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Fotos von Cindy Sherman : Baden gehen mit der Kunst

  • -Aktualisiert am

Hoch den Daumen: Cindy Shermans Luftmatratze im Hyperallergic Store Bild: Hyperallergic Store

Die Künstlerin Cindy Sherman ist für ihre Foto-Arrangements berühmt. Jetzt gibt es eine von ihr bebilderte Luftmatratze. Ist das nicht zu viel heiße Luft?

          2 Min.

          Ganz schön aufgeblasen, dieser Kunstmarkt, das weiß doch jeder. Was da alles aufgepumpt und zu atemraubenden Preisen verhökert wird! Die wahre Kunst der Ware Kunst aber besteht nicht darin, Krempel zu Kunst zu erklären, sondern umgekehrt Kunst in Krempel zu verwandeln, ohne dabei ästhetisch vollends baden zu gehen. Ob Kühlschrankmagneten aus dem Museumsshop, alte Meister auf Luxushandtaschen oder artistisch bedruckte Bettgestelle das leisten? Fraglich.

          Da ist es doch vielleicht besser, mit erfrischendem Vergnügen an den hässlichen Selbstporträts des Kapitalismus auf der nicht abebbenden Kunstkramwelle zu schwimmen, sich aber gleichzeitig ein klein wenig erhaben zu wähnen über den Firlefanz – zum Beispiel, indem man auf einer Luftmatratze von Cindy Sherman dahintreibt. In einem amerikanischen Online-Shop, der sich selbst als „Forum für ernstes, spielerisches und radikales Nachdenken über Kunst in der Welt von heute“ beschreibt, kann man das mannshohe Gummiteil erwerben. Es sieht aus wie ein Riesensmartphone in der Farbe Silbermetallic, auf dessen Bildschirm eines der brutal ironischen Selfies der Künstlerin aufstrahlt: „Ooops“ von 2017 zeigt ihr von digitalen Filtern bis zur Unkenntlichkeit entstelltes Gesicht, dazu einen hochgereckten Daumen – ein amerikanisches Albtraum-Selfie.

          Cindy Sherman hat viele Bilder dieser Art auf ihrem Twitter-Account gepostet. Die aufblasbare PVC-Version für das Dümpel-Erlebnis „der Premiumklasse“ jedenfalls kostet – ooops – schlappe 256 Dollar. Und das Tollste: Als Dreingabe gibt es ein buntes Strandtuch gratis dazu sowie eine durchsichtige Plastiktasche mit dem Motto der badebegeisterten Künstlerin – „I’d rather go swimming“, eigentlich würde ich lieber schwimmen gehen – plus einen obszönen Riesenschwan nach einem Entwurf ihres Kollegen David Shrigley.

          Das weiße Wesen erinnert eher an das entscheidende Detail aus der Geschichte von Leda und Zeus statt an ein Federvieh. Für mehr Skandal im Schwimmbecken. Sehr geeignet sicher auch für Kuppelshows im Fernsehen. Da ist die Sherman-Matratze doch diskreter. Nichtschwimmer dürfen sie in ihren vier Wänden aufstellen. Treibt sie unbemannt im offenen Gewässer, starrt ihr Bild träumerisch ins All, aus dem vielleicht Google Earth zurückschaut. Liegt ein Mensch auf ihr, kann er das Kunstwerk kaum sehen, es sei denn in unbequemer Bauchlage. Und dreht man das Ganze um, dürfen die Fische sich wundern über diesen seltsamen neuen Plastikmüll, der Menschen zu einem sicheren Naturerlebnis verhelfen will. Der Erlös aus dem Luftmatratzenverkauf soll in die Entwicklung von mit gefiltertem Flusswasser befüllten Schwimmbecken im New Yorker Hudson River fließen.

          Sie knipst gerne und viel: Cindy Sherman.
          Sie knipst gerne und viel: Cindy Sherman. : Bild: dpa
          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

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