternehmer baute er mit seinem Lebenspartner Yves Saint Laurent ein Mode-Imperium auf. Als Kunstliebhaber brachte er gemeinsam mit ihm eine kolossale Sammlung zusammen, die 2009 in einem mehrtägigen Auktionszyklus in Paris versteigert wurde. Nun trennt sich Bergé auch vom Herzstück seines reichen Lebens: Die rund 1600 Werke umfassende Bibliothek, im Laufe eines halben Jahrhunderts zusammengetragen, zeigt den passionierten Leser und Bibliophilen. Sie wird in sechs thematisch geordneten Auktionen bis ins Jahr 2017 hinein vom eigenen Auktionshaus Pierre Bergé & Associés aufgelöst, in Zusammenarbeit mit Sotheby’s.

          Die mit „Florilège littéraire“ überschriebene erste Offerte führt am 11. Dezember im Pariser Drouot mit knapp 200 Losen von den „Confessions“ des Augustinus hin zu einer handsignierten Faksimile-Ausgabe von William Burroughs „Scrapbook 3“ aus dem Jahr 1979. Dazwischen reihen sich die kostbaren Bände einer sehr persönlichen Auslese von signierten Ausgaben und Manuskripten der Weltliteratur, mit einer Neigung zu französischen Autoren: etwa die Handschrift von de Sades „Les Journées de Florbelle“ (Taxe 300.000/400.000 Euro) oder eine Vorstudie Flauberts zur „Éducation Sentimentale“ (400.000/600.000). Und da ist das vollständige Manuskript von André Bretons „Nadja“ - als auf 2,5 bis 3,5 Millionen Euro geschätztes Spitzenlos. Breton, Cocteau und Gide gehörten zu Pierre Bergés Freundeskreis; Flaubert ist für ihn der Größte überhaupt.

          Ein kleines Juwel ist das außergewöhnliche Bändchen „La Prose du Transsibérien et de la petite Jehanne de France“ von Blaise Cendrars und Sonia Delaunay aus dem Jahr 1913 (200.000/300.000): Es wurde als „poème simultané“ entworfen und lässt Cendrars’ Dichtung von Delaunays regenbogenfarbigen Pochoir-Kompositionen begleiten, Schrift und Bild kommunizieren miteinander. Eine Lasche hält den von Delaunay entworfenen Pergamenteinband zusammen, dann entfaltet sich das Doppelkunstwerk in ein zwei Meter langes Leporello. Nur siebzig Exemplare wurden gedruckt; es war ein kommerzieller Misserfolg, der im Rückblick zeigt, wie avantgardistisch das Unterfangen seinerzeit war.

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