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Münchner Ergebnisse I : Scheiben im Höhenflug

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Rege internationale Beteiligung gestaltete die Resultate für Kunst nach 1945, die exzellent mit Pierre Soulages’ kleiner „Peinture 33×22, 1957“ anfing: Beim fast Zehnfachen der unteren Taxe, also für 300 000 Euro, wechselte sie in französischen Handel. Doch der Preisanführer war wieder einmal Günther Uecker, sein frühes Nagelbild „Weißes Feld“ ging mit dem Hammerschlag bei 520 000 Euro (200 000/300 000) in belgischen Handel. Die Arbeit stammte, wie eine Reihe weiterer minimalistischer Abstraktionen, aus der Sammlung Ellen Sauter, Badenweiler: darunter Rupprecht Geigers „547/89 (Gelber Kreis)“, beboten mit 56 000 Euro (30 000/40 000), oder Jan Schoonhovens Relief weißer Quadrate „R 43-4“, das niederländischer Handel leicht unter Taxe für 130 000 Euro kaufen konnte.

Von ähnlichem Geist zeugen die Holzstückchen-Reliefs des Brasilianers Sérgio de Camargo, dessen 1971 in Paris geschaffenes, unbetiteltes Opus „No 349“ Gebote aus der halben Welt anlockte, überflügelt schließlich von einer New Yorker Foundation mit 360 000 Euro (140 000/180 000). An die amerikanische Ostküste reist auch Baselitz’ „Abgarkopf“, er brachte 340 000 Euro (190 000/240 000). Gerhard Richter entfachte diesmal mit Aquarell mehr Enthusiasmus als mit Öl; so kletterte die farbfrohe Abstraktion „Gebirge“ von 1984 von 100 000 auf 295 000 Euro. Und Blinky Palermos collagierter und aquarellierter Vierteiler „Happier than the Morning Sun (for S.Wonder)“ von 1974 fand für 240 000 Euro, innerhalb der Schätzung, in eine süddeutsche Privatsammlung. Geschmerzt haben dürfte der neuerliche Rückgang von Robert Longos riesigem „Shark“, der bis 380 000 Euro einspielen sollte.

Die Jagdsaison ist eröffnet

Spannender als die junge Zeitgenossen-Abteilung – sie erreichte ihren Zenit bei 46 000 Euro (Taxe bis 45 000) für ein neoexpressionistisches Großformat von André Butzer – verlief die Auktion zum 19. Jahrhundert: Sie trug 1,1 Millionen Euro zum „rund 25 Millionen Euro Gesamterlös“ bei, auf den Ketterer die Herbstauktionen beziffert, inbegriffen das Aufgeld von 20 bis 25 Prozent. Wie kürzlich schon einmal bei einer Auktion in München ging es hoch her um ein Werk von Paul Emil Jacobs, dessen „Szene aus dem Griechischen Freiheitskampf“ von 1841 erneut Bieter aus dem Mittelmeerland umkämpften und privat schließlich mit 83 000 Euro (12 000/ 15 000) entlohnten. Auch eine „Große höfische Jagdgesellschaft“ von Jan Chelminski entfachte bei seinen polnischen Landsleuten patriotischen Großeinsatz, blieb aber für 74 000 Euro (20 000/30 000) in Deutschland. Die Vergabe von Julien Duprés „La fenaison“, einer jungen Bäuerin beim Heuwenden, machten Amerikaner unter sich aus, zugunsten von New Yorker Handel, der 44 000 Euro (30 000/40 000) bewilligte.

Dann trat mit sieben Werken Franz von Stuck auf den Plan, wie erwartet setzte sich „Dissonanz“ an die Spitze: Das beliebte Motiv des kleinen, den Pan mit seinem Flötengequietsche nervenden Daphnis stieg auf 75 000 Euro (30 000/40 000). Spitzwegs „Strickender Soldat“ auf einer Schützenscheibe traf die Erwartung mit 22000 Euro. Wilhelm Buschs Malerei setzte ihre neuerdings zu beobachtenden Erfolge mit 25 000 Euro für die „Wiedensahler Bockmühle bei aufziehendem Gewitter“ fort, das war die doppelte Obertaxe. Und auch Wilhelm von Kobells hübsches Aquarell „Reiter vor München“ jenseits der Isar schaffte mit 32 000 Euro lässig mehr als die bis 20 000 Euro angesetzte Schätzung.

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