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Picasso-Auktion : Der Fetisch wird so hoch dotiert wie möglich

Ein Werk von Picasso gilt nun als das teuerste Gemälde der Welt. Was steckt hinter solchen Rekordmeldungen?

          Was ist eigentlich für manche Leute so aufregend daran, dass eine unbekannte Person, die ganz offensichtlich zu viel Geld hat, in New York, alle Gebühren inklusive, 179,4 Millionen Dollar auf den Tisch eines Auktionshauses legt für ein Gemälde von Picasso? Zumal „Les femmes d’Algers (Version ,O‘)“, so heißt das Bild, ein Werk ist, das die meisten der Leute, die dieser Verkauf jetzt bewegt, vorher noch nicht einmal gekannt haben? Es muss wohl daran liegen, dass wieder einmal – wie übrigens seit Jahren, mindestens alle Jahre wieder – der höchste bisher bezahlte Preis für ein Gemälde vermeldet wird. Wohlgemerkt: der in einer Auktion höchste bezahlte Preis, was gern weggelassen wird.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Das ganze aktuelle Furore ist umso unverständlicher, als vor gerade einmal drei Monaten die ziemlich realistische Nachricht die Runde machte, dass das Scheichtum Qatar in einem Privatverkauf angeblich 300 Millionen Dollar ausgegeben haben soll für ein Hauptwerk Paul Gauguins. Schließlich sind 300 Millionen erstens deutlich mehr als 179,4 Millionen, und zweitens wird „Nafea faa ipoipo“, so heißt Gauguins Gemälde, aus dem Kunstmuseum Basel abgehängt, also künftig der Öffentlichkeit entzogen sein. Während Picassos „Frauen von Algier“ wie die New York Times berichtet, dem Vernehmen nach sowieso die meiste Zeit seit ihrer letzten Versteigerung 1997 in einer Londoner Luxusstube hingen.

          Die charmante Idee vom heißblütigen Bietgefecht

          Noch weiter lässt sich die Luft aus dieser New Yorker Veranstaltung vom Montagabend, die bei 35 Losen mit nur einem Rückgang immerhin einen Umsatz von 705,858 Millionen Dollar generierte, herauslassen, wenn man sich die Regeln dieses Millionenspiels anschaut. Dann ist es nämlich endgültig vorbei mit der charmanten Idee vom heißblütigen Bietgefecht. Alles steht und fällt vielmehr mit der „Garantie“, die für ein Los gewährt wird. Die Garantie bedeutet, dass längst vor der eigentlichen Auktion eine Summe dafür feststeht. Sie wird in jedem Fall bezahlt – egal, ob es verkauft wird oder nicht. Diese geheim gehaltene Summe garantiert dem Einlieferer des Loses entweder das Auktionshaus selbst oder eine dritte Partei.

          Auch Picassos „Les femmes d’Algers (Version ,O‘)“ waren natürlich durch eine solche Garantie abgesichert - wie übrigens achtzehn weitere Lose in dieser Auktion. Anzunehmen ist, dass sie irgendwo im Bereich der Schätzung lag, die zuvor mit 140 Millionen Dollar beziffert wurde. Der Zuschlag für den Picasso erging dann bei 160 Millionen Dollar. Das Kalkül scheint also bestens aufgegangen zu sein.

          Was bleibt, ist die pekuniäre Sensation. Ist das aber wirklich aufregend? Denn dass solche ökonomischen Planspiele noch in irgendeinem Zusammenhang mit dem ideellen oder symbolischen oder auch bloß künstlerischen Wert eines Werks stünden, kann doch schon länger kein vernünftiger Mensch mehr glauben. Es geht um die höchstmögliche Dotierung von Fetischen. Wohl noch nie zuvor wurden die Sphären von Markt auf der einen Seite und Bedeutung eines Kunstwerks auf der anderen Seite so vor aller Augen sichtbar entkoppelt. Diese Lehre hat uns die Auktionsparade der Superlative gewiss erteilt.

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