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Portigon-Sammlung : NRW will Kunst der ehemaligen WestLB retten

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Lange hatte sich die Landesregierung Nordrhein-Westfalens nicht für das Schicksal der Kunst in landeseigenen Unternehmen interessiert. Jetzt soll die Portigon-Sammlung doch gerettet werden.

          Die Rettungsversuche für die vom Verkauf bedrohte Kunstsammlung der zerschlagenen WestLB laufen auf Hochtouren. Das Kulturministerium in Nordrhein-Westfalen will zunächst drei Streichinstrumente, darunter zwei Stradivaris, und neun Kunstwerke unter nationalen Kulturschutz stellen. Landesministerin Ute Schäfer (SPD) beauftragte den zuständigen Sachverständigenausschuss mit der Prüfung. Zugleich kam am Donnerstag ein Runder Tisch in Düsseldorf mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Kultur zusammen. Die mehr als 20 Teilnehmer sollten Wege suchen, wie die Sammlung im Besitz der WestLB-Nachfolgerin Portigon in Nordrhein-Westfalen gehalten werden kann.

          Geprüft werden als erstes Werke von Giovanni di Paolo, Paul Signac, August Macke, Eduardo Chillida, Henry Moore, Max Ernst, Dieter Roth, Fritz König und Fritz Winter. Die Eintragung in das Verzeichnis national wertvollen Kulturguts sei „wahrscheinlich“, sagte Schäfer. Damit dürfen sie nicht mehr ausgeführt werden. Die Renaissance-Tafeln di Paolos sind mit 6 Millionen Euro versichert, das Signac-Bild mit 4 Millionen und Macke mit 2,5 Millionen. Sie gehören damit zu den wertvollsten Objekten der Portigon-Sammlung.

          Die zwölf Objekte seien „lediglich ein Anfang“, sagte Schäfer. Weitere 60 Kunstwerke würden derzeit fachlich bewertet. Die landeseigene Portigon hatte mit der Ankündigung, die knapp 400 Werke im Zuge der Abwicklung der WestLB zu verkaufen, einen Proteststurm ausgelöst. Die rot-grüne Landesregierung hatte erst vergangene Woche angekündigt, die wichtigsten Kunstwerke für das Land sichern zu wollen.

          Die beiden ZERO-Künstler Günther Uecker (84) und Heinz Mack (83) kritisierten die Verkaufspläne. Uecker nannte den Umgang mit landeseigener Kunst in Nordrhein-Westfalen eine „Schande“. Zur Portigon-Sammlung gehören auch Werke von Uecker und Mack. Bereits die Versteigerung von zwei Warhol-Bildern des Casino-Betreibers Westspiel für umgerechnet rund 120 Millionen Euro hatte einen Proteststurm ausgelöst. Westspiel ist eine Tochter der landeseigenen NRW-Bank.

          Unter den gut 20 Teilnehmern des Runden Tisches waren unter anderen Schäfer, Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD), Portigon-Chef Kai Wilhelm Franzmeyer, die Chefs von Westspiel und Westlotto sowie die Direktorin der Kunstsammlung NRW, Marion Ackermann.

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