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Auktionen in Köln : Clown am Kaiserstuhl

  • -Aktualisiert am

Werke von Camille Pissarro, Paula Modersohn-Becker und Cindy Sherman führen die Offerten moderner und zeitgenössischer Kunst bei Lempertz und Van Ham in Köln an. NFT gibt es auch.

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          Friedlich grast die Kuh auf der sommerlichen Wiese unter Obstbäumen: Camille Pissarro hielt die pittoreske Szene im September 1899 fest, als sich der Maler für mehrere Wochen in ein Dorf in der Normandie zurückzog. Das kleine Ölgemälde ist mit einer Taxe von 500.000 bis 700.000 Euro das höchstdotierte Los in Lempertz’ „Evening Sale“ mit Moderne und zeitgenössischer Kunst, der am 3. Dezember in Köln stattfindet. August Macke malte 1908 einen „Sonnigen Garten“ in Paris, in dem sich seine spätere Ehefrau Elisabeth Gerhardt ausruht (Taxe 300.000 bis 400.000 Euro); von Max Pechstein kommt eine doppelseitig um 1920 bemalte Leinwand mit der Wanderdüne in Nidden und einem Porträt seines Sohnes Frank zum Aufruf (200.000/ 250.000); und Max Beckmann liefert seine erste, 1911 gemalte Straßenlandschaft (200.000/300.000).

          Den Katalogtitel zur Veranstaltung mit 73 Losen schmückt Max Ernsts 1954 entstandenes Gemälde „Flaneurs“, das dem Pariser Galeristen René Rasmussen gehörte (250.000/350.000). Zwei Skulpturen runden das Angebot der Moderne ab: Bei Ernst Barlachs berühmter Bronze „Singender Mann“ von 1928 handelt es sich um einen seltenen Lebzeitenguss (200.000/250.000), ebenso bei der 102 Zentimeter hohen Bronze eines Fohlens von Renée Sintenis von 1932, die sich in der Sammlung Adalbert und Thilda Colsman befand und 150.000 bis 200.000 Euro erlösen soll.

          Bei Lempertz’ Zeitgenossen steht Andy Warhol an der Spitze der Offerte: Sein 1981 gemaltes Acrylbild mit Siebdruck von „Ms. B“ und ihrem Hund Yucca ist auf 300.000 bis 400.000 Euro geschätzt; seine drei Jahre später entstandene Farbserigraphie „Grace Kelly“ soll 140.000 bis 180.000 Euro einbringen. Von Gotthard Graubner geht einer seiner Farbraumkörper an den Start, die der Künstler seit den Sechzigerjahren herstellte (250.000/300.000).

          Gerhard Richter firmiert mit einer kleinen, abstrakten Ölarbeit auf Papier von 1989 (130.000/150.000). Die rätselhafte Landschaft „Die bunten Felder“ schuf Franz Radziwill 1957, als ihm die Ostberliner Nationalgalerie eine Retrospektive widmete und seine Sonderstellung als „Magischer Realist“ untermauerte (100.000/120.000). Die Erwartungen für Lempertz’ „Evening Sale“ und den am 4. Dezember stattfindenden „Day Sale“ liegen zusammen bei 8,7 Millionen Euro.

          Einige Tage zuvor, am 1. Dezember, auktioniert Van Ham seine Kunst in Köln: Die Offerte der Moderne führt das innige Geschwisterbildnis „Sitzender Junge mit Mädchen auf dem Schoß“ von Paula Modersohn-Becker an, das 1903 entstand und sich lange im Besitz ihres Mannes befand (200 .000/ 300.000). Mit einer hervorragenden Provenienz kann Rudolf Bauers Leinwandarbeit „Contrast“ von 1924 aufwarten: 1936 erwarb Solomon R. Guggenheim das Gemälde für sein Museum in New York, in dessen Sammlung es bis 1986 verblieb (100.000/150.000).

          Zu den attraktivsten Angeboten bei Van Hams Zeitgenossen zählt Cindy Shermans Fotografie aus ihrer 2004 begonnenen Serie „Clowns“: In der unbetitelten Arbeit nutzt die Künstlerin erstmals digitale Bildbearbeitung. Der 182 mal 123 Zentimeter messende C-Print aus der Sammlung von Thomas Olbricht ist mit einer Taxe von 160.000 bis 220.000 Euro beziffert (Exemplar von 6). Eine eigene Abteilung widmet sich den Künstlerinnen der Nachkriegszeit, darunter Leiko Ikemura, die mit dem monumentalen Triptychon „Kaiserstuhl“ von 2013 vertreten ist (60.000/90.000). Von John Chamberlain geht die farbige, 130 Zentimeter hohe Stahlskulptur „Fourdoorcoupe“ von 2007 für 300.000 bis 500.000 Euro ins Bietergefecht; und eine Arbeit von Sigmar Polke mit dem charakteristischen Raster-Punkt-Muster aus dem Jahr 1999 soll 250.000 bis 300.000 Euro erreichen.

          Das kinetische Werk „Continuel Lumière Cylindre“ von Julio Le Parc aus den Sechzigerjahren befand sich über dreißig Jahre in Privatbesitz (100.000/150.000). Mit der 1985 entstandenen Arbeit „Sunset Strollers“ wird erstmals ein Werk des Fotorealisten Robert Bechtle auf dem deutschen Kunstmarkt angeboten (200.000/300.000).

          Eine Premiere ist auch die NFT-Auktion, mit der Van Ham in das Geschäft um die Non-Fungible Token einsteigt. Fünf hyperrealistische Fotoporträts von Pop- und Rockstars, aufgenommen von Gavin Evans, sind auf 10 .000 bis 15. 000 Euro taxiert. Die Kunstwerke bestehen jeweils aus einem fünfzig Zentimeter im Quadrat messenden, signierter und limitierter Druck sowie dem zugehörigen „Godpixel“. So nennt Evans die dynamische Digitalversion, in der das Porträt durch Morphing von einer Version in eine andere überführt wird. Sie ist als NFT auf der Ethereum-Blockchain geprägt. Van Hams Gesamterwartungen belaufen sich auf 6,5 Millionen Euro.

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