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Nachlässe bei Van Ham : Es muss nicht alles zusammenbleiben

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Das Kölner Auktionshaus Van Ham widmet sich auch der Erschließung künstlerischer Nachlässe.

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          In einem Gewerbegebiet draußen im rheinischen Niemandsland lässt sich hinter einem großen Stahltor alles andere an ökonomischen Gütern erwarten als moderne Kunst. Schmucklos die Fassade, kein Firmenschild, kein Hinweis auf das Auktionshaus Van Ham. Das aber unterhält dort vier riesige Lagerhallen, um künstlerische Nachlässe zu betreuen. Diese Diskretion dient dazu, keine Gäste mit unlauteren Absichten anzulocken und die in Obhut genommenen Werkkonvolute auch durch die Verschwiegenheit über den Standort zu schützen. Nur geladenes Publikum erhält Zugang zu ausgewählten kleineren Präsentationen in einem Showroom, während sich das Auktionsgeschäft und repräsentative Ausstellungen mit Werken aus den Nachlässen im Kölner Stammsitz abspielen. Rund viertausend Quadratmeter, ein enormes Raumangebot, hält Van Ham für künstlerische Nachlässe parat. Das Haus sie im Jahr 2011 als eigene Aufgabe definiert und ging damit einem Trend, wenn nicht gar Boom voran, der seit einiger Zeit in Galerien für Gegenwartskunst herrscht.

          Die konservatorische Bewahrung und wissenschaftliche Erschließung von künstlerischen Konvoluten galten einst als Aufgaben, die in musealer Verantwortung liegen und dem Markt besser entzogen bleiben sollten. Doch die überlasteten, ihrerseits getriebenen Museen fühlen sich dafür immer weniger zuständig. Sie verweisen auf den ökonomischen, bürokratischen, organisatorischen Aufwand, der kostbare Energien ihres Kerngeschäfts absorbiere. Dann entdeckten die Global Players unter den Händlern den „Estate“ als Geschäftszweig, der ihnen auch ideell ein wohlfeiles Image beschert. Artist Estates seien „die neuen Goldgruben“, bemerkte die Zeitschrift „Monopol“, und der New Yorker Galerist David Zwirner sagte im Interview mit der Berliner Zeitung „Der Tagesspiegel“, Galerien hätten sich immer schon um Nachlässe gekümmert, „neu ist, dass dies auch jüngere Galerien tun. Mit einem bedeutenden Nachlass ist man schon zwei Schritte weiter.“ So teilen die Großgaleristen heute die Hinterlassenschaften zahlreicher namhafter Künstlerinnen und Künstler unter sich auf und erfüllen damit tatsächlich auch eine öffentliche Aufgabe; außerdem ist das hilfreich bei der noch besseren Plazierung der eigenen Künstler am Markt.

          Als einziges deutsches Auktionshaus betreut Van Ham Vorlässe und Nachlässe und hat dafür eine Logistik mit fünf Angestellten unter der Führung von Renate Goldmann aufgebaut. Ihre Zuständigkeit ist aufgeteilt: sie recherchieren verstreute Arbeiten, um sie zu dokumentieren, restaurieren bei Bedarf Werke vor Ort und lagern sie konservatorisch in angemessenem Klima. Einigen Aufwand erfordert die Prüfung von Fälschungen, die dem Auktionshaus regelmäßig angeboten werden. Eine diesbezügliche Datenbank wird geführt. Auch steuerliche Gesichtspunkte wollen erörtert werden. „Unsere gesamte Arbeit läuft immer darauf zu, ein möglichst lückenloses Werkverzeichnis auf die Beine zu stellen“, sagt die im Rheinland künstlerisch sozialisierte, vormalige Direktorin des Leopold-Hoesch-Museums in Düren. Einen Catalogue raisonné zu den Werken von Karl Hofer, Fritz Klimsch und Franz Roubaud veröffentlicht zu haben nennt Goldmann als Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz.

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