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Moderne Kunst und Fotografie : Drei Männer und ihr Modell: Vorschau auf Auktionen der Villa Grisebach in Berlin

Das Gemälde „Le modèle“ von Henri Manguin (Taxe 30 000 bis 40 000 Euro) ist schon deshalb eine Trouvaille, weil es bislang unbekannt war, aber auch, weil das Centre Pompidou zwei Bilder aufbewahrt, die mit „Le modèle“ in einem interessanten Verhältnis stehen.

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          Henri Manguin bezog 1899 ein großes Atelier in der Pariser Rue Boursault, wo er sich oft mit seinen Freunden Matisse und Marquet zum Malen und Diskutieren traf. Einige wichtige Arbeiten des Fauvismsus sind hier entstanden, so auch Manguins Ölbild „Le modèle“, das sich einst im Besitz des Sammlers und Mäzens Eberhard Freiherr von Bodenhausen befand. Der stehende weibliche Akt in besagter Künstlerklause, von Manguin um 1904/05 pointilistisch farbig in Szene gesetzt, ist bei den Berliner Herbstauktionen der Villa Grisebach nicht nur eine Trouvaille, weil das Werk bisher unbekannt war - es hing Jahrzehnte in einer Berliner Privatsammlung -, sondern es existieren von derselben Sitzung zwei weitere Gemälde der Freunde Marquet und wohl Matisse, auf denen sie sich gegenseitig beim Porträtieren der Dame malen. Während die Spiegelbilder im Centre Pompidou hängen, soll die von Manguin auf 73 mal 55,5 Zentimeter festgehaltene Szene in Berlin 30 000 bis 40 000 Euro bringen.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Neben Manguin kommen 97 „Ausgewählte Werke“ von Barlach bis Gustav Wunderland am 25. November zur Auktion; die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts folgt zusammen mit dem preiswerteren „Third Floor“ am 26. November. Werke der Fotografie, unter anderen von Andreas Feininger, Lewis Hine, Renger-Patzsch sowie Lindbergh und Sugimoto werden am 24. November versteigert. Nicht jede Saison freilich kann Rekorde bringen, wie es die erfolgsverwöhnte Villa Grisebach zuletzt im Frühjahr erlebte, als sie mit Beckmanns enigmatischer Schönheit „Anni“ 3,4 Millionen Euro erzielte, den höchsten Zuschlag für ein Kunstwerk bei einer deutschen Auktion. Weitere Millionenzuschläge bescherten dem Haus da mit 22 Millionen Euro den höchsten Umsatz in seiner Geschichte. Diesmal findet sich in Berlin kein vergleichbarer, millionenstarker Schätzwert, wie der von 1,5 bis 1,7 Millionen Euro für Lyonel Feiningers 1928 entstandenes Gemälde „Gelmeroda XI“, das Anfang Dezember bei der Kölner Konkurrenz Lempertz zum Aufruf gelangen wird. Schätze lassen sich gleichwohl ausmachen.

          Zu den Spitzenlosen zählt Yves Tanguys 1929 gemaltes, surrealistisches Bild „Ohne Titel“. Die Assoziationsmöglichkeiten für die fünfzig mal 64,7 Zentimeter messende Fläche sind beinah grenzenlos; die biomorphen Konstruktionen in matten Oliv- und Grautönen lassen keinen Bezug zur Wirklichkeit erkennen, allenfalls vielleicht zu fremden Galaxien. Auch Tanguy hat die Entrücktheit und Rätselhaftigkeit seiner Bildwelten nie erklärt. Auf 300 000 bis 400 000 Euro ist das frühe Glanzlicht des Surrealismus geschätzt, dessen Rahmen einen Aufkleber der Galerie Jan Krugier aufweist.

          Sommerfrische statt Apokalypse

          Ebenfalls mit 300 000 bis 400 000 Euro beziffert ist eine „Holländische Landschaft mit Badenden (Sommertag)“ von Beckmann, 1941 im Exil gemalt. Fünfzig mal 76 Zentimeter mißt das Werk mit Vorprovenienz Galerie Beyeler. Auf dem schilfumgürteten See springen Menschen vom Boot ins Wasser. Die Stimmung ist heiter, eine Fahne weht im Wind, grüne Wiesen und vereinzelte Häuser verdichten die sommerlich idyllische Atmosphäre. Dabei beschäftigte sich Beckmann 1941 hauptsächlich mit der „Apokalypse“ - es bleibt doch erstaunlich, daß sich der Künstler im niederländischen Exil trotz der Bedrohung der Deutschen, die im Jahr zuvor Holland überfallen hatten, dem Badesujet widmet. Neben einer Mappe mit neunzehn Kaltnadelradierungen Beckmanns, die zwischen 1914 und 1919 entstanden und unter dem Titel „Gesichter“ 1919 als Portfolio erschienen (Auflage 1/60; Taxe 70 000 bis 90 000 Euro), besticht sein berühmtes „Selbstbildnis mit steifem Hut“ von 1921, das hier als einer von fünfzig Abzügen der ersten Auflage 70 000 bis 90 000 Euro kosten soll.

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