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Neue Beweise? : Der große Unbekannte

  • -Aktualisiert am

Glafira Rosales ist Hauptverdächtige im Fall der mutmaßlich gefälschten Gemälde, die Knoedler in New York verkauft hat. Jetzt wurde sie festgenommen. Ihr droht eine lange Haftstrafe.

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          Glafira Rosales, die Kunsthändlerin im Zentrum der Affäre um die von der New Yorker Galerie Knoedler verkauften mutmaßlich gefälschten Gemälde, ist verhaftet worden. Preet Bharara, Bundesstaatsanwalt, hat die Sechsundfünfzigjährige förmlich der Steuerhinterziehung beschuldigt. Der Strafanzeige liegen die Ergebnisse einer 2009 begonnenen FBI-Untersuchung zugrunde. Obgleich die Staatsanwälte noch keine Anzeige wegen Fälschung oder Betrugs angekündigt haben, beschuldigen sie die Eigentümerin der Firma Glafira Rosales Fine Art in einer Presseerklärung ausdrücklich des Handels mit gefälschten Kunstwerken.

          Seit Knoedler, die älteste Galerie von New York, im November 2011 schloss, haben sechs Käufer von Bildern, deren Herkunft aus dem Lager von Frau Rosales von Knoedler verschleiert wurde, Zivilklagen eingereicht, zuletzt Nicholas Taubman, der frühere amerikanische Botschafter in Rumänien. Das Gemälde mit der Signatur von Clyfford Still, für das Taubman 2005 4,3Millionen Dollar bezahlte, hatte Knoedler Glafira Rosales für 600000 Dollar abgekauft.

          Hartnäckige Bemühungen um Aufklärung

          Aus der Strafanzeige geht hervor, dass Frau Rosales vierzig Werke an Knoedler verkaufte sowie 23 an Julian Weissman, einen ehemaligen Knoedler-Angestellten. Die Einnahmen beliefen sich allein 2006 bis 2008 auf 14,74 Millionen Dollar. Beim Fiskus gab Frau Rosales für diese Jahre lediglich Umsätze von 2,2 Millionen Dollar an. Sie behauptete, im Namen eines Sammlers zu handeln, der anonym bleiben wolle. An den großen Unbekannten ist nie Geld weitergeflossen - für die Behörden ein Grund, ihn für erfunden zu halten. Taubman gibt an, bei Knoedler sei ihm erzählt worden, der verstorbene Schweizer Sammler, der die Bilder durch Vermittlung des Kunsthändlers David Herbert bei den Malern erworben habe, sei der Spross eines ehrwürdigen Adelsgeschlechts gewesen, dessen Kinder auf Vertraulichkeit bestünden - ihr Vater habe mit seinem Kunstberater ein Liebesverhältnis gehabt.

          Für die Zivilklagen könnte wichtig sein, dass die Staatsanwälte Knoedler hartnäckige Bemühungen um Aufklärung der Identität des Unbekannten bescheinigen. Glafira Rosales soll gefälschte Echtheitsnachweise mit der Unterschrift des angeblichen Eigentümers vorgelegt haben. Ihr droht eine Gefängnisstrafe von rechnerisch bis zu 34 Jahren.

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

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