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Neumeister : Kanne und Kännchen

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Neumeister versteigert alte Kunst in München. Darunter ist so unterschiedliches wie Bauhaus-Keramik, italienische Renaissance-Malerei und süddeutsche Romantik: Eine Vorschau.

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          Vom Bauhaus-Keramiker Theodor Bogler stammt eine der Varianten seiner Kombinations-Teekanne, die Neumeister am 3. Juli in der Auktion mit Alter Kunst versteigert. Der 1925/26 in den Steingutfabriken Velten-Vordamm gegossenen Kanne eignet neben ihrer interessanten, von braunen Spuren durchzogenen hellen Glasur auch eine prominente Provenienz. Laut Einlieferer bekam seine Familie das zeitlos schöne Stück von Helene Rohlfs geschenkt, der Ehefrau von Christian Rohlfs, dessen Familie es seit den zwanziger Jahren besaß (Taxe 12.000/ 15.000 Euro). Wie die Teekanne lassen auch weitere Bogler-Lose fernöstliche Inspiration erkennen, darunter ein Tee-Extraktkännchen (10.000/12.000). Hochwertige Keramik kann also preislich durchaus mit altem Silber mithalten, wie sich am Beispiel eines Deckelhumpens zeigt, den der Augsburger Heinrich Mannlich 1663 mit Darstellungen der vier Jahreszeiten schmückte; er ist auf 12.000 bis 14.000 Euro geschätzt.

          In der Skulpturen-Suite späht ein geflügelter Puttenkopf nach Liebhabern von Ignaz Günthers Kunstfertigkeit: Die Werkstattarbeit entstand um 1760 in Lindenholz (8.000/10.000). Benvenuto Tisi, genannt Il Garofalo, wiederholte gern seine Bildfindungen. Mit der „Predigt des heiligen Paulus auf dem Aeropag in Athen“ griff er um 1535/40 eine vielfigurige Szene aus einem seiner Fresken auf, das heute die Pinacoteca Nazionale in Ferrara bewahrt; die Schätzung liegt bei 120.000 bis 150.000 Euro. Nicht zu übersehen ist hier Garofalos Bewunderung für Raffaels „Schule von Athen“. Ein unbekannter Bewunderer Antonis van Dycks malte im 17.Jahrhundert mit leichter Abwandlung dessen „Kinder des englischen Königs CharlesI.“. Das Werk gehörte einst der Schauspielerin Camilla Eibenschütz, die neben anderen Rollen im Jahr 1906 die Wendla in der Uraufführung von Wedekinds „Frühlings Erwachen“ war (15.000/20.000).

          Im Angebot zum 19. Jahrhundert sei auf Zeichnungen süddeutscher Romantiker aus ehemaligem Besitz des Münchner Sammlers Richard Messerer hingewiesen, wie auch auf Spitzwegs Ölbild „Landschaft mit Postkutsche“ (20.000/25.000). Wilhelm Hasemann, Meistermaler des Schwarzwalds, signierte 1905 eine Fassung seines „Brautzugs im Winter“ (14.000/16.000). Schnee spielt auch auf drei Bergbildern Edward Theodore Comptons eine Hauptrolle: sein wohl im Unterengadin angesiedelter „Eissee“ liegt bei 20.000 bis 25.000 Euro. Hinter mehr als vierzig Jahre als Kunsthändler in München setzt Eric Meletta nun den „Schlussakkord“: Aufgerufen werden rund hundert Lose Antiquitäten und Kunsthandwerk.

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