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Moderne Kunst : Trotziger Engel des Nordens

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Werke namhafter französischer Künstler von Manet und Matisse bis zu Degas und Boudin sind der Höhepunkt der Auktion bei Nagel am 26. April. In einer Spezialofferte versteigert das Stuttgarter Auktionshaus russische Kunst des 20. Jahrhunderts.

          Einen Höhepunkt bei der Auktion für Moderne Kunst bei Nagel in Stuttgart am 26. April markiert die Einlieferung einer Stuttgarter Privatsammlerin, die Gemälde von Eugène Boudin, die Zeichnung einer Ballett-Tänzerin von Degas (Taxe 25.000 Euro) und Arbeiten anderer namhafter französischer Künstler umfasst: Teuerstes Werk aus der Sammlung ist eine Ansicht des Strands von Trouville, des Urlaubsorts der Pariser Impressionisten; Boudin setzte das Motiv feingekleideter Damen beim Plausch vor dem weiten Meer im Jahr 1880 aus kurzen Strichen zusammen. Das mit 15,5 mal 35 Zentimeter für Boudin typische Format ist auf 50.000 Euro geschätzt.

          Aus einer Pariser Privatsammlung kommt ein Gemälde von Matisse aus dem Jahr 1920 mit kleinen Restaurierungen: Auf 38 mal 46 Zentimetern öffnet sich ein romantischer Meerblick mit Boot, „Le Rivage, Etretat“ für erwartete 250.000 Euro; seit 1982 befand sich das Bild in Pariser Privatbesitz. Über die Provenienz von Eduard Manets „Le Christ Jardinier“, um 1856, für 40.000 Euro gibt der Katalog keine Angaben, außer dem Hinweis, dass das Bild wohl nach dem Tod des Künstlers beschnitten worden sei. Emil Noldes charakteristische rote Häuser spiegeln sich in geschwungenen Linien in der Wasseroberfläche eines Sees: Das Aquarell mit schwarzer Tusche von 1909/10, auf gelbgetöntes Japanpapier gemalt, soll 20.000 Euro einspielen.

          Zugeneigte Posen

          Vom Stammgast im Stuttgarter Auktionshaus, Fritz Klimsch, reckt sich diesmal eine magere Frauenskulptur mit dem Titel „Frühling“ von 1925/1926 in 180 Zentimeter Höhe. Als Gegenpostion zeigt der Katalog zwei traurige Zeichnungen von Käthe Kollwitz (1500 und 2800 Euro). „Zwei Freunde (Müller und Scherer)“ von Ernst-Ludwig Kirchner, 1925 als Figuren ins Holz geschnitten, stehen einträchtig beieinander (25.000). In zugeneigter Pose gibt sich auch ein knapp siebzig Zentimeter hohes, tanzendes Paar aus Bronze von Georg Kolbe (10.000). Nach einen Zeitsprung in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts öffnet sich eine aquarellierte Waldlichtung von Anselm Kiefer (1973/74; 20.000).

          Ein „Achrome“ mit Steinen von Piero Manzoni aus dem Jahr 1963 kommt aus einer Münchner Privatsammlung (75.000), und fünf Werke von Günther Förg sind zwischen 7000 und 16.500 Euro angesetzt: Neben Förgs Bronze- und Betonarbeiten besticht dabei ein abstraktes Triptychon in changierenden Orange- und Brauntönen aus dem Jahr 1989 für 12.500 Euro. Serge Poliakoffs „Composition abstraite“ von 1962 ist äußerst attraktiv, im warmen Rotton und mit den sich umschmeichelnden abstrakten Formen (90.000); das Bild kommt aus einer spanischen Privatsammlung.

          Der Trotz des Engels

          Bemerkenswert trotzig präsentiert sich bei ihrer Größe von nur sieben Zentimetern eine Eisenskulptur von Antony Gormley: Sein „Angel of the North“ steht mit schweren Flügeln auf einer halbkreisförmigen Kuppe, als warte er auf den einen kräftigen Windstoß (1200). Reizvoll ist jedenfalls das Gemälde „Iker“ von Victor Vasarely. Punkte und kleine Quadrate verwirren das Auge - psychodelisches Spiel mit einem Schätzpreis von 50.000 Euro.

          In einer Spezialofferte versteigert Nagel russische Kunst des 20. Jahrhunderts, die bei Schätzungen ab 4000 Euro beginnt. Den Höhepunkt markieren hier das genrehafte Gemälde von Boris Kustodjew „Jahrmarkt“ von 1909, und Ilja Tschaschniks abstrakte Komposition von 1922/23; sie sind mit jeweils 250.000 Euro beziffert.

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