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Londoner Auktionen : Mit Beckmann und Kandinsky Kopf an Kopf ins Rennen

  • -Aktualisiert am

Am 21. und 27. Juni veranstalten Sotheby’s und Christie’s ihre Londoner Abendveranstaltungen mit Impressionismus und Moderne - und einigen Neuerungen im Auktionskalender

          Es sind die zeitgeschichtliche Bedeutung und die peinvolle Wucht, die das Gewicht der infernalischen Folterszene „Hölle der Vögel“ von Max Beckmann ausmachen. Das Gemälde ist das Starlos der Moderne-Auktion bei Christie’s am 27. Juni. Beckmann begann mit der Arbeit daran im Jahr 1937 im Exil in Amsterdam, wo er bis zu seiner Übersiedlung in die Vereinigten Staaten nach Ende des Zweiten Weltkriegs lebte. Am Tag der Eröffnung der Ausstellung „Entartete Kunst“ und einen Tag nach Hitlers Hetzrede gegen die Avantgarde-Künstler war er mit seiner Frau gerade noch den Nazi-Schergen entkommen. Hunderte seiner Werke wurden konfisziert. „Hölle der Vögel“ ist eins der wenigen seiner Bilder, die sich eindeutig auf die nationalsozialistische Schreckensherrschaft beziehen.

          Vor monströsen Gestalten im Hintergrund, den Arm zum Hitlergruß ausgestreckt, steigt eine vierbrüstige Figur aus einem pinkfarbenen Ei empor, die den Gruß erwidert. Mit langen Messern bewaffnete Vögel im knallbunten Federkleid stolzieren arrogant durch die Szene, während sich einer von ihnen daranmacht, einem in Ketten gelegten Mann den nackten Rücken aufzuschlitzen. Die alptraumhafte Szene kann als zeitlose Allegorie gelesen werden, doch der direkte Zeitbezug ist unübersehbar. Es war Käthe von Porada, Beckmanns Förderin und Sammlerin, Modejournalistin für die „Frankfurter Zeitung“ und Tochter eines jüdischen Bankiers, die das Bild kurz nach seiner Fertigstellung 1938 übernahm und in das Esszimmer ihrer Pariser Wohnung hängte.

          Unter dem Motto „Actual Size“

          Christie’s nennt für die „Hölle der Vögel“ eine Erwartung „in the region of“ dreißig Millionen Pfund. Der Auktionsrekord für ein Werk Beckmanns liegt beim Zuschlag von 20,5 Millionen Dollar (mit Aufgeld 22,55 Millionen Dollar), für sein „Selbstbildnis mit Horn“ im Mai 2001 bei Sotheby’s in New York. Der Käufer des großartigen Selbstporträts aus dem Jahr 1938 war der New Yorker Kunsthändler Richard Feigen, damals in der ersten Reihe des Auktionssaals. Er agierte für Ronald Lauder und dessen „Neue Galerie“ in New York, wo es sich heute befindet. Die „Hölle der Vögel“ wurde jetzt aus der Privatsammlung von Richard Feigen eingeliefert, wo das Bild sich seit 1983 befand. Feigen war sich der programmatischen Bedeutung des Werks und seiner Verantwortung als Sammler wohlbewusst; zu seiner Ausstellungsgeschichte zählen zuletzt der Louvre in Paris und das Metropolitan Museum in New York. Der nächste Besitzer wird diese Tradition hoffentlich weiterführen.

          Den Auftakt der Londoner Versteigerungs-Suite macht aber Sotheby’s mit seiner Abendauktion am 21. Juni. Das übliche Format Impressionismus und Moderne wurde diesmal mit einer kuratierten Sektion kombiniert. Unter dem Motto „Actual Size“ kommen dort 35 Lose aus verschiedenen Epochen unter den Hammer, die nicht größer als eine Katalogseite sind, mit Taxen von 20 000 bis zu sechs Millionen Pfund. Der Auktionskatalog zeigt also die „tatsächliche Größe“; Cézanne und Picasso stellen die Spitzenlose. Daran schließt sich der klassische Teil an: dominiert von Wassily Kandinskys abstrakter Komposition „Bild mit weißen Linien“ aus dem Jahr 1913, für die mindestens 27 Millionen Pfund erwartet werden.

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