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Ölskizze von Spitzweg : Gratulant auf Abwegen?

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Karl&Faber bietet in seiner Auktion am 4.Mai vier Gemälde von Carl Spitzweg an. Eines von ihnen hat eine außergewöhnliche Provenienzgeschichte.

          Vier Gemälde Carl Spitzwegs bietet Karl&Faber in der Auktion am 4.Mai an. Zwei von ihnen fanden einst Kunstlieferanten Hitlers geeignet für das geplante „Führermuseum“ in Linz. Die hübsche Waschtag-Szene „Die Sonne bringt es an den Tag“ konnte 2010 an die Erben des jüdischen Frankfurter Sammlers Martin Flersheim restituiert werden, die sie jetzt einliefern. Komplexer ist die Lage im Fall des „Gratulanten“ (Taxe 60000/80000 Euro), einer Ölskizze des beliebten Spitzweg-Themas vom Verehrer, der mit zwei Blumentöpfen vor dem Fenster der Angebeteten erscheint: Stephan Klingen vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte, den Karl & Faber um Hilfe bei der Provenienzrecherche bat, fand heraus, dass der „Gratulant“ dem Wiener Ölmagnaten David Fanto (1852 bis 1920) gehörte und 1930 von Albert Kende in Wien versteigert wurde.

          Die folgenden vierzehn Jahre liegen im Dunkeln. Woher hatte der Münchner Kunsthändler Eugen Brüschwiler das Bild, als er es 1944 für den Sonderauftrag Linz erwarb? Kam es aus unverdächtiger Quelle, oder ist es NS-Raubkunst? Wie Hunderte anderer Objekte für Linz lagerte der „Gratulant“ im Luftschutzkeller des Münchner „Führerbaus“ und wurde gestohlen, als im April 1945 Plünderer die Keller leerten. Bis heute blieben mehr als 400 Bilder verschollen. Spitzwegs Ölskizze taucht 2004 im Kunsthandel auf, erst bei Christie’s in London, ein halbes Jahr später bei Karl&Faber. Was damalige Informationsmöglichkeiten betrifft – die Datenbank zur Linzer Sammlung ging 2008 online, und das Zentralinstitut für Kunstgeschichte startete sein Forschungsprojekt zur Plünderung 2014. Die Familie des Käufers von 2004 will das Bild jetzt veräußern, doch ist sie rechtmäßige Eigentümerin? „Eindeutig“, sagt Rupert Keim, Jurist und Geschäftsführer von Karl&Faber. Mit Inkrafttreten des Grundgesetzes ging das Reichsvermögen an die Bundesrepublik über, also auch die gestohlenen Bilder aus dem Luftschutzkeller.

          Es gibt einen Gesetzesentwurf zur Rückgabe von Kulturgut

          Nun ist zwar gutgläubiger Erwerb abhandengekommener Sachen gesetzlich ausgeschlossen, doch gilt dies nicht für Erwerbungen auf öffentlichen Auktionen. Dort, so der Berliner Rechtsanwalt und Kunstrechtspezialist Winfried Bullinger, „stellt der Gesetzgeber die Rechtssicherheit für den Erwerber über das Interesse des ursprünglich Bestohlenen“. Noch dazu, das bestätigen beide Juristen, greifen für den Erwerb von 2004 die Vorschriften zur gutgläubigen Ersitzung – sprich: wer das Bild lange, zehn Jahre, gutgläubig im Eigenbesitz hatte, erwirbt Eigentum (so bekamen etwa Nachfahren eines der Münchner Plünderer 2009 die „Bergpredigt“ von Frans FranckenI. gerichtlich zugesprochen). Allein Bösgläubigkeit hätte den Eigentumserwerb 2004 verhindern können, abgesehen davon, dass es – laut Keim – dafür keine Anhaltspunkte gibt, müsste die Bundesrepublik den entsprechenden Nachweis führen. Doch Bullinger merkt auch an: „Das geltende Sachenrecht regelt Fälle wie diesen nicht befriedigend, im Grunde müsste der Gesetzgeber die entsprechenden Vorschriften ändern.“

          Tatsächlich existiert seit mehr als zwei Jahren ein Gesetzentwurf, der die Rückgabe von abhandengekommenem Kulturgut erleichtern soll. Einen Grund, warum er bis heute nicht rechtskräftig ist, vermutet Rupert Keim darin, dass dies zu einer sogenannten Rückwirkung führen würde; die aber ist verboten. Einen Ausweg könnte hier nur eine Entschädigungspflicht des Staates gegenüber dem jetzigen Eigentümer darstellen. Derzeit aber baue man wohl eher auf private Regelung, dass zum Beispiel Auktionshäuser Erben von Geschädigten ausfindig machen und Einigungen wie etwa Teilung des Erlöses herbeiführen.

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