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Galerie Bernheim-Jeune : Hier trafen sich die Amateure und Akteure der Kunstwelt

  • -Aktualisiert am

Das Haupthaus der Galere Bernheim-Jeune, 25 Boulevard de la Madeleine, Paris im Jahre 1910. Bild: Galerie Bernheim-Jeune

Auch Rainer Maria Rilke war dabei: Die legendäre Pariser Galerie Bernheim-Jeune & Cie schließt ihre Pforten.

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          Im Jahr 1982 waren viele für die Avantgarde des frühen 20.Jahrhunderts wichtigen Pariser Kunsthandlungen längst Geschichte, als Michel Dauberville und sein Cousin Guy-Patrice Dauberville daran gingen, Verantwortung zu übernehmen und das Erbe ihrer Vorfahren unverdrossen fortzuführen. Wenn sie dann in dem großen Oberlichtsaal Besucher empfingen und in ihre Büros geleiteten, taten sie dies mit Zuvorkommenheit, aber auch mit Grandseigneurtum, das aus der Familiengeschichte erwachsen war. Besonders ihre Großväter Josse und Gaston Bernheim-Jeune hatten Kunsthistorie geschrieben, zusammen mit ihrem langjährigen künstlerischen Leiter Félix Fénéon, der sich als Kunstkritiker und insbesondere Anwalt des Neo-Impressionismus hervortat.

          Das Trio – Zeitgenossen von Paul Durand-Ruel, Ambroise Vollard, Berthe Weill oder Daniel-Henry Kahnweiler – interessierte sich vor allem für Impressionismus, Nachimpressionismus und die Kunst der Nabis. Lange Zeit standen Monet, Renoir oder Cross und ihre Kreise im Mittelpunkt des Interesses; 1912 stellten die drei jedoch auch italienischen Futurismus aus und sorgten so für ein kleines Erdbeben der Pariser Szene. Einen der Wirkung dieser Schau vergleichbaren Coup landete die Galerie, als sie 1929 die konsequent progressive Sammlung von Paul Guillaume zeigte, ohne ihren eigenen Künstlern und Kunden untreu zu werden. Im Laufe der Jahrzehnte kamen mehrere Künstler unter Vertrag: Intensive und lange Geschäftsbeziehungen bestanden mit Raoul Dufy, Henri Matisse, Paul Signac, Maurice Vlaminck und Kees Van Dongen – vor allem aber zu Pierre Bonnard, der von 1904 bis 1940 zum „Stall“ gehörte, wo auch sein Catalogue raisonné verfasst wurde.

          Galerie Bernheim-Jeune & Cie schließt ihre Pforten für immer

          Jetzt hat die Galerie Bernheim-Jeune & Cie an ihrer letzten Adresse, einem Haus an der Ecke Avenue Matignon und Rue du Faubourg Saint-Honoré, ihre Pforten für immer geschlossen. Michel Dauberville starb 2012 mit 79 Jahren; sein wesentlich jüngerer Cousin Guy-Patrice, Jahrgang 1949, hat sich unlängst entschlossen, die Räume aufzugeben, um am Boulevard Haussmann als Experte für Bonnard und Renoir tätig zu bleiben.

          Seine Blütezeit hatte das Kunsthaus vor dem Ersten Weltkrieg. Damals waren die Räume am Boulevard de la Madeleine Ecke Rue Richepanse (heute Rue du Chevalier-de-Saint-Georges), jedem Kunstsammler in Budapest, London oder New York vertraut. Nach Deutschland bestanden Kontakte zu Sammlern wie Bernhard Koehler in Berlin, Herbert Esche in Chemnitz, Karl E.Osthaus in Hagen oder Gottlieb F.Reber in Barmen, die von Bernheim-Jeune Auswahlsendungen mit Werken von Cézanne oder Matisse erbaten und auch zahlreiche Bilder erwarben. Regelmäßige Zusammenarbeit gab es zudem mit dem Kunsthandel; so bezog Paul Cassirer in Berlin Nachschub häufig auch von Bernheim-Jeune: 1907 holte Cassirer eine von Bernheim-Jeune zusammengestellte erste Ausstellung mit Aquarellen Cézannes nach Berlin, daneben zeigte er erstmals ein nennenswertes Ensemble von Matisse, das ebenfalls von Bernheim-Jeune kam.

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