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Pariser Galerien-Boom : In dieses Viertel zieht die Kunst

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Bei Mariane Ibrahim: Jerrell Gibbs Nous, „Picnicked At The Square du Temple-Elie-Weisel“, 2022, Öl und Pastell auf Leinwand Bild: MARIANE IBRAHIM

Das Pariser Quartier Matignon entwickelt sich zum Hotspot internationaler Galerien. Immer mehr Häuser öffnen hier Dependancen und wetteifern mit ihrem Angebot. Ein Rundgang durch aktuelle Ausstellungen.

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          Goldenes Dreieck, „triangle d’or“, wird in Paris neuerdings das Viertel um die Avenue Matignon genannt, die sich vom Rond-Point des Champs-Élysées bis zur Rue de Penthièvre zieht. Noch vor wenigen Jahren hatte das Quartier trotz nobler Gebäude und großer Auktionshäuser wie Artcurial, Christie’s oder Sotheby’s eher den Ruf ökonomischer Pragmatik: Man assoziierte es mit neureichen Touristen und Sicherheitsabsperrungen wegen der Nähe zum Elysée-Palast. Galerien von Niveau ließen sich an zwei Händen abzählen. Das hat sich gründlich ge­ändert.

          Innerhalb von nur zwei Jahren sind die Avenue Matignon und ihre Umgebung zum Hotspot der zeitgenössischen Kunst­szene geworden. Kamel Mennour, Emmanuel Perrotin, Nathalie Obadia und Almine Rech öffneten hier einen zusätzlichen Showroom zu ihren Pariser Galerien in Saint-Germain oder im Ma­rais. Auch große internationale Händler wie White Cube und Skarstedt haben sich im Matignonviertel angesiedelt. Seit dem Brexit steigt Paris zur europäischen Kunstmetropole auf, in der die Galerien vertreten sein möchten. Die Nähe zu den Palace-Hotels um die Champs-Élysées und der im Vergleich zum Marais flüs­sigere Autoverkehr sind Pluspunkte. Auch das nahe gelegene Grand-Palais, das 2024 restauriert wiedereröffnet und den neuen Ableger der Art Basel beherbergen wird, erhöht die Attraktivität. Auch dass wegweisende Galeristinnen der jüngeren Generation wie Cécile Fakhoury und Mariane Ibrahim, die beide aus Afrika stammende Künstler vertreten, für ihre Niederlassungen in der französischen Hauptstadt nicht etwa das Marais, sondern die Avenue Matignon wählten, ist Zeichen einer neuen Dy­namik.

          Bei Cécile Fakhoury: Dalila Dalléas Bouzar, „Femmes d’Alger d’après Delacroix“, 2022, Öl auf Leinwand
          Bei Cécile Fakhoury: Dalila Dalléas Bouzar, „Femmes d’Alger d’après Delacroix“, 2022, Öl auf Leinwand : Bild: Courtesy Galerie Cecile Fakhoury / Grégory Copitet

          Als erste internationale Großgalerie hatte sich Larry Gagosian schon 2009 für das Viertel entschieden. Gagosian zeigt zuweilen hochkarätige historische Ausstellungen, derzeit mit frühen Werken von Christo (bis zum 8. Oktober). Die Schau wurde in Zusammenarbeit mit dem Estate des Künstlers zusammen­gestellt und zeigt eine Auswahl von Ar­beiten, die zwischen 1958 und 1963 entstanden, als Christo in Paris lebte. Darunter sind eine Serie reliefartiger „Krater“-Bilder, eine Reihe verschnürter „Paketen“ und verpackte Objekte wie Dosen, Stühle und Tische. Eine Instal­lation mit Ölfässern erinnert an den „Ei­sernen Vorhang“, den Christo 1962 in der Rue Visconti mit solchen Fässern wie eine Barrikade errichtete – aus Protest gegen den Mauerbau in Berlin, war er doch selbst aus dem kommunistischen Bulgarien geflohen

          Die namhafte französische Galerie Lelong hat seit ihrer Gründung einen Sitz in der Rue de Téhéran. Vor einigen Jahren vergrößerte sie sich durch einen weiteren Raum an der Avenue Matignon. Dort lässt sich bis zum 22. Oktober der in Eritrea geborene amerikanische Maler Ficre Ghebreyesus entdecken, der mit großformatigen Gemälden in der Hauptaus­stellung der Biennale in Venedig vertreten ist. Ghebreyesus floh als Teenager aus seiner Heimat und konnte in Amerika Fuß fassen, wo er ein Restaurant gründete, Kunst studierte und in seiner freien Zeit malte. Seine sensiblen Gemälde schillern in leuchtenden Farben zwischen Abstraktion und einer Figuration, die wie Erinnerungsbilder Eindrücke aus der früheren Heimat verarbeitet. 2012 starb Ghebreyesus mit nur fünfzig Jahren; sein Werk wurde erst nach seinem Tod allmählich ausgestellt (zwischen 8000 und 62.000 Euro für kleine und mittlere Formate).

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