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Wiener Auktion : Nun wieder einmal Schiele

  • -Aktualisiert am

Am 29. und 30. November offeriert das Wiener Auktionshaus Kinsky Moderne und Zeitgenossen, darunter Werke aus der Kunstsammlung eines Museumsdirektoren. Eine Vorschau

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          In Wien war Dieter Ronte von 1979 an zehn Jahre lang Direktor des Museums moderner Kunst, später leitete er Museen in Hannover und Bonn. Nun verabschiedet er sich im Auktionshaus Kinsky von einem Teil seiner Kunstsammlung. In der 400 Lose starken Offerte mit Zeitgenossen, die dort am 30. November in zwei Tranchen unter den Hammer kommt, tragen rund sechzig Werke die Provenienz „Ronte“. Graphiken und Editionen nehmen dabei viel Raum ein; das Haptstück stellt zweifellos Maria Lassnigs „Herbstbild/ Herbst“ von 1983, mit einer Widmung, dar. Die 2014 gestorbene Künstlerin trennte sich schon zu Lebzeiten ungern von Gemälden, heute verwaltet eine Stiftung ihren Nachlass. Die Taxe 100 000 bis 200 000 Euro für das 111 Zentimeter hohe eindringliche Selbstporträt erscheint eher moderat. Das Kinsky fährt noch ein zweites Ölbild Lassnigs auf, ein Querformat aus der Serie „Malflüsse“, in der sie, einem Stammbaum ähnlich, Verbindungen zwischen Köpfen herstellt. In dem 1994/96 entstandenen Gemälde stellt sie selbst sich wie eine Büste dar, daneben den Literaten Oswald Wiener und wohl andere Mitglieder der Wiener Gruppe (Taxe 150 000/ 300 000 Euro). Das, wie gewohnt von Österreichern dominierte, Angebot umfasst auch zwei Eitempera-Bilder von Max Weiler aus den Siebzigern. In den fließenden Gemälden „Blaue Bäume und Purpurhimmel“ und „Durchblick durch die blaue Gegend“ definierte der Tiroler Künstler seinen neuen Landschaftstypus (100 000/200 000).

          Die Klassische Moderne eröffnet am 29. November mit einem saisonal passenden Blatt: „Madonna mit Kind (Weihnacht)“ hat Albin Egger-Lienz im Dezember 1914 in Pastell gezeichnet (35 000/70 000). Ebenso typisch ist Alfons Waldes tiefverschneiter „Bauernsonntag“, um 1930, taxiert auf 250 000 bis 500 000 Euro. Schon für das Tourismusplakat „Tyrol“ mit Schifahrern, das der geschäftstüchtige Maler 1932 drucken ließ, liegt die Latte bei 8000 bis 16 000 Euro.

          Bedeutende Arbeiten Egon Schieles vermisste man in Wiener Auktionen zuletzt. Sein Frauenakt von 1914 beweist die Souveränität, mit der er ungewöhnliche Posen fixierte (180 000/ 360 000). Dagegen setzt sein kleines „Mädchen mit roter Schleife im Haar“ auf eine flächige Darstellung, an der nur die eigenwillig abgestreckten Fingern irritieren (70 000/ 140 000). In Davos malte Kirchner 1925 mit Aquarell und Kreide die farbstarke „Nackte Frau und Mädchen“ (100 000/ 200 000), sein Kollege Georg Tappert schuf das so aparte wie anrüchige Aktbild „Mädchen am Tisch (Betty mit Fächer)“ (35 000/70 000).

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