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Moderne und zeitgenössischen Kunst : Der Korkenziehermann: Vorschau auf die Auktionen im Kinsky in Wien

  • -Aktualisiert am

Den Schwerpunkt bei der klassischen Moderne gibt ein Konvolut von teilweise kolorierten Bleistiftzeichnungen Ferdinand Hodlers ab. Daß der Symbolismus eine Fortsetzung fand, zeigt sich bei den Zeitgenossen anhand Maria Lassnigs Gemälde „Korkenziehermann (Tod)“ von 1987.

          Die XIX. Ausstellung in der Wiener Secession 1904 blieb für manche der Teilnehmer nicht ohne Folgen. Für Ferdinand Hodler etwa, der als Ehrengast mit 31 Werken und dem Plakatentwurf vertreten war, trug die Schau zu seinem lange erträumten Durchbruch bei. Kolo Moser, damals noch in leitender Position bei der Wiener Werkstätte, war beeindruckt vom Œuvre des Schweizer Kollegen, was sich später, als der ehemalige Meister der Flächenkunst sich der Malerei widmete, allzu deutlich wird. Josef Hoffmann - ebenfalls Hodler verbunden - bestückte dessen Genfer Wohnung 1913 mit dafür entworfenen Möbeln. Bei der Auktion im Wiener Kinsky am 16. und 17. Mai sind sie und weitere Mitstreiter von damals wieder kurzfristig vereint.

          Ein Konvolut von Bleistiftzeichnungen Hodlers, teilweise koloriert, gibt einen Schwerpunkt bei der klassischen Moderne ab. Bei dem Löwenanteil handelt es sich um Skizzen für das monumentale Gemälde „Die Liebe“, die im günstigsten Fall bei einer Schätzung zwischen 3000 und 5000 Euro liegen, doch sind auch der träumende Jüngling vom Secessionsplakat (Taxe 8000/12 000 Euro), eine Studie zum „Rückzug von Marignano“ (25 000/ 40 000) oder ein liebevoll skizzierter Teddybär der Tochter auf einem Hoffmann-Sessel (8000/12 000) mit von der Partie.

          Klimt glänzt diesmal mit einer Studie zum „Kuß“ (35 000/60 000), von Schiele stechen ein wunderbarer „Knieender Frauenakt mit gelben Strümpfen“ ins Auge (80 000/140 000) sowie eine „Sitzende“ (60 000/130 000) in Kreide. Gespannt sein darf man auf Renoirs Gemälde „Paysage d'Essoyes“ (180 000/300 000).

          Aus dem Star-Boudoir

          Zum fünfzigsten Todestag von Josef Hoffmann, dem Künstlerarchitekten der Wiener Moderne, richtet man bei der Jugendstilsparte das Augenmerk auf Hoffmanns späteres Werk nach 1925 bis zur Auflösung der Wiener Werkstätte 1932. Zeugnis davon gibt ein Tisch mit Spiegelplatte (5000/8000) oder der beinah zur Gänze gepolsterte Hocker (2500/5000), beides Teile vom „Boudoir d'une grande vedette“, mit dem sich Hoffmann auf der Weltausstellung 1937 in Paris präsentierte.

          Von Josef Hoffmanns kongenialem Partner aus der Frühzeit der Wiener Werkstätte, Kolo Moser, stammt das Spitzenstück dieser Sparte, ein Silbercollier mit Mondsteincabochons und einem weißen Opal von 1905. Klimt selbst hatte es einst Emilie Flöge geschenkt, die sich wiederum damit von Dora Kallmus, der Porträtistin der damaligen Wiener Kulturszene, fotografieren ließ (120 000/200 000).

          Eine frühe Künstlerpostkarte (2000/4000) von Moser sowie ein Skizzenbuch (2000/ 4000) aus den Jahren von 1908 bis 1916 zeigen aufs neue den Wandel des genialen Entwerfers zum symbolistischen Maler. Daß derlei Symbolismus eine Fortsetzung fand, zeigt sich bei den Zeitgenossen bei einem Gemälde von Maria Lassnig, „Korkenziehermann (Tod)“ aus dem Jahr 1987, das auf 100 000 bis 180 000 Euro geschätzt ist.

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