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Nachruf : Mit Herz

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Sie lernte bei Hans Mayer und Kurt Kalb, übernahm 1999 die Leitung der Galerie. Teresa Hohenlohe entwickelte ein überzeugendes Profil geprägt von Minimal- und Konzeptkunst. Die engagierte Galeristin ist vor wenigen Tagen überraschend verstorben.

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          Die Wiener Galeristin Teresa Hohenlohe machte ihre ersten professionellen Erfahrungen mit dem Kunstmarkt in der Düsseldorfer Galerie Hans Mayer. Ihrem Kindheitstraum eines Künstlerlebens folgend, hatte sie zuerst in Florenz Malerei studiert und ihre Ausbildung später in der Medienklasse von Peter Weibel in Wien fortgesetzt. Teresa Hohenlohe wurde 1964 als Gräfin von Bulgarini d'Elci in Mailand geboren. Im Wiener Kunsthandel fasste sie Anfang der neunziger Jahre bei dem Galeristen Kurt Kalb Fuß, wo sie vor allem für Dieter Roth zuständig war. Nach Kalbs Rückzug aus dem Geschäft 1999 übernahm sie die Galerie und auch einige wenige Künstler des hauptsächlich auf österreichische Positionen konzentrierten Programms. Mit ihrem offenen Wesen hatte die zweifache Mutter ein Gefühl für vielversprechende Künstler, deren Projekte sie leidenschaftlich diskutierte, während sie ihnen neugierig freie Hand ließ.

          Sie stellte Kunst zur Diskussion

          Geprägt von der Auseinandersetzung mit amerikanischem Minimalismus und Konzeptkunst im Rheinland, machte sich die Galeristin für einen diskursiven Zugang zur Kunst stark. So lud sie zu einer ihrer ersten Ausstellungen den Linguisten Martin Prinzhorn als Kurator ein, für dessen multimedial angelegte Schau „Scale“ sie breite Anerkennung erntete.

          Die Galerie Hohenlohe verfolgte mit Performancekünstlern wie Ines Doujak oder Franz Kapfer eine zunehmend gesellschaftskritische Richtung. Der Künstler als Forscher faszinierte die engagierte Galeristin, die sich immer gern Zeit nahm, Besuchern die tieferen Zusammenhänge ihrer aktuellen Schau zu erklären. Für ein verstärktes Interesse an politischer Kunst sorgte auch die Bekanntschaft mit Roger Buergel und Ruth Noack, die die Galeristin im Jahr 2000 bei deren Ausstellung „Gouvernamentalität“ auf der Expo in Hannover kennenlernte. Die damals noch wenig bekannten Kuratoren gehörten fortan zum engeren Kreis der Galerie, standen ihr mit Eröffnungsreden, Katalogtexten und Ratschlägen zur Seite. Auf der aktuellen Documenta sind mit Peter Friedl, Andrea Geyer, Simon Wachsmuth und Imogen Stidworthy vier Künstler aus dem Programm der Galerie Hohenlohe vertreten. Trotz ihres beruflichen Erfolgs und der kürzlichen Heirat mit Franz Seilern, seit 2005 auch ihr Galeriepartner, setzte Teresa Hohenlohe ihrem Leben völlig unerwartet am 20. August ein Ende.

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