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„Old Masters“-Auktionen : Duell mit Constable

  • -Aktualisiert am

Blieb hängen: John Constable, „The Glebe Farm“, Öl auf Leinwand, 61 mal 78,5 Zentimeter, bei Sotheby’s auf 3 bis 5 Millionen Pfund geschätzt. Bild: Sotheby's

Die Auktionshäuser Christie's und Sotheby's liefern sich mit Werken von John Constable ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei den Versteigerungen Alter Meister während der London Art Week.

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          Im Rahmen der Winter-Version der zweimal jährlich stattfindenden London Art Week, in der Händler mit Sonderaustellungen locken, treten die beiden großen Versteigerungshäuser bei den Altmeisterauktionen zum Jahresabschluss mit John Constable Kopf an Kopf gegeneinander an.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Sotheby’s offeriert im „Old Masters Evening Sale“ am 8. Dezember eine unlängst wieder aufgetauchte Skizze für das mehrfach von dem Künstler in Angriff genommene Motiv von Glebe Farm, in der sein Mentor und Mäzen John Fisher, später Bischof von Salisbury, lebte. Die Forschung vermutete schon lange, dass ein aus dem Ateliernachlass verkauftes Werk in der Bildfolge fehle. Sie glaubt es in der Studie für eine der zum Andenken an den 1825 gestorbenen Fisher gemalten Kompositionen gefunden zu haben. Sie kam im vergangenen Jahr in Cincinnati mit einer Schätzung von ein- bis zweitausend Dollar als Kopie zum Aufruf und brachte es auf 43.000 Dollar. Jetzt preist Sotheby’s die Studie für eines der Bilder, an die Constable seine „bescheidenen Ansprüche auf Zukünftigkeit“ knüpfte, als eine der bedeutendsten Entdeckungen der modernen Constable-Forschung mit einer Taxe von bis zu fünf Millionen Pfund an.

          Auktionsdebüt: John Constable, „Salisbury Cathedral from the Bishop’s Grounds“, Öl auf Leinwand, 65,1 mal 76,6 Zentimeter, Taxe 2 bis 3 Millionen Pfund.
          Auktionsdebüt: John Constable, „Salisbury Cathedral from the Bishop’s Grounds“, Öl auf Leinwand, 65,1 mal 76,6 Zentimeter, Taxe 2 bis 3 Millionen Pfund. : Bild: Christie's

          Christie’s kontert schon am 7. Dezember in seiner Abendauktion Alter Meister mit einer hellen, etwas früher entstandenen Ölskizze Constables für eine der Fassungen der Kathedrale von Salisbury, die Fisher bei seinem Freund in Auftrag gab. Die Tochter des Bischofs hatte sich eine Darstellung der Kathedrale als Hochzeitsgeschenk erbeten. Die erstmals zur Auktion gelangende Skizze, die mit bis zu drei Millionen Pfund bewertet ist, weist noch die Spuren des Bleistiftrasters auf, das der Künstler auf die Grundierung zeichnete, um das Motiv von einer Vorlage zu übertragen.

          Die beiden Lose sind Beispiele der freien, gebrocheneren Malweise, die zu Constables Lebzeiten Befremden hervorrief, inzwischen aber, wie die aufschlussreiche Ausstellung des Spätwerks in der Royal Academy zeigt, gerade das ausmacht, was moderne Maler wie Lucian Freud und Frank Auerbach an den genaue Beobachtung und Einbildungskraft verschmelzenden englischen Szenerien schätzen. Mit Blick auf mögliches chinesisches Interesse weist Christie's darauf hin, dass die große späte Ansicht der Kathedrale von Salisbury aus einer anderen Warte zur Zeit mit anderen Leihgaben der Tate in Schanghai zu sehen ist. 

          1,2 Millionen Pfund im Nachverkauf bei Sotheby’s: Rachel Ruyschs Stillleben, 1738, Öl auf Leinwand, 44 mal 39 Zentimeter
          1,2 Millionen Pfund im Nachverkauf bei Sotheby’s: Rachel Ruyschs Stillleben, 1738, Öl auf Leinwand, 44 mal 39 Zentimeter : Bild: Sotheby's

          Zu den Höhepunkten unter den 48 Losen der Abendauktion bei Christie’s zählt das intime Gemälde des französischen Caravaggisten Vincent de Boulogne mit dem Traum des die Krummaxt seines Handwerkes haltenden Heiligen Joseph, das mit bis zu 1,8 Millionen Pfund ausgezeichnet ist. Ein frühes, noch ganz unter dem Einfluß der venezianischen Malerei stehendes Porträt El Grecos (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund) gehört bei Christie’s zu drei an die Erben des Wiener Ehepaares Julius und Camilla Priester restitituierten Bildern.

          Sotheby’s hat eine kleinere, feinere Auswahl von 36 Werken in die Abendauktion aufgenommen. Herausragend darunter sind zwei hinreißende Blumenstillleben der trotz hohen Alters noch auf der Höhe ihrer Schaffenskraft stehenden niederländischen Barockmalerin Rachel Ruysch, wie die Schätzungen von bis zu 1,8 Millionen Pfund unterstreichen. Das Spitzenlos ist mit einer Taxe von vier bis sechs Millionen Pfund die Porträts des Antwerpener Notars Jacob de Witte und seiner Frau Maria Nutius, in denen Anton von Dyck unmittelbar nach der Rückkehr aus Italien mit einer Fülle von Schwarztönen auftrumpft.

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