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Neue Werke von Karin Kneffel : Spiegelungen im Auge der Künstlerin

Es sind veritable Erinnerungsräume, in denen Vergangenheit und Zukunft gespeichert sind. Die Galerie Klaus Gerrit Friese in Berlin zeigt die komplexen Bilder der deutschen Malerin Karin Kneffel.

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          Karin Kneffel, Jahrgang 1957, war Meisterschülerin von Gerhard Richter in Düsseldorf und ist heute Professorin an der Akademie der bildenden Künste in München. Zu ihren frühen Sujets gehören Tierköpfe - nein, es sind Porträts von Schafen, Rindern, Ziegen, keine heroischen Viecher, allesamt auf kleinen Formaten.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Sie macht sie zu Persönlichkeiten, gewissermaßen wie du und ich, die ihre Betrachter beschauen. Dann gibt es Trauben, Kirschen, Zwetschgen, die sie überdimensional malt. Schaut auf dieses Obst. Und in den Früchten bilden sich Lichtreflexe ab, etwas spiegelt sich. Und Spiegelungen werden ihr Thema, spiegelglatte Böden, Glasscheiben, an denen Tropfen herabrinnen. Wir Betrachter gleiten auf diesen Flächen mit aus, an ihnen ab, reale Räume geraten in Schwindel, die Wirklichkeit als vielfach gebrochenes Bild.

          Jetzt stellt Karin Kneffel in der Galerie Klaus Gerrit Friese in Berlin neueste Gemälde aus, in denen sie ihre Kunst auf die Spitze treibt, in der Auseinandersetzung mit Architektur, in der Bilder heimisch sind. Sie nimmt sich Mies van der Rohes ursprüngliche Privatvilla „Haus Lange“ in Krefeld vor, heute ein Museum, in der einst berühmte Gemälde hingen. Auch wo sie nur Schwarzweißfotografien als Vorlagen hat, imaginiert ihre Malerei die früheren Räume - in dramatischer, vielleicht hyperrealer Farbigkeit, an die Grenze der Dreidimensionalität auf der flachen Leinwand getrieben.

          Die Bilder aus dem Haus Lange sind heute in wichtigen Museen, dort sucht sie die Künstlerin auch wieder auf, in ihrer neuen Umgebung. So geht sie ins Frankfurter Städel und findet dort Marc Chagalls „Der heilige Droschkenkutscher“ von 1911 wieder, vereint nun mit einem Gemälde von Ljubow Popova und Picassos Frauenkopf von 1932, der Marie-Thérèse Walter darstellt. Das Arrangement steht scheinbar hinter einer beschlagenen Scheibe, mit freigewischten Partien. Das so entstandene Bild strahlt einen genialischen Illusionismus beinah spürbar aus; kaum nachzuvollziehen ist, wie Kneffel das „gemacht“ hat, rein technisch.

          Im Haus Lange hing auch Ernst Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“ aus dem Jahr 1914; seit 1987 befindet sich das spektakuläre Bild in Berlin, in der - ebenfalls von Mies van der Rohe entworfenen - Neuen Nationalgalerie. Kneffel allerdings hält es fest, wie es in der vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen „ImEx“-Schau in Berlins Alter Nationalgalerie inszeniert war, zusammen mit einer weiblichen Figur Ernst Wilhelm Lehmbrucks - und wieder wie hinter einem opaken Schleier. Mit ihren großartigen Bildern schafft Karin Kneffel ein Gedächtnis, veritable Erinnerungsräume, in denen Vergangenheit und Zukunft gespeichert sind. Zugleich ist in ihnen der flüchtige Stoff bewahrt, der Zeit heißt. Auch der Städel-Raum sieht so schon nicht mehr aus.

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