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„Olbricht Collection“ : Weiße Handschuhe am Ende

Ergebnisse: Sämtliche Lose der Thomas Olbricht Collection werden bei Van Ham in Köln zugeschlagen.

          2 Min.

          Einen „White Glove Sale“ verkündet das Kölner Auktionshaus, was bedeutet, dass die rund fünfhundert Lose der Sammlung von Thomas Olbricht sämtlich verkauft worden sind. Die Versteigerung, zu deren Inhalt auch „Naturalia“, „Artificialia“ und „Mirabilia“ aus der enormen Kollektion des Universalsammlers gehörten, war in ihrem ersten Teil ungewöhnlich und selten genug. Bei den Wunderkammer-Objekten begannen die Taxen tatsächlich bei fünfzig Euro, die meisten lagen bei ein paar hundert Euro. Und wahrhaft Engelsgeduld war von Markus Eisenbeis, dem Hausherrn von Van Ham, am Pult gefordert, als er diesen Parcours von zehn Uhr vormittags an durchschritt – insgesamt beinahe fünf Stunden lang.

          Rose-Maria Gropp
          Redakteurin im Feuilleton.

          Jedes einzelne, noch so kleine Los bekam volle Aufmerksamkeit, und für die ganz exzeptionellen Stücke lief es, wie es zu erwarten war: Der raffinierte Vanitaskopf eines Rosenkranzes des 16./17. Jahrhunderts aus poliertem Elfenbein entlockte einem Online-Bieter aus den Niederlanden das Gebot von 17.000 Euro, gegenüber einer Schätzung von 2000 bis 3000 Euro; der Käufer bezahlt mit Aufgeld also 21930 Euro dafür. Auch Rosenkränze machten Karriere: Einer von ihnen aus Bergkristall und vergoldetem Silber vom Ende des 17. oder vom Anfang des 18.Jahrhunderts kam auf 7000 Euro (Taxe 1500/3000).

          Ein 65 Zentimeter hoher heilige Vitus in seinem Schmortopf aus Lindenholz, in Süddeutschland um 1520 geschnitzt, brachte es auf 26.000 Euro (2000/2500). Und von einem dreißig Zentimeter hohen Ei des schon im 17. Jahrhundert in Madagaskar ausgestorbenen Elefantenvogels könnte man sagen, dass es eben den Vogel abschoss; dafür reichte ebenfalls erst der Einsatz von 26.000 Euro (8000/12000) aus, mit Aufgeld sind das 33540 Euro. Auch Knochenschiffe haben ihre Fans: Ein napoleonisches Miniatur-Gefangenenschiff mit 98 Kanonen an Bord brachte es, zusammen mit einem kleineren Segler, auf 14.000 Euro (500/900).

          Im zweiten Teil mit moderner und zeitgenössischer Kunst ging es dann deutlich höherpreisig zu: An die Spitze setzte sich Daniel Richter mit seinem verstörenden Großformat „Das Recht“ von 2001 beim Zuschlag von 340.000 Euro (250.000/ 350.000). Es folgte George Condos ziemlich überdrehtes „Screaming Couple“ aus dem Jahr 2005, etwas unter der Taxe für 250.000 Euro (300.000/500.000). Marilyn Minters verwirrendes Emaillelack-Bild „Handful“ von 2008, ein veritables Vanitas-Motiv, schaffte trotzdem bloß 40.000 Euro (60.000/80.000). Von John Armleder stammte eine dekorative Skulptur aus konzentrischen Neon-Kreisen „O.T. (target)“, die auf 150.000 Euro (80.000/120.000) stieg. Auf die frühen Fotografien von Cindy Sherman ist immer Verlass: Ihr schwarzweißes „Untitled Film Still #39“ aus dem Jahr 1979 geht gegen ein Gebot von 100.000 Euro (80.000/120.000) in die Vereinigten Staaten.

          Es gab mehr als 1300 Bieter – tausend von ihnen beteiligten sich über Online-Kanäle – aus 31 Ländern. Darunter waren, laut Van Ham, sechzig Prozent Neukunden, was gewiss auch manchen sehr speziellen Stücken geschuldet ist, die ihre Liebhaber auf den Plan riefen. Insgesamt fünf Millionen Euro spielte dieser Auktionstag ein, gegenüber einer vorherigen mittleren Gesamtschätzung von drei Millionen Euro.

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