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Österreichs Auktionshäuser : Mit Rückenwind ins neue Jahr

  • -Aktualisiert am

Der Wiener Kunsthandel kann sich über die Einnahmen des Vorjahres nicht beklagen: Das Dorotheum feiert mit 89 Millionen Euro den höchsten Umsatz seiner langen Geschichte, während das Auktionshaus Im Kinsky stattliche 16 Millionen Euro erwirtschaften konnte.

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          Gleich vier Werke unter den zehn internationalen Auktionsrekorden 2006 und Klimts „Goldene Adele“ als Listenführer der teuersten Gemälde aller Zeiten - die Bedeutung der eigenen Kunstgeschichte erfüllte so manchen Österreicher in diesem Jahr mit patriotischem Stolz. Wieder einmal wurde der Wert von etwas genau in dem Moment spürbar, in dem es verloren ging. Bei Christie's bestehen die glücklichen, neuen Besitzer bis heute auf ihrer Anonymität. Keines, so viel verriet das Auktionshaus, der Bilder sei zurück in sein Heimatland gegangen. Im Belvedere kann man sich unterdessen mit dem verbliebenen „Kuss“ Klimts trösten.

          Doch auch der Wiener Kunsthandel kann über das Vorjahr nicht klagen. Ganz im Gegenteil: Das Dorotheum feiert mit phänomenalen 89 Millionen Euro den höchsten Umsatz seiner langen Geschichte. Eine solche Rekordzahl lässt das größte und älteste deutschsprachige Auktionshaus noch beschwingter auf sein 300. Jubiläum Anfang April zugehen. Den aktuellen Erfolg begründet das Dorotheum auch mit seinen Auslandsvertretungen, die in München, Düsseldorf, Prag, Brüssel und Mailand für neue Kunden sorgen. Speziell bei den Auktionen mit Alten Meistern werden viele Werke über die Mailänder Filiale eingeliefert, und angereiste Italiener sorgen für gute Saalstimmung. Dennoch war es im April ein französischer Bieter, der dem Dorotheum nach heftigem Bietgefecht seinen ersten Spitzenpreis bescherte. Das Gemälde „Dorflandschaft mit Suche nach der Herberge“ von Pieter Brueghel d. J. krönte mit 580.000 Euro die stärkste Altmeisterauktion, die in Wien jemals zustande kam. Italienische Meisterwerke, wie eine Grablegung von Ferrari da Chivasso für 260.000 Euro und eine weitere Pietà nach Bellini für 140.000 Euro, konnten ihren Schätzpreis vervielfachen.

          Exotisch-orientalische Motive

          Es war 2006 das erste Mal, dass das Dorotheum ein kapitales Werk aus dem Restitutionsreservoir anbot: Albin Egger-Lienz' „Totentanz“ war auf Antrag einer amerikanischen Erbin der 1939 aus Österreich geflüchteten jüdischen Sammlerin Melanie Schwarz zurückgegeben worden und erzielte 760.000 Euro. Ein junger Tiroler Finanzinvestor schenkte sich das ausdrucksstarke Werk selbst zum Geburtstag. Am Tag darauf setzte bei den Gemälden des 19. Jahrhunderts eine „Tanzende Zigeunerin“ mit 220.000 Euro (25.000) eine neue, überraschende Wertmarke für den Franzosen Adrien Moreau. Die Beliebtheit exotisch-orientalischer Motive setzte sich im Herbst mit dem „Nubischen Palastwächter“ von Julius Deutsch fort, der für beachtliche 430.000 Euro den Besitzer wechselte. In der Herbstauktion Moderne und zeitgenössische Kunst überbot man sich am Telefon für den idyllischen „Kinderspielplatz im Berliner Tiergarten“ von Max Liebermann von 1881. Der Hammer fiel für das Gemälde erst bei 270.000 Euro (60.000/90.000). Einen erwartungsgemäß hohen Zuschlag brachte mit 450.000 Euro das Gemälde „Herbes Aquatiques“, das Claude Monet um 1925 für die Pariser Orangerie gemalt hat.

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