https://www.faz.net/-gqz-a4q2g

Münchner „Highlights“-Messe : Flagge zeigen in schwierigen Zeiten

  • -Aktualisiert am

Auf der internationalen Messe Munich Highlights trotzen gut zwei Dutzend Aussteller der Covid-Krise – und präsentieren alte wie moderne Kunst in hochkarätiger Vielfalt.

          3 Min.

          Die Highlights haben es geschafft: Trotz widriger Umstände in diesen schwierigen Zeiten öffnete die Münchner Boutique-Messe als eine der ganz wenigen Art-Fairs ihre Pforten. Und es gelingt ihr auch, mit dieser elften Ausgabe ein Gesamtbild von hochkarätiger Vielfalt zu schaffen, obwohl es Absagen gab und deutlich weniger Platz, denn statt des Messezelts im Kaiserhof der Münchner Residenz werden diesmal deren Bronzesäle bespielt. Vor Spekulationen über den wirtschaftlichen Erfolg gilt es, die vereinten Anstrengungen von 27 Ausstellern zu honorieren, die Flagge zeigen, um jahrelang aufgebaute Strukturen und damit die Messe über die Covid-Krise hinwegzuhieven.

          Sehr zupass kommt den Highlights die Entscheidung der Tefaf, ihre diesjährige New Yorker Herbstmesse ins Internet zu verlegen. Acht Händler, die um diese Zeit von Reisevorbereitungen für den amerikanischen Ableger der Maastrichter Starveranstaltung absorbiert wären, begrüßen die Münchner Gelegenheit zur physischen Präsentation ihrer Schätze und zum selten gewordenen direkten Publikumskontakt. Auch Florian Eitle von der Kunsthandlung Böhler steht statt in den Startlöchern nach Übersee an seinem Stand in der Residenz. Er zeigt Kostbarkeiten wie ein bronzenes Löwen-Aquamanile, gegossen um 1250 in Hildesheim und beziffert mit 450.000 Euro. Oder, unter hinreißenden Schnitzwerken, einen Heiligen Sebastian, gefertigt um 1689 in Süddeutschland und laut Wappen auf dem Sockel einst Eigentum des Bamberger Fürstbischofs Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (160.000 Euro). 140 Jahre besteht die Firma Böhler in diesem Jahr, gefeiert werden soll im nächsten.

          Stand-Nachbar Georg Laue prunkt mit einer Gruppe gedrechselter filigraner Kunststücke, gedreht Ende des 17. Jahrhunderts in Berchtesgaden. Vergleichbares hat sich nur in der berühmten Kunstkammer von Ambras in Tirol erhalten; auch Laues Objekte reservierte ein Museum. Eine in Umfang und Erhaltung einzigartige Rarität installierte Porzellanspezialist Röbbig: rund dreißig Stücke aus dem Meissner Schwanen-Service – Johann Jakob Kaendler entwarf es für Heinrich Graf von Brühl – darunter Terrinen, Kandelaber und Platten. Ein Kunstwerk für sich, angeboten für 4,3 Millionen Euro.

          Nach einigen Jahren Pause kam Jean-David Cahn mit seinen Antiken aus Basel wieder; er mischt Marmorskulpturen wie den etwa 2200 Jahre alten hellenistischen Torso eines athletischen Epheben (300.000 Franken) mit kleinen Pretiosen, darunter eine gleichfalls griechische, zierlich sich aufrichtende Silberschlange (12.000 Franken). Ein Barocksekretär Jakob Kiesers, gebaut für einen Auftraggeber aus dem Umkreis Kurfürst Karl Theodors von der Pfalz, beweist (86.000) den zuverlässigen Einsatz von Christian Eduard Franke-Landwers aus Bamberg für hochwertige Möbelkunst. Beschränkten Kojenplatz überlistet er mit einem reichhaltigen Angebot an Silber, Golddosen und einer runden Tischuhr von Fabergé mit zweifarbiger Emaillierung und Halbperlen (86.500). Immer für Überraschungen gut besticht der Stand von Peter Mühlbauer mit einem vergoldeten Relief, mit dem Renaissance-Künstler Christoph Jamnitzer es auf wenigen Zentimetern fertigbrachte, sogar das Spiegelbild des sich in der Quelle bewundernden Narziss abzubilden. Auch lasse man sich die prachtvolle Prunk-Truhe Friedrich des Großen vorführen, sie birgt allerhand Geheimnisse (480.000).

          Weitere Themen

          Andromeda am Pfahl am Meer

          Auktion bei Karl & Faber : Andromeda am Pfahl am Meer

          Barocke Porträts, romantische Landschaften und Drucke von Dürer bis Toulouse-Lautrec: Die Auktion mit Kunst alter Meister und des 19. Jahrhunderts bei Karl & Faber in München.

          Topmeldungen

          Corona-Lockerungen vertagt : Hat Johnson die Delta-Mutante unterschätzt?

          Nach dem verschobenen „Tag der Freiheit“ steht Boris Johnson in der Kritik. Der britische Premier habe zu spät auf die Virus-Mutante aus Indien reagiert, sagen manche. Andere fürchten, die Rückkehr zur Normalität falle in diesem Jahr komplett aus.
          Die Fußgängerzone von Zeitz: Viel Leerstand, wenig junge Menschen

          AfD-Hochburg Zeitz : Verletzte Kinder, wütende Erwachsene

          Im Wahlkreis Zeitz blieb die AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt besonders stark. Zwei Männer, die ihre Heimat lieben, leiden darunter. Der eine kämpft. Der andere hat aufgegeben. Eine Reportage.
          Erst kam der Hype, dann die erste Enttäuschung: Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock

          F.A.Z.-Machtfrage : Überschätzt, unterschätzt

          Der erste Hype um Annalena Baerbock ist vorbei, da holt Armin Laschet plötzlich auf – den viele im Vergleich zu Söder noch als blass verschmähten. Was sagt uns das über den Wert von Umfragen und Stimmungen im Bundestagswahlkampf?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.