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Münchner Auktionen : Endspurt in München

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Ein gähnender Soldat von Spitzweg ist zum Symbol bayrischer Friedfertigkeit geworden. Das Bild ist die Attraktion bei Art & Auktionen Scheublein. Auch bei Ruef und Hampel geht es mit Kunst und Kunsthandwerk in die letzte Runde.

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          München steht vor einer knallvollen Auktionswoche so kurz vor der Sommerpause: Gleich drei Häuser versteigern Kunst und Kunsthandwerk, und das zum Teil parallel. Ruef beginnt am 29. und 30. Juni, Hampel setzt am 30. Juni ein und am 1. Juli fort, und Art & Auktionen Scheublein geht am 1. Juli in die Schlussrunde. Erst dort wird dann das teuerste Gemälde der Langstrecke aufgerufen, es ist Carl Spitzwegs gähnender Soldat „Auf der Bastei“.

          Vor ihm flattert Wäsche, im Kanonenrohr nistet ein Spatz, und auch der ruinöse Zustand der Festungsmauern zeigt, wie wenig damals der bayerische Märchenkönig Ludwig II. an Kriegshandlungen interessiert war, er baute lieber Schlösser. Spitzweg malte mehrere Versionen des beliebten Motivs, diese entstand um 1856, ist auf 400.000 Euro geschätzt und hat in der Heimat des Malers vielleicht mehr Chancen als vor eineinhalb Jahren, als Kaupp in Sulzburg das Werk anbot.

          Lenbachs Bildnis seiner zehnjährigen Tochter Marion mit Geige (Taxe 6000 Euro) zieht bei Art & Auktionen die Blicke auf sich, und für Sommerfrische sorgt Arnold Balwés Blick vom Hügel auf St. Tropez' südliche Gestade (6000). Beim Kunsthandwerk empfiehlt sich ein Meißen-Set von sechs Tellern plus Platte aus der Marcolini Zeit (4000).

          Ein gröberer Scherben, Fayence nämlich, charakterisiert bei Ruef eine Abteilung mit hundert Losen aus berühmten Manufakturen. Heraus ragen zwei Enghalskrüge aus Künersberg, der eine weißgrundig, um 1750 mit lebensechten Insekten und Blumen dekoriert (Limit 15.000 Euro), der andere mit blauen Architekturen in prächtigen Rollwerkkartuschen und vergoldeter Silbermontierung (12.000). Die Rüstkammer Ludwig Rudolfs von Braunschweig-Wolfenbüttel verstärkte eine Steinschlossflinte, die Büchsenmacher J. S. Hauschka mit Fürstenhut und Initialen des Herzogs versah (4000).

          Chinoiser Goldschmuck auf schwarzem Grund

          Dem Haus Hannover und damit der Verwandtschaft gehörte das kleine Modell einer Erzmine mit Förderschienen und Antriebsrädern. Laut Katalog stand es in Schloss Traunsee (1800). Ruefs Altmeisterkapitel dominiert Jan van Goyens weite Dünenlandschaft mit einem kantigen Kirchturm und aufgelockert von Bauern beim Schwätzchen (30000). Sechs braungebrannte Badende mit Segelschiff aquarellierte Max Pechstein auf einem marktfrischen, ins Werkverzeichnis aufgenommenen Blatt zum Startpreis von 8000 Euro.

          Aufmerksamkeit gebührt auch einem Dresdner Lackmöbel aus der Zeit August des Starken. Die Aufsatzschreibkommode trägt üppigen chinoisen Landschafts- und Architekturschmuck in Farben und Gold auf schwarzem Lackfond; ihre Ähnlichkeit mit Arbeiten des Dresdner Hofkünstlers Martin Schnell rechtfertigt ein Limit von 30.000 Euro.

          Ein Bekannter von der Postpalastmesse

          Auch Hampel bietet Lackmöbel an. Das älteste dürfte ein japanischer Kabinettkasten der Zeit um 1700 sein. Seine zierlichen Pagoden und Vögel in kultivierter Landschaft kontrastiert der spätere Amsterdamer Unterbau mit Stützen in Mohrengestalt (Taxe 20.000/30.000). Erneut tritt Jan van Goyen auf, diesmal mit einem Paar 1627 datierter, kleiner Tondi, die lange in amerikanischem Privatbesitz weilten (50.000/70.000).

          Wieder begegnen uns bei Hampel eine ganze Reihe alter Bekannter aus dem Handel. Zum Beispiel Giovanni Battista Pittonis „Anbetung der Hirten“, die eine prominente Ausstellungsliste aufzuweisen hat und auch schon bei Albrecht Neuhaus in Würzburg hing (110.000/120.000). Oder ein marmorner Gueridon mit Ordensmotiv der Ehrenlegion und großem „N“ auf der Platte (45.000/60.000); einschließlich des Katalogfotos, welches ihn in Malmaison zeigt, kennen wir den Tisch von der Münchner Postpalastmesse im vergangenen Herbst.

          Erneut steht eine jener Bibliotheken zu Gebote, mit deren Gold- und Lederschimmer das Haus bereits beträchtliche Erfolge verbuchte. Vermutlich wurden auch diese 900 Bände in französischer Sprache wieder aus diversen Quellen zusammengetragen - nur achtzehn scheinen noch die Erwähnung von Autor und Titel wert, der Rest ist nach Tradition duftende Schönheit (180.000/ 240.000).

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