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Obst am Arm : Absolut tragbar

Das Auktionshaus Bonhams hat jetzt eine eigene Abteilung für Handtaschen und mehr Luxus.

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          Wir wissen es längst: Handtaschen sind Kunst-Multiples, bloß zum Herumtragen. Folgerichtig schmückt die Firma Bonhams ihre Luxusgüter-Sparte fortan mit einer eigenen Handtaschen- und Modeabteilung in London. Das drittgrößte Kunstauktionshaus kündigt die erste Veranstaltung mit gebrauchten – das englische pre-owned klingt deutlich eleganter – Taschen, Modeschmuck, Gepäckstücken und Kleidern von Luxusmarken für April an. Vier Auktionen mit Vintage-Modellen soll es im Jahr geben, mit jeweils 200 bis 300 Losen. Überhaupt hat Bonhams auf dem Feld des Luxus und der Moden beste Expertise, neben der Kunst gehört das Haus zu den Marktführern für klassische Fahrzeuge; gut 38 Millionen Dollar kostete dort 2014 ein roter Ferrari 250 GTO Berlinetta von 1962. Nur mal zum Vergleich: Für 35 Millionen Dollar wurden im vorigen Jahr Van Goghs „Arbres dans le jardin de l’asile“ von 1889 zugeschlagen, damit das zehntteuerste Kunstwerk in einer Auktion 2019.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Aber zurück zu den Handtaschen und ihresgleichen: Laut „Global Data“, so erläutert Bonhams die neue Sparte, soll sich der weltweite Markt für alle gebrauchten Luxusgüter bis 2023 auf 51 Milliarden Dollar belaufen, mehr als der doppelte Wert von immerhin 24 Milliarden Dollar 2018. (Vorsicht, das ist Statistik.) Zu den treibenden Faktoren dieser bemerkenswerten Hochrechnung zählen, heißt es weiter, steigendes „soziales Bewusstsein“, „Sorge für die Umwelt“ bei den Verbrauchern und die – vorsätzliche – Verknappung begehrter Teile. Die ersten beiden Gründe sind nachgerade rührend. Ob eine alte Birkin Bag von Hermès als Beitrag zur Nachhaltigkeit im Umgang mit den Ressourcen der Erde taugt? Der dritte Grund trifft da schon eher zu. Und – seien wir doch mal ehrlich: Sind nicht auch Kunstwerke in Auktionen, irgendwie, gebrauchte Güter, deren Preis sich nach ihrer Knappheit und Begehrtheit bemisst? Einfach mal freimarktwirtschaftlich mitdenken! Ist das jetzt ein Grund zum Lamentieren? Lieber nicht. Erstens ist nicht alles, was hinkt, ein Vergleich, und zweitens ist der Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen schon immer Obstsalat.

          Wir würden die Banane wählen

          Nochmal zurück zu den Handtaschen, aus einer anderen Perspektive: Der bedingungslos marktaffine Schweizer Künstler Urs Fischer hat 2019, wie schon andere vor ihm, für ein französisches Luxuslabel eine Handtasche in limitierter Auflage gestaltet; sie ist natürlich ziemlich teuer. Allerdings hat er die Lage klar erkannt. Denn an jedem dieser „Arty Capucines BB“ geheißenen Teile schwingt an vergoldetem Kettchen eine Frucht oder ein Gemüse, in sechs verschiedenen Varianten; realistisch aus Silikon gebildet und von Hand bemalt. Das Modehaus wirbt damit, dass sich auf solche Art die Tasche „in eine Hängeskulptur verwandelt“. Urs Fischers Möhre an der Tasche sieht sehr hübsch aus, aber wir würden die Banane wählen. Die hat ja gerade Hochkonjunktur bei all denen, die über jedes noch so dürre Stöckchen springen, das ihnen die, gern so genannte, Kunstwelt hinhält. Außerdem sind wir sicher: Bei Bonhams wird absehbar ein Exemplar der am Arm baumelnden Multiples zu haben sein, gebraucht.

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