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Neues Buch über Cézanne : Charmeoffensive in Aix-en-Provence

  • -Aktualisiert am

Eine Ausstellung mit Werken Paul Cézannes in der Galerie von Josse und Gaston Bernheim-Jeune Bild: Éditions G-P.F.DAUBERVILLE & Archives BERNHEIM-JEUNE, Paris

Ein neues Buch mit Materialien aus dem Archiv zeigt eine Beziehung mit Hindernissen: Paul Cézanne und die Galerie Bernheim-Jeune.

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          Anfang des Jahres 2019 hat die legendäre Pariser Galerie Bernheim-Jeune ihre Pforten für immer geschlossen. Besonders in den Jahren 1900 bis 1914 galt sie – neben den Galerien Durand-Ruel, Vollard oder Kahnweiler – als ein Magnet. Bei den Brüdern Josse und Gaston Bernheim-Jeune trafen sich die Amateure und Akteure der Kunstwelt. Die Handlung hatte früh auf Van Gogh, Matisse oder Bonnard gesetzt; später überraschte sie mit einer Ausstellung italienischer Futuristen. 2019 war jedoch noch nicht klar, was mit den Galerieräumen und vor allem mit den Geschäftsbüchern, Fotografien und Korrespondenzen, also dem Firmenarchiv, geschehen würde, das Verbindungen zu Künstlern und internationalen Kunden spiegelt.

          Nun hat Sotheby’s die Geschäftsräume der zuletzt an der Ecke Avenue Matignon und 83, rue du Faubourg-Saint-Honoré ansässigen Galerie übernommen, während Guy-Patrice Dauberville und seine Tochter Floriane Dauberville, Nachfahren der Brüder Bernheim-Jeune, das Archiv an die Avenue de Friedland haben umziehen lassen. Von dort wird eine neue Publikation aus dem hauseigenen Verlag gemeldet, die auf Materialien des Firmenarchivs fußt. Die umfangreiche Publikation „Paul Cézanne chez Bernheim-Jeune“ reiht sich vorangegangenen Werkverzeichnissen oder Dokumentationen ein, die Künstlern wie Bonnard, Matisse, Modigliani oder Renoir gelten.

          Der Maler als Misanthrop

          Die beiden großformatigen Bände rekapitulieren die am Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen Verbindungen zwischen Josse und Gaston Bernheim-Jeune sowie Paul Cézanne und seinem Sohn, Paul Cézanne junior. Als die beiden Galeristen mit Cézanne Kontakt aufnahmen, hatten sie schon einige seiner Werke bei seinem Filius erworben. Sie waren gerade erst dreißig Jahre alt und jugendlich zuversichtlich, den Maler, der als Misanthrop, jedenfalls als misstrauisch und barsch galt, gewinnen und mit ihm ins Geschäft kommen zu können. Er lebte jetzt, nach vielen Jahren, die er in Paris verbracht und hier vergeblich auf Anerkennung gewartet hatte, schon eine Weile wieder in seiner Heimatstadt. Dort, in Aix-en-Provence, hat er sich 1901/02 ein kleines Atelierhaus am Chemin des Lauves bauen lassen, einem Weg, der aus der Stadt auf eine Höhe führt.

          Dort empfing Cézanne die jungen Besucher aus Paris 1902 mit Höflichkeit und ließ sich von ihnen ganz aufgeräumt in die Umgebung begleiten – an Plätze, von denen aus er zum Beispiel die Montagne Sainte-Victoire malte – und beim lebhaften Gespräch fotografieren. Ihm schmeichelte das Interesse, das die beiden Nachwuchsgaleristen ihm entgegenbrachten; auch die Aussicht auf kommerziellen wie künstlerischen Erfolg, den sie ihm schmackhaft gemacht haben dürften, war reizvoll. Doch letztlich widerstand der Maler ihrer Charmeoffensive, denn er hätte seinen Kunsthändler Ambroise Vollard verstimmt, bei dem er sich gut aufgehoben fühlte. Seinem Sohn teilte Cézanne gleich nach Abreise der Besucher mit, dass es nicht in seinem Sinne gewesen sei, dass er mit den Bernheim-Jeunes geschäftliche Beziehungen aufgenommen hatte. Ähnlich beschrieb er das in einem Brief an den jungen Maler Charles Camoin und äußerte sich dabei über Vollard in den höchsten Tönen.

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