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Modeschöpferin Agnès B. : Im Einklang mit sich selbst

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Im Herbst eröffnet die Modeschöpferin und Kunstsammlerin Agnès B. „La Fab“ in Paris: Es ist ein Ort für ihre eigene Galerie, für Ausstellungen und für ihre Stiftung.

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          Eine Pariserin, die etwas auf sich hält, hat mit Sicherheit ein paar Teile von „agnèsb.“ in ihrer Garderobe. Wer Platz hat, aufzuheben, holt Jahre später einen knöchellangen Faltenrock, eine gestrickte Kapuzenjacke oder eines ihrer Künstler-T-Shirts von Jean-Michel Basquiat, David Lynch oder Douglas Gordon aus dem Schrank, als sei all das eben erst gekauft worden. Die Schnitte sitzen, die Qualität der Stoffe ist exzellent, die Kleidungsstücke sind bequem und haben trotzdem eine raffinierte Note. Gefertigt wird noch heute so viel wie möglich in Frankreich, ansonsten in Fabriken naher Länder mit untadeliger Herstellungspolitik.

          Denn bei der Marke agnèsb. und bei der Frau, die dahintersteht, bleiben Engagement und Ästhetik untrennbar miteinander verbunden. Sie mache keine Mode, das betont Agnès B. seit ihren Anfängen in den siebziger Jahren, sondern ganz einfach Kleidungsstücke, in denen man sich wohl fühle und, wie sie sagt, an etwas anderes denken könne. Sie verbindet das mit Überzeugungen – zum Beispiel Steuern in ihrem Land gerne zu bezahlen oder ihren erarbeiteten Reichtum zu teilen. Von Beginn an wurde auch keine Werbung gemacht. Dennoch eroberte die Marke agnèsb. in den achtziger Jahren New York, Los Angeles, Tokio und Hongkong, später Taiwan, China und Singapur. Ob durch den Stiftungsfonds oder ihre Filmproduktion: AgnèsB. unterstützt Projekte, die ihr am Herzen liegen.

          Ich habe diesen Namen in null Komma nichts erfunden

          Niemand würde auf die Idee kommen, sie Madame Troublé zu nennen, nach ihrem eigentlichen Namen, mit dem sie 1941 in Versailles geboren wurde. In der Mode- wie in der Kunstwelt wird sie mit Agnès angesprochen. Wer über sie schreibt, hängt das „b.“ an – ein Relikt des Namens ihres ersten Ehemanns, des Verlegers Christian Bourgois. Mit siebzehn war sie verheiratet, mit achtzehn Mutter von Zwillingen. Später folgten noch drei Kinder mit zwei Lebenspartnern. „Ich habe diesen Namen in null Komma nichts erfunden“, erinnert sie sich heute, „damals arbeitete ich für andere Marken, und dann sollte eine Pullover-Serie von mir als Designerin erscheinen. Ich sagte spontan: Nennen wir sie einfach ‚agnèsb-Punkt’.“ Der Name blieb, wurde 1973 zur Marke und dann auch zu ihrer Identität. Das Logo schreibt sie in ihren bevorzugten Farben Schwarz auf Weiß oder umgekehrt und mit ihrer ausgeglichenen, klaren Handschrift, die auch sonst überall auftaucht, wo agnèsb. am Werk ist. „Ich liebe Schrift und Schreiben“, kommentiert sie das. Auch die Fassade von „LaFab“, die noch in diesem Herbst im 13. Arrondissement von Paris eröffnet, wurde eigens von ihr beschriftet: Fab wie „Fondation agnèsb.“, aber auch wie fabrique und Warhols factory oder wie fabriquer, machen.

          Dass AgnèsB. allmählich auf die achtzig zugeht, merkt man allenfalls an ihrer Biographie. Sie ist wie eh und je eine in sich ruhende Frau mit vollem Arbeitsprogramm, ein humorvoller, sprühender Geist, offen für die anderen. Kinder hat sie besonders gerne um sich. Mittlerweile sind es die Urenkel, die in ihrem großen Studio im Hauptsitz an der Rue Dieu, mit Blick über die silbergrauen Dächer von Paris, zum Spielen und Zeichnen kommen. Jeder Modedesigner hat ein Gespür für den Zeitgeist. Die Frage stellt sich dann, welchem Ausdruck der Zeit das Interesse gilt. Bei AgnèsB. lässt sich eine anziehende Mischung aus Konservatismus und Underground ausmachen, mit einer Neigung zur rebellischen Avantgarde. Sie stammt aus einem gutbürgerlichen Elternhaus in Versailles und wuchs gleich neben dem Schlosspark auf. Immer wieder betont sie, wie stark die klassischen Linien, die strenge Schönheit dieses Parks ihr ästhetisches Empfinden geprägt haben.

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