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Neuer Rekord für Jeff Koons? : Hasi unter Beobachtung

Christie’s versteigert eine gut einen Meter hohe Stahlskulptur von Jeff Koons. Hat sie Chancen auf einen neuen Rekord?

          2 Min.

          Was war das denn? „Hyperallergic“, das allseits beliebte Internetforum, das sich nach eigener Definition dem „ernsten, spielerischen und radikalen Denken über die Kunst der Gegenwart“ widmet, veröffentlichte jüngst einen Beitrag des Autors, Kurators und Künstlers Hakim Bishara unter der Überschrift „Jeff Koons announces retirement from art“. Den Rückzug habe dem Großkünstler eine „religiöse Epiphanie“ eingegeben; er werde fortan Kunst nur noch für sich selbst und seine Familie schaffen. Von dieser Ankündigung wären, hieß es weiter, Schockwellen im Kunstmarkt zu gewärtigen, wenngleich abzuwarten bliebe, wie sie Koons’ Marktwert beeinflussen könnte. Das Erscheinungsdatum war der 1. April, und die Story war eine lustige, wenn nicht gar sarkastische Idee. Man hätte es amüsant gefunden, eilfertige Naivität diesem hoax aufsitzen und die Meldung verbreiten zu sehen. Allerdings ist „Hyperallergic“ dann doch zu – seriös: Über dem Artikel stand gut lesbar das Wort „Satire“. Bekannt ist freilich, dass Koons seine gigantische Produktionsmaschinerie nicht erst seit diesem Jahr herunterfährt, dass er viele der Mitarbeiter für die kostspielige Herstellung seiner Werke entlassen hat. Und es gibt auch einen Anlass für Bisharas Sottise, eine Probe aufs Exempel für Koons’ Milliardärskunst: Am 15. Mai versteigert Christie’s in New York Zeitgenossen, und eines der drei Spitzenlose ist der „Rabbit“ von Jeff Koons.

          Ob seine Rechnung aufgeht wird sich zeigen

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Die Schätzung lautet auf fünfzig bis siebzig Millionen Dollar für die gerade mal gut einen Meter hohe, rostfreie Stahlskulptur. Und es handelt sich nicht um irgendein Hasi. Es ist nicht nur eines von bloß vier existierenden Exemplaren, sondern auch das einzige noch in privater Hand – und das nicht in irgendeiner: „Rabbit“ erwarb S.I. Newhouse 1992 bei der Gagosian Gallery in New York. Newhouse, der Eigentümer des amerikanischen Verlagsimperiums Condé Nast, starb Anfang Oktober 2017. Ihm gehörte eine enorme Kollektion an „Blue Chip“-Kunst, aus der die Familie jetzt verkauft. Die Vermarktung liegt bei Tobias Meyer, bis Ende 2013 Super-Auktionator von Sotheby’s, seither Kunsthändler. Ob seine Rechnung für den „Rabbit“ aufgeht, wird sich zeigen; denn bekannt ist auch, dass seit 2014 der Auktionsmarkt für Jeff Koons eine deutliche Delle zeigt. Mit der hohen Schätzung zielt Christie’s tatsächlich auf einen neuen Rekord für ein Werk von ihm. Den hält seit 2013 der immerhin 3,6 Meter hohe „Ballon Dog (Orange)“ mit seinem Zuschlag bei 52 Millionen Dollar. Mit Aufgeld kostete der Wauwau seinen unbekannten Telefonbieter 58,4 Millionen Dollar; vorher besaß ihn der amerikanische Filmproduzent und Verleger Peter Brant, Milliardärs- und Sammlerkollege von Newhouse. Die aktuelle Taxe ist eine kühne Ansage, zumal das Kaninchen mit seiner Möhre ohne Absicherung durch eine Garantie antritt. Anzunehmen ist natürlich, dass potentielle Kundschaft vorher geprüft wurde. Und gerade im Hochpreismarkt ist die Provenienz ein nicht zu unterschätzender Faktor. Nur einmal angenommen also, dieser Hasen-Klassiker geht wirklich durch die Decke: Dann heißt das aber noch lang nicht, dass er die Preise für Koons’ aktuelle Arbeiten mit sich nach oben reißt.

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