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Moderne Kunst : Schöne Nadja, teures Mädchen

  • -Aktualisiert am

Der deutsche Expressionismus triumphierte bei der Auktion von Ketterer in München, vor allem aber Emil Noldes Gemälde „Nadja“: Mit 2,15 Millionen Euro erzielte das Bild einen Rekordzuschlag für Nolde und lieferte einen wichtigen Fingerzeig für den deutschen Auktionsmarkt, der sich für weitere kostbare Objekte empfiehlt.

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          „Nadja“ ist der Superstar: Für Emil Noldes Bild der schwarzhaarigen Schönheit mit dem großen roten Mund fiel der Hammer auf der Ketterer-Auktion Moderner Kunst bei 2,15 Millionen Euro, also weit über der Schätzung von 1,2 bis 1,8 Millionen; das ist der höchste Preis, der je für ein Gemälde Noldes in Deutschland geboten wurde. Der private Käufer, der einschließlich Aufgeld sogar 2,58 Millionen Euro zu entrichten hat, bekommt ein Bild mit aufregender Geschichte: Erst gehörte es dem Verleger Ernst Rathenau und hing in Berlin, dann kam es im Banksafe zwar heil durch den Krieg, später jedoch in die Hände von Dieben und verschwand schließlich auf einem Dachboden, wo es nach dreißig Jahren kürzlich wiederentdeckt worden war.

          Der neue Eigentümer, ein Tabakwarengroßhändler aus Mönchengladbach, der bislang vor allem Arbeiten von Horst Janssen sammelte, habe sich spontan in „Nadja“ verliebt, weiß man bei Ketterer zu berichten. Erst einmal wolle er das Werk zu Hause genießen, schlösse aber die spätere Leihgabe an ein Museum nicht aus. Dank des Presserummels, der „Nadja“ in den letzten Wochen umtoste, hat sich möglicherweise das Rätsel ihrer Identität gelöst: Eine fünfundachtzigjährige Dame meint in der Dargestellten ihre einstige Vermieterin Nadja Selten zu erkennen, die sie als mondäne, gut aussehende Berlinerin beschreibt.

          Millionenobjekte für Deutschland

          „Der Folgerechtsharmonisierung sei Dank“, so kommentierte Robert Ketterer seinen ersten Millionenzuschlag seit der Einführung des Euro. Offenkundig ist es nun nicht mehr gänzlich abwegig, kostbare Objekte in Deutschland einzuliefern. Zum Erfolg der Auktion, deren Bruttozuschlagsumme das Haus mit zehn Millionen Euro angibt, steuerte Nolde nochmals bei: Aquarellierte „Lilien rot und gelb“ erzielten im Taxrahmen 115.000 Euro.

          Auf Platz zwei landete Wladimir von Bechtejeff mit „Vier badenden Mädchen“, die Thannhauser in München noch im Entstehungsjahr 1911 ausstellte. Der griechische Sammler, der zur Zeit deutsche Auktionshäuser beglückt und bereits im vergangenen Herbst bei Ketterer einen preislichen Riesensprung für den russischen Freund des Blauen Reiters mitverursachte, genehmigte für die Badenden 385.000 Euro gegen internationale Mitbewerber (Taxe 240.000/ 280.000 Euro). An seine Adresse ging auch Wilhelm Morgners regenbogenfarbene „Abstrakte Komposition XVI“ von 1912 für erhoffte 160.000 Euro.

          Triumph des Expressionismus

          Der deutsche Expressionismus triumphierte weiter: Um Otto Müllers Mädchenakt vor Bäumen, ein perfektes Blatt in Mischtechnik, kämpfte deutscher Handel gegen Telefone und Saalbieter, bis bei 300.000 Euro die Schätzung verdreifacht war. Ein Stück Regenbogen über Dorfdächern erzielte, von Schmidt-Rottluff aquarelliert, 155.000 Euro (40.000/60.000). Rohlfs knalliger Klatschmohn auf Bütten erforderte 90.000 Euro (30.000/ 40.000).

          Zu Helden der Kunst nach 1945 kürten die Bieter Pierre Soulage - seine blau-schwarzen Balken kaufte ein Franzose für 210.000 Euro (100.000/150.000) - und den Action-Painter Franz Kline mit einer Tuschpinselstudie zum Gemälde „Black and White No. 2“, die 117.000 Euro brachte (70.000/90.000). Ein kräftig rotes „Spazio luce“ des oft so hauchzart malenden Calderara bekam ein deutscher Sammler erst für 37.000 Euro, weit über der Prognose von 8000 Euro. Auch Immendorffs aufgeplusterter „Wiedervereinigungsadler“ machte mit 95.000 Euro eine gute Figur (70.000/90.000).

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