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Neues im Fall De Caro : Die Rückkehr der Bücher

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Jahrelang hat der Direktor der Biblioteca dei Girolamini den Bestand geplündert. Nun kehren die wertvollen Bände zurück. Zunächst nach Rom, eines Tages vielleicht auch nach Neapel.

          Zurückgekehrt nach Italien sind jetzt die 612 alten Bücher, die auf ihrer Reise in den vergangenen drei Jahren eine Reihe von Menschen aus der Kurve getragen haben. Nicht wegen stupender Inhalte - die machten bereits vor Jahrhunderten Furore -, sondern wegen ihres materiellen Werts. Die einen verführte dieser dazu, sie zu entwenden; andere ließ die Aussicht auf hübsche Gewinne offenbar nicht gründlich genug nach ihrer Herkunft forschen. Wie viele Bände Marino Massimo de Caro unterschlug, kaum dass ihn das Kulturministerium der Regierung Berlusconi trotz seines windigen Rufs als Direktor der Biblioteca dei Girolamini in Neapel installiert hatte, scheint nicht so genau festzustehen. Mehr als tausend waren es allemal, doch auch von viertausend ist zu hören. Eine Reihe fleißiger Helfer schleuste die unterschlagene Beute in den internationalen Markt für antiquarische Bücher, der - wie jeder Markt - für Raritäten empfänglich ist.

          Glanzstücke von Kopernikus bis Galilei

          Am Morgen des 9. Mai 2012 trat im Münchner Buchauktionshaus Zisska & Schauer (wie es damals noch hieß) der Auktionator vor das erwartungsvolle Publikum, um mitzuteilen, dass man wegen „Bedenken hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse“ einer langen Liste von Losen ebendiese aus der Auktion zurückgezogen habe. Wenig später ließ die Münchner Staatsanwaltschaft aufgrund eines Rechtshilfeersuchens aus Italien dort 543 Bände sicherstellen. Gemeinsam waren ihnen grob entfernte oder unkenntlich gemachte Besitzvermerke, die eigentlich jeden, der das sah, sofort hätten stutzig machen müssen. Auf Nachfrage hieß es damals, es handle sich um eine private Einlieferung aus der Schweiz.

          Das Gros der Bände stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert, kostbare Rara waren darunter, zum Beispiel Erstausgaben von Galileo Galileis „Sidereus Nuncius“ - er stand seinerzeit mit einem Schätzwert von 200.000 Euro im Auktionskatalog - oder von Johannes Keplers Hauptwerk „Astronomia nova“ sowie von Nikolaus Kopernikus’ „De revolutionibus orbium coelestium“. Im Oktober 2013 ließ Herbert Schauer seinen Anwalt auf siebzig weitere Bücher hinweisen, die sich noch in den Geschäftsräumen befanden. Er selbst, damals noch Geschäftsführer von Zisska & Schauer, befand sich nach einem Auslieferungsantrag soeben in Italien in Untersuchungshaft, später in Hausarrest. Der Vorwurf gegen ihn lautete auf Mithilfe bei einer Amtsunterschlagung (die eben de Caro beging, als er als Direktor der Biblioteca Girolamini dort Bücher entwendete). Gegen seine Verurteilung zu fünf Jahren Haft durch ein Gericht in Neapel wird er Rechtsmittel einlegen, sobald die Urteilsbegründung vorliegt. Wieder in München, zog Schauer sich aus dem Handel mit alten Büchern und dem Auktionsgeschäft zurück.

          Auch Bücherwürmer können Bibliotheken zerstören

          Besagter Bücherschatz, dessen Gesamtwert etwa 2,5 bis drei Millionen Euro betragen soll und für den das Auktionshaus eine beträchtliche Vorauszahlung geleistet haben soll, ruhte sicher in Kunst-Asservatenkammern des Bayerischen Landeskriminalamts, bis er jetzt Vertretern der neapolitanischen Justiz übergeben wurde. Die Münchner Staatsanwaltschaft betont, dass das inzwischen als Zisska & Lacher firmierende Auktionshaus sich ausdrücklich mit der Rückgabe der Bücher einverstanden erklärt habe. Inzwischen ist auch klar, dass die Werke nicht allein aus der Biblioteca dei Girolamini stammen; weitere Bibliotheken sind betroffen, darunter zwei in Florenz. Ein Buch blieb in München: Die Herkunft eines weiteren Exemplars von Kopernikus’ „De revolutionibus orbium coelestium“ konnte noch nicht nachgewiesen werden.

          Wann die Bände wieder an ihren angestammten Plätzen im Regal zu finden sein werden, steht aber noch in den Sternen. Einstweilen brachte man sie nach Rom. Die prachtvolle Bibliothek in Neapels Via Duomo, die bereits 1586 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde und in herrlichen Sälen des 18. Jahrhunderts residiert, ist nämlich geschlossen - und zwar bereits seit 1980, nachdem ihr ein Erdbeben heftig zusetzte. De Caro, der sich um Renovierungen, Katalogisierungen und Wiedereröffnung kümmern sollte, hat den beklagenswerten Zustand des ihm Anvertrauten für seine Plünderungszwecke genutzt. Er schaltete die Alarmanlage ab und ließ seine Komplizen walten. Mit seiner Verurteilung zu sieben Jahren Hausarrest kam er vergleichsweise sehr glimpflich davon. Der Mann, der ihm seinerzeit den „einträglichen“ Posten verschaffte, der Ex-Senator, enge Berlusconi-Vertraute und Liebhaber alter Bücher Marcello Dell’Utri, sitzt derzeit wegen Verstrickungen mit der Mafia im Gefängnis in Parma. Dort wollte der „Bücherwurm“, so eine italienische Zeitung, einer Tätigkeit nachgehen und zwar ausgerechnet in der Bibliothek.

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