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Kunsthalle Karlsruhe : Sie haben ihre Schicksale

Meister von Meßkirch "Der Heilige Johannes der Täufer mit der Stifterin Apollonia von Henneberg", um 1538 Bild: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Neuzugänge in Karlsruhe. Die Kunsthalle erwirbt zwei Werke mit bedeutender Geschichte.

          Die Kunsthalle Karlsruhe konnte jüngst zwei bedeutende Ankäufe für ihre Sammlung vermelden. Bei dem einen Neuzugang handelt es sich um zwei Werke des Meisters von Meßkirch, der in der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts in Südwestdeutschland tätig war. Die Tafeln „Der Heilige Johannes der Täufer mit der Stifterin Apollonia von Henneberg“ und „Die Heilige Maria Magdalena“, entstanden um 1538, bildeten ursprünglich die Vorder- und Rückseite des rechten Drehflügels vom Hochaltar der Kirche St.Martin in Meßkirch. Sie sind Beispiele der hohen Kunst jenes Meisters, der noch immer nicht sicher identifiziert ist. Berühmt ist er für seine Bildfindungen an der Schwelle von der Gotik zur Renaissance, für die verblüffende Lebendigkeit der Leiber, die kunstvolle Ausformung der Gewänder: zu erkennen aufs Schönste an Johannes dem Täufer, der über sein Fellgewand einen grünen faltenreichen Mantel geworfen hat und dessen rechte Hand zärtlich das Lamm Gottes hält, während die linke Hand sanft die Stifterin beschützt.

          Die beiden Tafeln, kraftvolle Zeugnisse der frühen Gegenreformation, haben bereits ein Gegenstück aus St.Martin in Karlsruhe. Die Kunsthalle erwarb 2013 die Tafel „Der Heilige Martin mit Bettler und dem Stifter Gottfried Werner von Zimmern“, dessen Ehefrau die obenerwähnte Apollonia von Henneberg war. Alle drei Tafeln stammen aus den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen in Donaueschingen. Sie sind seit 1953 auf der Liste des national wertvollen Kulturguts eingetragen, was ihre dauerhafte Ausfuhr aus Deutschland verhindert.

          Auch sie gehörten einst in die phänomenale Fürstenbergische Bildersammlung mit altdeutscher Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts. Deren Löwenanteil sicherte sich 2003 der Unternehmer und passionierte Sammler Reinhold Würth. In seiner Johanniterhalle in Schwäbisch Hall, einer aufgelassenen, sorgfältig restaurierten Kirche aus dem 12.Jahrhundert, sind diese Schätze zu bewundern.

          Der Ausverkauf der Fürstenberg-Sammlungen begann schon in den achtziger Jahren, zunächst in London. Im Jahr 1992 konnte das Land Baden-Württemberg für 48 Millionen Mark gut tausend Handschriften der Bibliothek erwerben; 2001 kam für knapp zwanzig Millionen Mark die Handschrift „C“ des „Nibelungenlieds“ dazu. In beiden Fällen war der Vermittler für das Adelshaus der 2016 verstorbene Christoph Graf Douglas. Ihm verdankt Würth übrigens nicht nur seine Fürstenberg-Bildersammlung. Douglas vermittelte ihm 2012 zusätzlich aus diesem Bestand die bezaubernde Tafel mit den „Heiligen Sebastian und Rochus“ vom „Falkensteiner Altar“ des Meisters von Meßkirch. Der Preis lautete weiträumig auf „siebenstellig“; im niedrigen Millionenbereich werden wohl auch die neuen Karlsruher Tafeln liegen. Bei allem Sinn fürs Geschäft liebte es Douglas, wenn er Kostbarkeiten für die Allgemeinheit erhalten konnte.

          Er war es auch, der 2013 die Tafel mit dem heiligen Martin samt Bettler und Stifter in die Kunsthalle brachte. Inzwischen hat seine Tochter Marie-Catherine Gräfin Douglas die Kunstberatung mit Sitz in Frankfurt übernommen. Sie wird die weitreichenden Verbindungen ihres Vaters in seinem Sinne fortsetzen können: Die zwei Karlsruher Neuzugänge sind dafür ein gutes Zeichen.

          Der zweite Ankauf ist Karl Hofers „Selbstbildnis mit Dämonen“ von 1922/23. Das packende Gemälde hatte schon einmal der Kunsthalle gehört. Es wurde 1936, in den Nationalsozialisten vorauseilendem Gehorsam, getauscht gegen Hofers friedlichen „Weg nach Lugano“. Seine weitere Markthistorie ist von einiger Signifikanz für Werke solchen Kalibers. Wäre es im Herbst 2017 bei Grisebach in Berlin zur Auktion gelangt, lag die angekündigte Schätzung bei starken 400.000 bis 600.000 Euro. Es wurde aber von seinem Besitzer, Bernd Schultz, zurückgezogen. Der mit dem Museum schließlich ausgehandelte Preis ist nicht bekannt. Bis sie in die Museen finden, haben die Kunstwerke ihr Schicksal, ihre Herkunft, ihre Karriere im Markt; es sind wichtige Teile ihrer Geschichte. Diese zu kennen vertieft das Verständnis für sie.

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