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Picasso : Dora Maar: Schöne Auffenaugen und ein Mund wie eine zerrissene Blume

  • -Aktualisiert am

Seit 1968 war Picassos „Dora Maar mit Katze“ nicht mehr öffentlich ausgestellt. Zwar hat Sotheby's die Einlieferer nicht identifiziert, aber Kenner wissen, daß es sich um die Familie Gidwitz aus Chicago handelt. Für das Bild erwartet das Auktionshaus rund fünfzig Millionen Dollar.

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          Dora Maar, geboren 1907 in Paris als Henriette Theodora Markovitch, verbrachte den Großteil ihrer Jugend in Argentinien, wo ihr Vater als Architekt arbeitete. Deshalb sprach sie fließend Spanisch und konnte Picasso in seiner Muttersprache antworten, als sie ihm 1935 in Paris zum ersten Mal begegnete.

          Zu dieser Zeit war sie schon eine anerkannte Fotografin, die in den surrealistischen Zirkeln von Paris verkehrte. Paul Èluard war einer ihr besten Freunde, sie teilte sich eine Dunkelkammer mit Brassai, holte sich Ratschläge von Man Ray und war Freundin und Geliebte von Georges Bataille.

          Picasso war ein Vierteljahrhundert älter als Maar, er war noch mit Olga Koklova verheiratet und gerade Vater einer Tochter von Marie Thérèse Walter geworden. Dora Maar zählt zu den wenigen schöpferischen Frauen im Umkreis von Picasso und galt als dem Künstler intellektuell ebenbürtig. Ihre zum Dramatischen tendierende Persönlichkeit beschrieb er als „kafkaesk“, ihren intensiven Blick nannte er „mirada fuerte“.

          Immer wieder mit Hut

          Die Beziehung zwischen den beiden dauerte rund ein Jahrzehnt, von 1936 bis 1946. Unzählige Male diente sie ihm als Modell: Er schuf Skulpturen von ihr, malte und zeichnete sie, als Harpyie, nackt mit Minotaurus und immer wieder mit Hut auf dem Stuhl sitzend. Mit dem Spanischen Bürgerkrieg wurde Dora für Picasso zum Sinnbild des Kriegs, wie er selbst sagte, und so ist sie ist als „Weinende“ in die Kunstgeschichte eingegangen.

          Sie assistierte ihm, während er „Guernica“ malte - einige Pinselstriche stammen von ihr -, und dokumentierte die Entstehung des Monumentalwerks fotografisch. Die Fotografie gab sie allerdings bald auf; denn sie ließ sich von Picasso überreden, sich ganz der Malerei zu widmen: „In jedem Fotografen schlummert ein Maler!“

          Ein Mund wie eine zerrissene Blume

          Das rund 130 mal 97 Zentimeter messende Gemälde „Dora Maar au chat“ entstand im Jahr 1941, in der Mitte ihrer stürmischen Beziehung, während Paris von den Nationalsozialisten besetzt war. Die Dargestellte thront auf einem rustikalen Stuhl in einer weißen Nische wie eine Heiligenfigur. Obwohl sie ein Bein über das andere geschlagen hat, ist sie nicht verführerisch oder sinnlich wie auf anderen Porträts, die fünf Jahre früher gemalt wurden. „Affenaugen (aber schön) und ein Mund wie eine zerrissene Blume“, hat Cocteau einmal über eins ihrer Porträts von Picasso gesagt.

          Sie ist gleichzeitig en face und im Profil dargestellt, das Ohr klebt am Auge, und ihr Mund trägt ein harmloses kleines Lächeln. Aus dem Hut, von den Surrealisten gepriesen als erotisches Accessoire, macht Picasso einen lächerlichen Deckel mit Blumen. Dabei war Dora Maar bekannt für ihre eleganten Hüte. Ihr Nagellack reflektierte jeweils die Laune des Tags, und ihre perfekt manikürten Hände waren von den Surrealisten umschwärmt, aber Picasso hat ihr auf dem Bild spitze, unappetitliche Krabbenscheren verliehen. Hexenartig ist auch ihr Outfit, in Grün, Lila und Rot, gepunktet und gestreift, sowie die kleine schwarze Katze auf der Rückenlehne des Stuhls.

          Im Garten und mit Katze

          Seit 1968 war Picassos „Dora Maar mit Katze“ nicht mehr öffentlich ausgestellt. Zwar hat Sotheby's die Einlieferer nicht identifiziert, aber Kenner wissen, daß es sich um die Familie Gidwitz aus Chicago handelt. Diese hat das Bild in den sechziger Jahren durch Vermittlung von Heinz Berggruen von den berühmten Chicagoer Sammlern Mr. and Mrs. Leigh Block erworben.

          Die Taxe orientiert sich an einem Porträt von „Dora Maar, im Garten sitzend“, das aus der Saidenberg-Sammlung kam. Picasso malte es an einem einzigen Tag im Dezember 1938, und es wurde 1999 bei Sotheby's in New York für 45 Millionen Dollar einem ungenannten Telefonbieter zugeschlagen, der also, das Aufgeld eingeschlossen, 49,5 Millionen Dollar bezahlte: Für die aktuelle Dora erwartet das Auktionshaus rund fünfzig Millionen Dollar. Da kurz zuvor Van Goghs „Madame Ginoux“ beim Rivalen Christie's landete, war Sotheby's nun besonders daran interessiert, Picassos „Dora Maar“ an sich zu binden. Es wird vermutet, daß der Familie Gidwitz eine Garantie von mehr als 45 Millionen Dollar zugesagt wurde.

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