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New Yorker Auktionen : Groß denken, hoch taxieren

  • -Aktualisiert am

Schätzungen bis zu siebzig Millionen Dollar, ein berühmtes Werk von Rauschenberg und auch einmal wieder Mark Rothko: Spitzen der New Yorker Auktionen mit Gegenwartskunst bei Christie’s, Sotheby’s und Phillips.

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          Das Programm der anstehenden Zeitgenossen-Auktionen bei Sotheby’s in New York wird dominiert von der abstrakten Malerei; Christie’s setzt auf Figuration, und für Phillips macht es die Mischung. Beim Schwerpunkt auf amerikanischer Kunst der sechziger und siebziger Jahre ist man sich einig.

          Die Christie’s-Abendauktion am 15. Mai bietet 58 Lose, für die insgesamt „in excess of“ 441 Millionen Dollar angepeilt sind. Die Spitzenposition teilen sich hier, mit einer Erwartung von jeweils fünfzig bis siebzig Millionen Dollar, Andy Warhols „Double Elvis“ aus dem Jahr 1963, die silber-glänzende Stahlplastik „Rabbit“ von Jeff Koons aus dem Jahr 1986 und eine echte kunsthistorische Ikone: Robert Rauschenbergs Öl- und Siebdruck „Buffalo II“ aus dem Jahr 1964 mit collagierten Abbildungen von John F. Kennedy und der Mondlandung. Der derzeitige Rauschenberg-Rekord liegt bei 18,6 Millionen Dollar. Eingereicht haben das Werk die Erben von Robert B. and Beatrice C. Mayer, die es 1965 beim Galeristen Leo Castelli für 16900 Dollar gekauft hatten. Überhaupt kommen die ersten elf Lose der Auktion aus der Sammlung Mayer, darunter Roy Lichtensteins „Kiss III“ (Taxe 30/50 Millionen Dollar) und James Rosenquists „Marilyn II“ (2/3 Millionen) aus dem Jahr 1963. Insgesamt dreizehn Lose sind mit oberen Schätzungen von zehn Millionen oder mehr versehen, darunter Werke von Richard Diebenkorn, David Hockney, Domenico Gnoli, Frank Stella – und eine „Spider“-Skulptur von Louise Bourgeois mit einer Erwartung von 25 bis 35 Millionen Dollar. Gerhard Richters verschneite Graubündener Gebirgslandschaft „Monstein“ wurde 2015 für 4,08 Millionen Dollar (inklusive Aufgeld) versteigert; sie kommt nun mit einer Erwartung von fünf bis sieben Millionen Dollar wieder unter den Hammer.

          Die Abendauktion bei Phillips am 16. Mai bietet 45 Lose im Wert von achtzig bis 109 Millionen Dollar. Das Triumvirat an der Spitze, mit Taxen je bis zwölf Millionen Dollar, bilden Basquiat, Mark Bradford und Willem de Kooning. Bradfords „Helter Skelter II“ nimmt mit mehr als zehn Meter Breite den meisten Raum ein, an Bedeutung ist ihm allerdings Basquiats „Self Portrait“ (9/12 Millionen) auf weiß grundierten, alten Türen überlegen: Es gilt als eines seiner wichtigsten Selbstporträts der achtziger Jahre; eingereicht haben es die Erben des im vorigen Jahr gestorbenen Hiphop-DJs und Musikproduzenten Matt Dike. Dike arbeitete 1983 als Assistent bei der Gagosian Gallery in Los Angeles, im selben Jahr hatte Basquiat dort seine erste Solo-Schau; bei den Vorbereitungen arbeiteten beide eng zusammen und wurden Freunde. Basquiat schenkte Dike sein Werk. Lichtenstein ist bei Phillips gleich viermal vertreten: Seine Pferderennen-Szene „Horse and Rider“ (6/8 Millionen) kommt aus der Sammlung von Miles und Shirley Fiterman.

          Mit dem Erlös will das Museum seine Sammlung vielfältiger aufstellen

          Sotheby’s hat am 16. Mai 63 Lose mit einer Gesamterwartung von 244 bis 351 Millionen Dollar im Abendprogramm. Das Spitzenlos ist ein Rothko, diesmal ein ganz besonderer: Peggy Guggenheim schenkte dem San Francisco Museum of Modern Art zunächst ein anderes Bild des Malers. Das Museum tauschte dieses 1962 bei Rothko selbst gegen das Gemälde ein, das nun bei Sotheby’s zum Aufruf kommt. Die Taxe für das „Untitled“ von 1960 in Grau, Weiß und dunklem Rot liegt bei 35 bis fünfzig Millionen Dollar. Mit dem Erlös will das Museum seine zu einseitig von weißen männlichen Malerstars dominierte Sammlung vielfältiger aufstellen. Der Verkauf des Werks ist mit einer extern finanzierten Garantie gesichert. Zweitteuerstes Los bei Sotheby’s ist Francis Bacons „Study for a Head“ von 1952 (20/30 Millionen) aus der amerikanischen Sammlung Richard E.Lang und Jane Lang Davis. Aus einer ungenannten europäischen Privatsammlung, in der sie sich seit 1972 befand, wurde Gerhard Richters mehr als zwei Meter hohe graue „Mondlandschaft I“ (4,5/6 Millionen) aus dem Jahr 1968 eingeliefert.

          Von den 47 Künstlern im Angebot sind elf Frauen; bei Christie’s sind es fünf. Unter ihnen bei Sotheby‘s ist Julie Mehretu mit dem auf den ersten Blick abstrakten Gemälde „Arcade“ (2,5/3,5 Millionen); bei genauerer Betrachtung erkennt man die übereinandergelagerten, architektonischen Bogenformen, die der Titel nahelegt. Louise Bourgeois ist mit dem „Arch of Hysteria“ (3/4 Millionen) vertreten, einem von der Decke hängenden, kopflosen Körper aus polierter Bronze, den Rücken so stark überspannt, dass sich Hände und Füße fast berühren. Verschiedene der insgesamt sieben Versionen der Plastik waren seit 1994 in insgesamt 66 Ausstellungen weltweit zu sehen. Derzeit kann man einen Guss in der Bourgeois-Ausstellung im Song Art Museum in Peking bewundern; der Verkauf der marktfrischen Version bei Sotheby’s ist also strategisch geplant.

          Selten sieht man Werke von Lee Krasner in Auktionen. Ihr knapp fünf Meter breites, abstraktes Gemälde „The Eye is the First Circle“ von 1960 (10/15 Millionen), geschaffen vier Jahre nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Jackson Pollock, wurde eingeliefert aus der Sammlung von Sarah Wittenborn Miller. Das Bild ist mit einer Garantie abgesichert und wird deshalb den bisherigen Rekordzuschlag von 5,5 Millionen Dollar, aufgestellt bei Christie’s im November 2017 für „Shattered Light“ aus dem Jahr 1954, brechen. Thomas Schüttes gut zweieinhalb Meter hoher unikater Aluminiumguss „Großer Geist Nr.13“ ist, ebenfalls mit einer Garantie versehen, auf vier bis sechs Millionen Dollar beziffert.

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