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Moderne Kunst : Rätselhafte Nadja

  • -Aktualisiert am

Die Sammlungsgeschichte von Emil Noldes dunkler Schönheit „Nadja“ steckt voller Geheimnisse und kriminalistischer Wendungen. Weil sich die heutigen Eigentümer gegen ein großes internationales Haus entschieden, wird es am 12. Juni bei Ketterer als Spitzenlos aufgerufen.

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          Wer Nadja war, wissen die Götter, und voller Geheimnisse ist auch die Geschichte des Bildnisses der dunklen Schönen mit Rehaugen und leicht geöffnetem Erdbeermund, das am 12. Juni bei Ketterer in München versteigert wird. Emil Nolde malte „Nadja“ 1919, das Modell traf er vielleicht im Berliner Künstlermilieu, wo er auch seiner Frau Ada begegnet war. Irrtümlich vermerkt der Maler später in seinem Verzeichnis den ermordeten Außenminister Walther Rathenau als Eigentümer des Werkes. Tatsächlich gehörte es aber dessen Vetter Ernst Rathenau, der als Verleger viele Bücher zum Expressionismus herausgab.

          Als er 1938 nach New York emigrierte, brachte seine Sekretärin „Nadja“ in einem Berliner Banksafe in Sicherheit; dort überlebte sie nicht nur die Kunstsäuberungs- und Devisenbeschaffungsaktionen der Nationalsozialisten, sondern auch die Bombardierung. Nach 1945 lagerte Erich Rathenau, der sich häufig in Deutschland aufhielt und 1986 in Bad Nauheim starb, das Bild bei einer Freiburger Spedition ein. Dort sah er es zuletzt 1977, denn zwei Jahre später war es gestohlen.

          Ein veritabler Kunstkrimi

          Fast dreißig Jahre später meldete das Landeskriminalamt Baden-Württemberg im vergangenen Dezember den glücklichen Ausgang des Kunstkrimis: Danach soll ein Sammler nach dem Tod seiner Tochter, die möglicherweise in den Diebstahl verwickelt war, „Nadja“ auf dem Dachboden entdeckt und der Polizei übergeben haben. Der Zustand des Gemäldes ist exquisit, der satte pastose Farbauftrag blieb unangetastet, seit es Noldes Staffelei verließ.

          Dass die Erben sich nun gegen die internationalen Häuser zu seinen Gunsten entschieden, erklärt Robert Ketterer einleuchtend: Bei den Großen wäre das Bild eines von vielen, bei ihm ist es einsame Spitze und wird entsprechend aufwendiger vermarktet. Die Taxe für die expressive, ewig Junge beläuft sich auf 1,2 bis 1,8 Millionen Euro. Zum Vergleich: Letztes Jahr brachte Noldes „rotblondes Mädchen“ aus demselben Entstehungsjahr 1,8 Millionen Pfund, also etwa 2,7 Millionen Euro.

          Jörg Immendorffs „Wiedervereinigungsadler“

          In Nadjas Entourage macht sich „Maschka tanzend“ bemerkbar, die Otto Mueller, 1903 noch von Franz von Stuck inspiriert, nur mit einem Schleier um die Hüften nach Ausdruck suchen lässt. Das Bild wurde mit 140.000 bis 180.000 Euro ebenso eingeschätzt wie die in allen Regenbogenfarben lodernde „Astrale Komposition XVI“, die Wilhelm Morgner 1912, wenige Jahre vor seinem frühen Kriegstod, schuf. Dass Gabriele Münters Rückkehr zu ihren älteren Murnauer Motiven sich großer Beliebtheit erfreut, bestätigt die Taxe von 120.000 bis 150.000 Euro für eine „Herbstlandschaft mit braunem Baum“ aus den dreißiger Jahren.

          Hohe Erwartungen werden an russische Kunst geknüpft, vor allem an Wladimir von Bechtejeff, der im vergangenen Jahr bei Ketterer ein Spitzenergebnis erzielte. Diesmal streben „Vier badende Mädchen“ in schillernd farbiger Landschaft nach 240.000 bis 280.000 Euro - kaum fertig, hing dies Bild 1911 schon in der Münchner Galerie Thannhauser. Pierre Soulages gibt dem ansehnlichen Kapitel Nachkriegskunst mit einer Peinture raumstiftender Balken (100.000/150.000) eine Pointe, eine andere der stolze kleine „Wiedervereinigungsadler“ auf mächtigem Sockel, mit dem die Auktion Jörg Immendorff wenige Tage nach seinem Tod ein Denkmal setzt (70.000/ 90.000).

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