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Münchner Ergebnisse : Dynamische Volumen, Variationen und Neckereien

  • -Aktualisiert am

Eine Bilanz der Herbstsaison in München, von Alter Kunst bis zu den Zeitgenossen: Ketterer, Karl & Faber sowie Neumeister präsentierten ein umfangreiches Programm. Nicht jede Rechnung ging auf.

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          Vier Saisonlieblinge, die unterschiedlicher kaum sein könnten, überragen die gewaltige Menge an Kunstwerken, die Münchens Herbstauktionen von Alten Meistern bis zur Gegenwart bestückten. Die vier heißen Carl Spitzweg, Franz von Stuck, Gabriele Münter und Otto Piene. Piene landete bei Ketterer einen Weltrekord mit einem weißgrundigen „Dynamischen Volumen“. Aufgerufen bei 120.000 Euro, spornte das markige Feuermal den Saal und ein rundes Dutzend Telefonbieter an, die sich erst bei 660.000 Euro geschlagen gaben; mit Aufgeld bedeutet das 825.000 Euro für den siegreichen Privatsammler.

          Pienes „Wave of Darkness“, eine wellige Brandspur auf Rot, kam auf 500.000 Euro (Taxe 300.000/400.000) und markiert so eine weitere Spitze im immensen Zero-Aufgebot dieser Auktion. Auch Uecker reüssierte wieder mit einem „Dunklen Feld“, für 400.000 Euro zog es in die Schweiz (150.000/200.000). Heinz Mack folgt den teuren Freunden mit etwas Abstand, doch mit 260.000 Euro (250.000/350.000) entfiel auf die „Fata Morgana“ von 1965 ein gutes Händlergebot. Zero trug Erhebliches zur guten Bilanz der Dezember-Auktionen bei Ketterer bei, die mit 24 Millionen Euro erneut das Resultat des Vorjahrs übertrafen.

          So ließ sich das Schicksal des Hauptloses besser verschmerzen: Schieles provokant nacktes „Mädchen mit Federboa“ fiel durch. Ganz anders der Schwung fast ausnahmslos begehrter Münter-Gemälde, den zwei Sammlungen dem Haus beschert hatten. Vor allem schwangen sich die frühen Bilder „Gehöft in Murnau“ von 1909 mit 340.000 und „Stillleben im Kreis“ von 1911 mit 300.000 Euro deutlich über ihre Taxen. Zum teuersten Expressionisten der Auktion jedoch machte ein Schweizer Sammler Erich Heckels sommerbunte „Hügellandschaft“, indem er 600.000 Euro (um 500.000) bewilligte. Auch Feiningers ostseeblaues „The Baltic (V-Cloud)“ schnitt mit 380.000 Euro besser ab als erwartet, und drei verschneite Kitzbüheler Berglandschaften von Alfons Walde ließ sich ein durchsetzungsfähiger Österreicher, der mehrere Landsleute auf die Plätze verwies, zusammen 1,04 Millionen Euro kosten.

          Neckerei zwischen Faun und Nymphe

          Noch einen Versteigerungsrekord meldet das Haus mit Georg Schrimpfs bei 230.000 Euro (um 160.000) zugeschlagener „Stillenden Mutter“ im Stil der Neuen Sachlichkeit. Der Richtung hing auch Karl Hubbuch zeitweise an, dessen schöne rote „Lola“ von 1926 auf 85.000 Euro (um 25.000) kam. Die Auktion Alter Kunst adelte eine ausgezeichnete Kopie des verlorenen Schinkel-Gemäldes „Landschaft mit Pilger“, als Wolfgang Wittrock es sich, im Auftrag eines Museums, für 50.000 Euro (um 26.000) zuschlagen ließ. Kurz darauf bezeugte von Stucks „Neckerei“ zwischen Faun und Nymphe mit 95.000 Euro (um 60.000), die hessischer Kunsthandel aufwendete, die exzellente Marktstellung des Symbolisten.

          Das Haus Karl & Faber landete einen noch größeren Coup mit Stuck: Um seine rechtzeitig von Restitutionsansprüchen befreite „Sinnlichkeit“ samt Schlange tobten Kämpfe, bis ein deutsches Privatgebot von 440.000 Euro (120.000/180.000) französische und britische Interessen mit dem hierzulande bisher höchsten Preis für Stuck ausstach. Dieselbe Auktion mit Alten Meistern und 19. Jahrhundert sah das prächtige dickfellige „Kamel, stehend nach links“, um 1880 von Friedrich Voltz gemalt, für beachtliche 22.000 Euro (6000) in Privatbesitz ziehen. Zwei Pflanzen-Scherenschnitte von Runge, deren Markt vorerst gesättigt scheint, wanderten in den Nachverkauf; nur „Weinlaub“ schaffte es mit 31.000 Euro (40.000/50.000) während der Versteigerung.

          Hingegen riss man sich um neuentdeckte Federzeichnungen des Domenico Cresti, genannt Il Passignano, aus der Sammlung Heinrich Geisslers, einst Leiter der Graphischen Sammlung in Stuttgart: Bis auf 27.000 Euro (5000/6000) schossen die Preise für die frühbarocken Blätter. Dürer beherrschte die Altmeistergraphik, sein Bildnis Ulrich Varnbülers erzielte als seltener Chiaroscuro-Holzschnitt mit 55.000 Euro (70.000/90.000) den gleichen Preis wie ein Abzug mit Chatsworth-Provenienz vor zwei Jahren in New York.

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