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Münchner Kunstwoche : Kleine und große Wunderwerke

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München verwandelt sich im Herbst in ein Paradies für die Sammler schönster Kunst-Stücke. Die Messen in der Residenz und im Postpalast haben sich fest etabliert.

          Zum zweiten Mal haben die „Highlights“ im Kaiserhof der Münchner Residenz ihr elegantes Zelt aufgeschlagen, um im Herzen der Stadt eine Kunst- und Antiquitätenmesse von herausragendem Niveau abzuhalten. Vom Hofgarten her und weiter über den imposanten Vierschäftesaal erreicht man dieses prall gefüllte, dabei angenehm übersichtliche Paradies der Kunst. „Museale Qualität“ klingt immer leicht altbacken, benennt aber tatsächlich die hochliegende Messlatte, nach der man sich hier streckt. Entsprechend zahlreich erschienen bereits zur Vernissage die Vertreter öffentlicher Sammlungen. 48 durchweg hochspezialisierte Aussteller, davon ein Drittel aus dem Ausland, beweisen im räumlichen Zusammenspiel wieder einmal dieses Faktum: Erstklassiges harmoniert, auch wenn Kontinente und Jahrhunderte die Entstehung trennen. Zum Beispiel der Stand, den Thomas von Salis und Dierk Dierking wie das Studiolo eines weltoffenen Sammlers gestalteten: Da harmoniert dann eine seltene, schwarzlackige, blütenüberzogene Fornasetti-Kommode von 1953 (68.000 Euro) mit Bildern von Dufy, Arnulf Rainer oder Graubner und desgleichen mit Afrikana, wie einer prächtigen Maske der kongolesischen Kuba aus der ehemaligen Kollektion Lorenz Eckert (140.000 Euro).

          Der Sammler einer solchen Kombination würde wohl auch das um 1700 in England angefertigte Lackkabinett mit schimmernden Chinoiserien lieben, das Christian Eduard Frankes Stand schmückt (148.000 Euro). Ebenfalls reizen dürften ihn die ihrerseits exotikaffinen, bei den Galerien Vertes, Ludorff, Thomas und anderen bestens repräsentierten Expressionisten. Nicht zu versäumen: Franz Marcs hinreißendes Aquarell „Pferd und Rind“ (500.000 Euro) bei Thole Rotermund, oder auch Kirchners „Frau mit schwarzen Strümpfen“ von 1909, also aus allerbester Zeit, das die Galerie Schwarzer für 1,45 Millionen Euro anbietet. Einen Preis dieser Kategorie nennt auch die Blumka Gallery aus New York: Auf ihrem mit Bildhauerei erster Güte bestückten Gemeinschaftsstand mit Böhler inszeniert sie als feierlich beleuchteten Hingucker eine bezaubernde rheinische Madonna mit Kind aus der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts. Erst im März dieses Jahres sah man die Schöne auf einer Neumeister-Auktion mit einem Erlös von rund 230.000 Euro ihre Taxe verzehnfachen. Spiegeln jetzt geforderte 1,2 Millionen Euro amerikanische Überhöhung gotischer Raritäten?

          Den gleichen Betrag erwartet Bernheimer für eine „Küstenlandschaft im Mondschein“ Claude Joseph Vernets. Der Stand des Altmeisterhändlers bietet einen ungewohnten Anblick: Erstmals teilt er ihn mit seinen Töchtern. Blanca Bernheimer hängte eine Auswahl ihrer Fotokünstler, während die Künstleragentin Isabel Arrangements ihres Schützlings Jan Kuck zeigt. Doch auch der Patriarch selbst wagt neuerdings Schritte in die Gegenwart, englische Keramik und Werke des Pferdebildhauers Nic Fiddian-Green mischen das Potpourri weiter auf. Xaver Scheidwimmer, seinen Alten Meistern treu, hält ein ungewöhnliches Stillleben von Evert Collier bereit. Nach seinem Umzug nach London malte der Niederländer 1695 einen Schriftentisch mit Aktualitäten, wenn sich dort nicht nur King Williams III. Rede zur Parlamentseröffnung entrollt, sondern auch einer von zehn Bänden öffnet, die Madeleine de Scudéry ihrem vieldiskutierten Roman „Artamenes ou le Grand Cyrus“ widmete (138.000 Euro).

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