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Pariser Auktionen : Ein Fest für die Zeichnung

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In Paris wetteifern Sotheby’s mit der Sammlung Adrien und Christie’s mit einer Hommage an die Kunsthändlerfamilie Hessel um die Gunst kauffreudiger Kunstliebhaber.

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          Die Semaine du Dessin mit den beiden längst unverzichtbar gewordenen Messen für Werke auf Papier – Salon du Dessin und Drawing Now – zieht jedes Jahr im Frühling ein kenntnisreiches Liebhaberpublikum aus aller Welt nach Paris. Auch die Auktionshäuser warten mit einem entsprechenden Programm auf. Die Kollektion von Christian und Isabelle Adrien, die am 22. März bei Sotheby’s zerstreut wird, ist das Lebenswerk leidenschaftlicher Sammler. Sie umfasst mehr als siebzig Altmeister-Zeichnungen vornehmlich der italienischen und französischen Schule, aber auch holländischer oder flämischer Maler. Darunter sind manche Blätter, die Christian Adrien zufällig entdeckt oder bei Antiquitätenhändlern aufgestöbert hat. Nach langer Forschungsarbeit, gemeinsam mit Kunsthistorikern, gelang es ihm immer wieder, anonymen oder falsch zugeschriebenen Zeichnungen ihre tatsächliche Identität zurückgeben. So hat es viele Jahre gedauert, bis eine doppelseitige Kreidezeichnung mit der Studie eines Kleides und einem weiblichen Akt Jean-Marc Nattier, dem großen Porträtmaler des achtzehnten Jahrhunderts, zugeordnet werden konnte: als Vorarbeiten zu den Porträts von Mademoiselle de Migieu und der Marquise de Broglie (Taxe 40 000/50 000 Euro). Zu den Spitzenlosen gehört eine großformatige Tuschezeichnung des klassizistischen Malers François-André Vincent. Die Studie zum Gemälde „Arria und Paetus“ stellt eine dramatische, von Plinius überlieferte Selbstmordszene dar (80 000/120 000 Euro). Aus der italienischen Schule überzeugt eine Tuschezeichnung von Agostino Carracci, in der eine Frau zwei spielenden Kindern einen Apfel reicht, durch ihre anmutige Spontaneität (25 000/35 000 Euro). Besonders rar ist eine männliche Aktstudie in Rötel des manieristischen Malers Francesco Salviati (60 000/80 000 Euro).

          Zum zweiten Mal hält Sotheby’s am 22. März auch eine Auktion mit „Werken auf Papier“ der Moderne ab. Die in ihrer Unwillkürlichkeit perfekte Pastellzeichnung „Sich kämmende Frau im roten Morgenmantel“ von Edgar Degas – das Spitzenlos – ist seit 1918 in derselben Familie verblieben und nie ausgestellt worden (400 000/600 000 Euro). Unter den siebzig Losen fällt ein Gemälde auf Papier von Édouard Vuillard auf, in dem der Künstler eine häusliche Szene der Kunsthändlerfamilie Hessel einfängt und im Schein einer Lampe „Madame Hessel am Nähtisch“ zeigt (80 000/120 000 Euro). Das Gemälde kündigt ein ganz besonderes Konvolut an, das am 23. März beim Konkurrenten Christie’s versteigert wird. Édouard Vuillard lernte Jos und Lucy Hessel im Jahr 1900 kennen. Eine ungewöhnliche Freundschaft verband das Trio über Jahrzehnte hinweg bis zum Tod des Künstlers. Mit Lucy hatte er ein offenes Liebesverhältnis, während Jos Hessel ihn finanziell unterstützte. Man kann durchaus von einer ménage à trois sprechen, denn Vuillard ging bei den Hessels ein und aus oder verbrachte die Sommermonate in den wechselnden Landhäusern der Familie. Die Sammlung, die unter dem Titel „Hommage an die Familie Hessel: Mäzene und Modell“ mit neunundzwanzig Losen zur Auktion kommt, ist immer in der Nachfolge der Familie verblieben. Neben Vuillard sind darunter Gemälde (hauptsächlich auf Papier oder Karton) von Pierre Bonnard, Maurice Denis oder Marie Laurencin. Die siebzehn faszinierenden Gemälde von Vuillard (ebenfalls auf Papier oder Karton) halten Jos, den Mäzen, vor allem aber Lucy, das Modell, wie in Momentaufnahmen bei sich zu Hause fest: „Porträt von Jos Hessel“ am Frühstückstisch sitzend von 1905 (Taxe 80000/120000 Euro), „Madame Hessel abends die Zeitung lesend“ von 1915 (200 000/300 000 Euro) oder „Lucy Hessel“ von 1924, das die Geliebte schon ergraut und von Gemälden umgeben im Pariser Wohnzimmer zeigt (100 000/150 000 Euro). Mehrfach verweisen die Werke an den Wänden der Hessels auf die vorliegende Sammlung. Am meisten bezaubert die unbeschwerte Szene des Gemäldes „Am Morgen im Garten, Clos Cézanne“ mit Lucy, die sich mitten im Blütenmeer und unter Freunden auf einer Bank ausruht (400 000/600 000 Euro).

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