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Nosbüsch & Stucke-Auktion : Frauen, Jünger

Das Auktionshaus Nosbüsch & Stücke in Berlin versteigert eine Sammlung, die sich ganz Stefan George und seinen Kreis gewidmet hat - eine Vorschau

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          Das Berliner Auktionshaus Nosbüsch & Stucke versteigert am 24. Februar eine „Stefan George und seinem Kreis“ gewidmete Spezialsammlung, insgesamt 276 Lose, die in relativ kurzer Zeit von der 2017 im Alter von 52 Jahren gestorbenen Reisejournalistin Sonja Schön-Beetz zusammengetragen wurde. Die Offerte umfasst neben Büchern, Autographen, Gemälden, Plakaten und Porträtplastiken auch eine Reihe Devotionalien, darunter eine Armspange aus Goldblech (Taxe 900 Euro), die dem umschwärmten Dichter von der zweiten Ehefrau seines „Jüngers“ Friedrich Wolters dediziert wurde.

          Camilla Blechen

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Ohne wissenschaftlichen Ehrgeiz aus den unterschiedlichsten Quellen erworben, vermittelt die Kollektion eher bescheidene Einblicke in Lebensumstände und künstlerische Eigenart jenes Personenkreises, der im Bann des „Meisters“ ein Netz um die charismatische Zentralfigur gesponnen hatte. An originale schriftliche Hinterlassenschaften von George, die mehrheitlich in einem Stuttgarter Archiv lagern, ist kaum noch heranzukommen, entsprechend beschränkt sich das Angebot auf fünf Lose von eher marginalem Wert, darunter eine auf 600 Euro taxierte Postkarte an den Buchkünstler Melchior Lechter, der die drei frühen Lyrik-Editionen „Das Jahr der Seele“, „Der Teppich des Lebens“ und „Der siebente Ring“ von der gotisierenden Typographie bis zum kostbaren Einband betreute. Den Rahmen der Georgiana sprengt ein auf 6000 Euro geschätztes, vierteiliges Glasfenster mit Goethe-Zitaten, das der gebürtige Münsteraner Lechter 1916 für die eigene Berliner Wohnung schuf.

          Widmungsexemplare von Mitgliedern des George-Kreises enthält jener Teil der Bibliothek des 1948 auf Neuseeland gestorbenen Karl Wolfskehl, der für 6000 Euro zum Verkauf steht. Mit 38 Katalognummern vertreten ist als zweiter enger Vertrauter Georges Friedrich Wolters, dabei seine Übertragungen antiker Lobgesänge und Psalmen (450). Physiognomisch ist das Haupt der esoterischen Gemeinschaft, des „Geheimen Deutschland“, durch fünf der populären Fotografien von Theodor Hilsdorf und den Bronzekopf des Bildhauers Ludwig Thormaehlen (3600) vertreten. Dem Nachlass von Sabine Lepsius, die den freundschaftlich verbundenen Dichterfürsten 1898 in versonnener Pose porträtiert hatte, entstammt ein Konvolut zeitgenössischer Fotografien, für das 450 Euro erwartet werden.

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