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Nord/LB verkauft Koons : Eine Bank ohne Tulpen

Vor gut zehn Jahren erwarb die Norddeutsche Landesbank einen Strauß der stählernen „Tulips“ von Jeff Koons. Jetzt trennt sie sich von der Monumentalskulptur aus der „Celebration“-Serie.

          Dass Jeff Koons es bunt mag und fröhlich, sexy (wenngleich längst nicht mehr so unverblümt wie in seinen wilden Jahren) und vor allem spiegelnd, damit die Betrachter ständig mit im Spiel seiner Kunst sein können - all das hat sich herumgesprochen. Und großformatig und -artig mag er es auch: Das beweisen drei Meter hohe „Balloon Flowers“ oder zwei Meter breite „Baroque Eggs“ in fröhlichen Knallfarben - und eben seine „Tulips“.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Wie Bonbons am Stiel liegen sie da, ein Bündel von sieben stilisierten Blüten in hochglanzpoliertem koloriertem Edelstahl, auf rund 5,2 Metern Länge hingebreitet. Die „Tulpen“ gehören in Koons’ berühmte - und marktbeliebte - „Celebration“-Serie, die aus Gegenständen des Alltags oder Gebrauchs überdimensionierte schillernde Objekte des Begehrens macht, stets in Fünfer-Auflagen, die allerdings farblich variieren.

          Die höchsten Koons-Zuschläge im Visier

          Tatsächlich sind auf dem globalen Auktionsmarkt bisher keine „Tulips“ zu finden. Umso interessanter wird es also, wenn die Nord/LB Norddeutsche Landesbank in Hannover jetzt das Werk aus ihrem Besitz, das sie 2002 erworben hatte, verkauft. Sämtliche anderen Versionen davon befinden sich in privaten Stiftungen oder in Museen, darunter die Prada Foundation in Venedig oder das Guggenheim in Bilbao. Die Nord/LB trennt sich von ihren „Tulips“, um mit dem Erlös eine Kunststiftung zu etablieren und zu kapitalisieren, die sich der Unterstützung kultureller Projekte vor allem in Norddeutschland widmen soll.

          Die Preiserwartung liegt in der - heißen - Region von zwanzig Millionen Dollar. Diese Vorstellung zielt auf die höchsten Zuschläge, die jemals in Auktionen für Koons-Objekte zustande kamen - und zwar in der Zeit des größten Koons-Booms: Im November 2007 brachte bei Sotheby’s ein riesiges „Hanging Heart“ 21 Millionen Dollar und im Juni 2008 bei Christie’s in London eine „Balloon Flower“ umgerechnet knapp 22,95 Millionen Dollar. Beide gehören übrigens in die „Celebration“-Serie, die Koons von 1995 bis 2004 produzierte.

          Christie’s jedenfalls freut sich in seiner regenbogenbunten Ankündigung sichtlich über den Auftrag des deutschen Geldhauses. Am 14. November wird das Angebinde in der New Yorker Auktion mit Nachkriegskunst und Zeitgenossen versteigert. Es ist anzunehmen, dass die Handvoll potentieller Käufer weltweit aktiviert ist. Vorher aber sind die „Tulips“ noch einmal zwei Wochen lang auf der Rockefeller Plaza ausgestellt, open air natürlich.

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