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Picasso : Mit Maske und Kostüm: „Pablo Picasso - Prints and Photos“ bei Boisserée in Köln

Die knapp siebzig druckgraphischen Arbeiten und fast zwanzig Stierkampfszenen aus der Mappe „Die Tauromaquia oder Die Kunst des Stierkampfs“ finden ein Gegenüber in den Fotografien von Edward Quinn, dem irischen Fotografen und Freund der Familie.

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          „Weihnachten in ,La Californie'“ - im Hintergrund des Familienfotos stapeln sich die Ölgemälde, Papa Picasso trägt dunklen Anzug und Krawatte, Sohn Claude ein Torero-Kostüm mit Säbel, und Paloma im karierten Kleid kniet strahlend mit ihrem Geschenk vor dem Vater - eine Puppe, die eine Puppe auf dem Arm hält.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Neben dem Abdruck dieses Moments auf Barytpapier hängt eine Kreidelithographie die sichtbar macht, wie sich der Künstler an diesen Augenblick erinnert haben mag. „Paloma et sa pupeé“. Picasso markiert die Umrisse des Mädchens in klaren, dünnen Strichen, ihr Oberkörper füllt fast das Blatt. Der große Kopf ist mit wenigen Linien ausgeführt, das Karo des Kleides und die Staffelung der Bilder im Hintergrund verschmilzen zu einem Ornament. Die Puppe in ihren Händen wirkt winzig, doch wird sie unvermittelt zum Zentrum der zarten Bildkonstruktion, denn sie ist dunkler, dichter durchgearbeitet und fast lebendiger als das Kind. Ihr kraus gelocktes Kunsthaar ist ein vitales Gewuschel, und während Palomas Augen nur Kringel im Muster bleiben, starrt die Puppe blicklos aus tiefgrauer eigener Aura zurück.

          Wie andere mit dem Zeichenstift

          Das virtuose, eigengesetzliche Nebeneinander der Techniken zeigt Anfang der fünfziger Jahre die ungebrochene Meisterschaft eines Künstlers, der auf dem Stein so privat und versponnen arbeitet wie andere mit dem Zeichenstift (29 800 Euro). Die Galeristen Johannes Schilling und Thomas Weber haben in der Kölner Galerie Boisserée unter dem Titel „Pablo Picasso - Prints and Photos“ eine lebendige Ausstellung inszeniert. Die knapp siebzig druckgraphischen Arbeiten und fast zwanzig Stierkampfszenen aus der Mappe „Die Tauromaquia oder Die Kunst des Stierkampfs“ finden ein Gegenüber in den Fotografien von Edward Quinn. Der Ire lernte den Maler 1951 im südfranzösischen Vallauris anläßlich einer Vernissage kennen, bei einem ersten kurzen Besuch an der Tür posierte der weltberühmte Maler spontan mit seinen Kindern, die Villa blieb verschlossen.

          Mit dem ewigen Selbstdarsteller zum Stierkampf

          Doch die Fotos von Paloma und Claude gefielen Pablo Picasso so gut, daß er Edward Quinn bald auch ins Töpferatelier einlud. Der Fotograf wurde zum Freund der Familie - zwei Jahrzehnte lang, bis zum Tod des Künstlers. Quinn arbeitete unauffällig, verzichtete auf künstliches Licht oder aufwendige Technik und durfte Picasso ins Studio begleiten, an den Strand oder zum Stierkampf. Picasso, der ewige Selbstdarsteller, präsentiert sich ihm mit seinen Frauen (Françoise und Jacqueline) oder einer Ziege auf dem Schoß.

          Er posierte mit Maske und in Kostüm wie in der Badehose, und Quinn, der diese Inszenierungen des Genialischen begeistert spiegelt, gelingen Fotos, die unter den Verkleidungen ein Gesicht zeigen: Verkleidet mit Capa und Torero-Hut, blicken die braunen Augen des Alten fast ratlos ins Objektiv. Allerdings wurden die großformatigen Silbergelatine-Abzüge sämtlich erst im vergangenen Jahr vom Nachlaß des vor acht Jahren verstorbenen Edward Quinn herausgegeben; sie kosten 1200 Euro.

          Alles war erlaubt

          Die Kölner Galerie Boisserée hat zudem eine der drei Druckerpressen aus dem Atelier von Fernand Moulot ausgeliehen, an diesem schweren Gerät aus Holz und Stahl müssen der Drucker und der Künstler stundenlang verhandelt haben: Wenn Pablo Picasso druckte, war alles erlaubt, die Arbeit im Atelier der Drucker galt nicht allein der Vervielfältigung, sondern war fortdauerndes Experiment. Pablo Picasso hatte es nicht nötig, an einer Vision zu feilen, ununterbrochen, neugierig, spielerisch durften sich die Motive weiterentwickeln, und alles war erlaubt - seine Drucker, so schreibt Françoise Gilot, habe der Meister häufig zur Verzweiflung gebracht. Und Fernand Mourlot erinnert sich, daß keine Technik unprobiert blieb - „Umdruckpapier, Lithostein, Zinkplatte, Kreide, Feder, Lavis usw . . .“

          Die Ausstellung belegt diese uneingrenzbare Experimentierfreude mit dem berühmten Motiv „Paris 14 Juillet 42“ - die großformatige Radierung nach einem Relief der Antike zeigt, mitten im Krieg, eine klassische Prozession, die den Frieden feiert. Picasso war so angetan von der Radierung, daß er im „Umdruckverfahren“, so erinnert sich wiederum Fernand Mourlot, von der Radierung eine Lithographie von der Zinkplatte herstellte. Die Galerie Boisserée präsentiert stolz drei Versionen - eines der sieben Exemplare des fünften und letzten Zustands, die - eigentlich als verschollen geltende - Vorlage für die Zinkographie auf lithographischem Umdruckpapier sowie einen Abzug der lithographischen Platte, von der es maximal drei Exemplare gibt (Preise auf Anfrage).

          Eine Kröte mit düsterem Anlitz

          Zwischen beeindruckenden Studien vom Stierkampf und berühmten Schönheiten wie den Frauenporträts „Figure au corsage rayé“, einer Lithographie in sechs Farben (Preis auf Anfrage), oder den „Tête de Femme“, Farblinolschnitten, die Jacquelines Gesicht in nuancierte Farbflächen zerlegen (zu Preisen von 28 500 Euro sowie 48 500 Euro und darüber), hängt unvermittelt eine große Zinkographie aus dem Jahr 1949, deren Antlitz es an düsterer Präsenz mit allen Damen und Stieren aufnehmen kann - die malerisch getupft und gescheckte große Kröte „La Crapaud“ (38 000 Euro)

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