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Jubiläumsauktion bei Grisebach : Nicht ohne eine dicke Torte

  • -Aktualisiert am

Die Villa Grisebach wird dreißig Jahre alt. Das Auktionshaus in Berlin feiert Geburtstag mit mehr als 1500 Losen und erwarteten 29 Millionen Euro.

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          Die prächtige Torte in dicker Cremehülle kommt gerade recht: „Feliz Cumpleaños“ steht mit Zuckerguss darauf geschrieben. Geburtstag feiert auch die Villa Grisebach, die Fernando Boteros LeckereienBild von 1971 anlässlich ihres dreißigjährigen Jubiläums auftischt. Vom 30. November bis zum 3. Dezember geht mit exakt 1517 Kunstwerken die umfangreichste und mit einem mittleren Schätzwert von rund 29Millionen Euro auch ehrgeizigste Offerte in der Geschichte des Berliner Hauses übers Pult.

          Der Abend der Ausgewählten Werke am 1. Dezember beginnt mit Max Liebermanns Studie zum „Restaurationsgarten in Leiden“ von 1900, die das in der Hamburger Kunsthalle bewahrte, lichtgefleckte Sommeridyll in spontanem Gestus entwirft (Taxe 500 000/700 000 Euro). Im Jahr 1926 dann zeigt ihn sein „Selbstbildnis im Anzug mit Skizzenbuch“ als alten Meister (300 000/400 000). Mit der Expressionisten-Offerte kommen fünf Millionen-Erwartungen ins Spiel, drei davon gelten Emil Nolde: Beliebte Blumensujets, hier violette und gelbe „Königskerzen“ und „Leuchtende Sonnenblumen“ tragen Taxen von je 800 000 Euro bis 1,2 Millionen Euro. Seine „Bewegte SeeII (zwei Segler aneinander)“ – 1914 während der Südseereise entstanden, auf der Rückfahrt verloren gegangen und sieben Jahre später in Plymouth wieder aufgetaucht – gehörte zeitweise Bernhard Sprengel, der das Bild zur ersten Documenta nach Kassel gab (1/1,5 Millionen Euro). Auf dem bedeutendsten von drei Gemälden hält August Mackes schöne Frau Elisabeth ihre dunklen Augen geschlossen. Wie eine Skulptur von Maillol sitzt sie als „Gelber Akt“ in sich versunken am Boden eines grünen Raums. Das Bild von 1911 befand sich seit Mackes Tod in Familienbesitz und bis vor kurzem als Leihgabe im Landesmuseum Münster (700 000/900 000).

          Ein düsterer alter Herr in enger Umschlingung

          Dieselbe Farbe gibt Lionel Feiningers kristallin verschachtelter „Gelber Gasse“ von 1932 ihr aufleuchtendes Zentrum (1/1,5 Millionen). Auf knackigen Komplementärkontrast setzt Gabriele Münters Stillleben mit Flieder und Apfelsinen von 1909, türkisfarbene Gründe erhöhen die Strahlkraft des Motivs (250 000/350 000). Türkis hinterfängt auch Beckmanns aus vielerlei Dingen, darunter seinen geliebten Zigarren, arrangiertes „Stillleben mit brennender Kerze“ von 1921 (700 000/1 Million). Nach Grisebachs Auktionsrekord für ein Werk Anton Räderscheidts im Juni steigt man jetzt bei dem deutlich größeren „Haus Nr. 9“ aus demselben Jahr 1921 höher ein, nämlich bei 350 000 bis 440 000 Euro. Das einst direkt beim Künstler erworbene Bild war seither nie auf dem Markt, aber auf etlichen Ausstellungen zur Neuen Sachlichkeit. In unheimlicher Kühle zeigt es des Künstlers Wohnhaus in Köln und davor ein Paar, stilisiert wie Gliederpuppen. Paul Klee, Otto Dix, Karl Hofer, Fritz Winter, Emil Schumacher runden neben anderen den Auftritt inländischer Malerei, und Norbert Kricke pointiert eine kleine Anzahl von Plastiken mit seinem dynamischen Raumgreifer „Chi“ (80 000/100 000). Für internationale Zugaben sorgt nicht zuletzt René Magritte mit „La pensée visible“ von 1961, einem aus Notenpapier geformten Trio von Schachfigur, Apfel und Vorhang (300 000/400 000). Zur Botero-Suite am Schluss gehört auch die erwähnte Geburtstagstorte (300 000/400 000).

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