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Die Tefaf besetzt ihre Jurys neu : Adieu, Händler!

Neue Regeln für die „Vetting Committees“: Bisher wurden die Positionen von Kunstmarkt-Experten besetzt. Das soll sich jetzt plötzlich ändern.

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          The European Fine Art Fair (Tefaf) ist noch immer die weltweit führende Kunstmesse, bei der sämtliche Sparten von der Antike bis zur Gegenwart, von der Kunstkammer bis zur Haute Joaillerie vertreten sind. Gegründet im Jahr 1988, hat sich die im niederländischen Maastricht beheimatete Veranstaltung weltweit an die Spitze gesetzt. Seit 2016 unterhält sie gleich zwei Dependancen in New York, eine im Herbst für Kunst und Kunsthandwerk bis 1920, eine im Frühling für Moderne, zeitgenössische Kunst und Design. Jetzt hat die Tefaf neue Regeln für die „Vetting Committees“ verkündet, von denen die präsentierten Objekte, unmittelbar vor der Eröffnung, begutachtet werden – in seltsamer Verklausulierung: „Die Tefaf führt für ihre Messen in Maastricht und New York neue globale Regeln der Jurierung ein. Nach einer Überprüfung der rechtlichen Fragestellungen bei der Begutachtung von Kunstwerken wurde der Tefaf geraten, ihre Jurygremien mit Experten zu besetzen, die möglichst geringe wirtschaftliche Interessen am Kunstmarkt haben. Damit wird das Augenmerk auf eine verantwortungsbewusste Unternehmensführung und Haftungsbewertung gerichtet.“ Im Klartext heißt das, dass Kunsthändler und Auktionsexperten nicht mehr als „Voting Members“ zugelassen sind. Die Jurys bestehen künftig „ausschließlich aus wissenschaftlichen Experten, Kuratoren, Konservatoren und Wissenschaftlern aus den verschiedenen, relevanten Bereichen“. Außerdem wird „wissenschaftliche Expertise der Konservierung von Kunstwerken berücksichtigt und auch von unabhängigen Wissenschaftlern eingeholt“. Das lässt dann doch aufhorchen. Denn es klingt – gewollt oder ungewollt – wie ein nicht näher präzisierter Vorbehalt gegenüber den Vertretern des Kunst- und Auktionshandels; und das nach einer Praxis von drei Jahrzehnten, in denen das vetting – mithin auch die Herausnahme von zweifelhaften Objekten aus den Kojen, vor Ort auf der Messe – als außerordentlich zuverlässig galt. Der Chairman des Tefaf-Kuratoriums, Nanne Dekking, spricht zur Begründung davon, dass es sicherzustellen sei, „dass wir ein Höchstmaß an Vertrauenswürdigkeit auf unseren Verkaufsplattformen gewährleisten“. Das hatte man in Sachen Tefaf bisher freilich auch schon erwartet. Bleibt Dekkings herzliches Dankeschön an alle Jurymitglieder, von denen sich Tefaf jetzt leider trennen muss.

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