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Wem gehört dieses Bild? : Ein Picasso auf Irrwegen

  • -Aktualisiert am

War auf langer Reise: „Femme Assise“, gemalt 1958 von Pablo Picasso Bild: Picture Alliance / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Ein Bild von Picasso wird so lange um die Welt verschifft, bis ein Gericht in Amerika klären muss, wem es gehört. Was war da los?

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          Die Sammlerin ist in Sorge um ihren Picasso: Auf fast acht Millionen Dollar ist das Gemälde „Femme Assise“ von 1958 geschätzt, und Stella Isabella Djohan war bereit, sich von ihm zu trennen. Doch nun muss sich ein Verwaltungsgericht in New Jersey mit dem geplatzten Deal um das 146 mal 114 Zentimeter große Ölbild beschäftigen, das zuvor rund um die Welt verschifft worden war, von Singapur nach New York. Das Gericht ist zuständig, weil sich das Werk inzwischen in einer Lagerhalle in New Jersey befindet.

          Alles begann damit, dass der Kunsthandel Nevill Keating Pictures Limited aus London (NKPL) der Sammlerin zusichert haben soll, den Picasso für 7,75 Millionen Dollar zu kaufen. Vereinbart sei eine Anzahlung von 1,2 Millionen gewesen. Man habe sich geeinigt, die „Sitzende Frau“ von der Firma SRI Fine Art Services aufbewahren zu lassen. SRI ist auf die Lagerung und den Transport wertvoller Kunst spezialisiert; der Kaufinteressent soll dort Kunde sein. Doch bald darauf will Djohan erfahren haben, dass weitere Firmen eingeschaltet worden seien, denen sie nicht vertraute. NKPL habe die Zuständigkeit für das Bild an ein Unternehmen namens Fracassi Worldwide Shipping transferiert, das das Bild wiederum in Obhut der Firma Oblyon LLC. gegeben habe, einer Agentur, die bei Kunstgeschäften hilft. NKPL soll einen Weiterverkauf des Picassos geplant haben. Oblyon indes habe die Zuständigkeit für die Lagerung an ein Unternehmen namens Art Lending übertragen, das ebenfalls einen Account bei SRI hat.

          Keiner der Transfers sei mit der Verkäuferin abgesprochen gewesen – und besonders der mutmaßliche letzte wirft Fragen auf. Art Lending Inc. ist nämlich ein in Los Angeles ansässiges Unternehmen, das wie ein Pfandleiher arbeitet. Die Firma bietet laut ihrer Website an, Kunst zu begutachten, zu lagern und dafür einen Kredit zu gewähren. Das Werk muss einen Mindestwert von 250.000 Dollar haben, und der Kunde bekommt es erst gegen Rückzahlung seiner Schulden zurück. Wollte der mutmaßliche Käufer vielleicht ein Gemälde beleihen, das ihm noch nicht gehörte? Oder gar von der Pfandsumme den Kaufpreis bezahlen?

          Die Klageschrift gibt darauf keinen Hinweis, die Beteiligten schweigen. Djohan jedenfalls erklärte das Geschäft mit NKPL für gescheitert: Der Londoner Kunsthändler habe nicht nur zu spät seine Anzahlungen geleistet, er habe auch kein Recht gehabt, die Zuständigkeit für die Lagerung an Fracassi und andere zu übertragen, so die Klage. Das Durchreichen an verschiedene Firmen wurde so undurchsichtig, dass das Gericht nun formell feststellen soll, dass Djohan immer noch rechtmäßige Eigentümerin des Picassos ist. Ob den beteiligten Unternehmen daneben auch ein Strafverfahren droht, ist unklar. Die Vermutung, dass es nicht mit rechten Dingen zuging, liegt nicht fern. Es läuft derzeit noch ein weiteres Gerichtsverfahren, in dem ein New Yorker Kunsthändler gegen die drei fraglichen Firmen – Fracassi, Oblyon und Art Lending – klagt. Doch diese Klageschrift ist nicht öffentlich.

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